KHNVM - Foretold Monuments of Flesh

Review

Manchmal bekommt man als schreibende Zunft schon Kuriositäten in die Hand gedrückt… Die Labelankündigung von “Foretold Monuments of Flesh” propagiert das Album vollmundig als “pulverizing Old School Death Metal from Germany/Bangladesh.” Hm, interessant. Zeigt doch mal wieder, wie Metal die unterschiedlichsten Kulturen – in diesem Fall in Magdeburg, wo mittlerweile beide Mitglieder der Kombo KHNVM residieren – zusammenbringen kann. Da gilt es doch gespannt zu sein auf die interkulturelle Zusammenarbeit.

„Foretold Monuments of Flesh“ ist technisch stark, aber manchmal zu umständlich

Für die Aufnahme hat man sich ABYSMAL DAWN Mastermind Charles Elliott mit seiner Recording-Butze Tastemaker Audio ins Boot geholt. Der steuert für den Track „Sic Mundus Creatus Est“ auch gleich noch seinen Drummer James Coppolino im Rahmen eines Gastauftritts bei – im Übrigen sitzen aber auch die Parts von Stammdrummer Krzystof Klingbein auf dem ganzen Album wie eine Eins. Bei der Produktion setzt man also auf Professionalität. Schade, dass man offensichtlich trotzdem den Bass vergessen hat, denn obwohl der bei der Instrumentalisierung zwar ausgewiesen ist, kann man ihn leider fast nirgends hören. Schade, macht doch gerade der prominente Bass bei vielen Death-Metal-Platten das gewisse Etwas aus.

Doch genug der Produktionsdetails, wie klingt eigentlich die Musik? KHNVM spielen brutalen Death Metal der technisch anspruchsvolleren Art. Gleich vom Start weg gehen die Jungs richtig vorwärts und knüppeln drauf los was das Zeug hält. Der Titeltrack ist ein einziges Massaker ohne Atempause, von einem kurzen schwerfälligen Break in der Mitte mal abgesehen. Beim folgenden „Invocato Dei Plaga“ lassen die Magdeburger erstmals die Muskeln spielen und gehen schon ein wenig in Richtung Technical Death Metal. Technisch einwandfrei sicherlich, aber für meinen Geschmack zu viel disharmonische Läufe und zu viel Gefrickel.

Es folgt Heathen Beast, das dem angekündigten Stil dann wieder vollumfänglich gerecht wird und als zunächst schwerfälliger, dann flotter Old-School-Banger gefällt. Davon hätte ich gerne mehr gehört, doch leider ziehen sich die progressiven Elemente durchs gesamte Album. Eine Ausnahme und spätes Highlight des Silberlings ist das brutale und völlig ohne Schnörkel auskommende „Gutted to the Bone“, ein großartiges Old-School-Brett. Da ist wirklich null Fett dran, genauso muss das sein.

KHNVM haben durchaus Potenzial

Als Fazit kann man festhalten, dass „Foretold Monuments of Flesh“ im Grunde ein passabler Erstling ist. Die Jungs spielen einen sehr aggressiven und brutalen Old-School-Death-Metal, der auch immer wieder mit technisch anspruchsvollen Passagen garniert wird. Leider klingt diese Beschreibung aber interessanter als es am Ende wirklich ist. Musikalisch ist das alles absolut in Ordnung, allerdings insgesamt – um es mit den Worten der großen AC/DC zu sagen – einfach „a touch too much.“ Ohne das ständige Gefrickel und diese gezwungenen Disharmonien (trauriger Höhepunkt: „Kabbalah of Darkness“) wäre das ein sehr überzeugendes Album. Nicht falsch verstehen, KHNVM liefern immer noch ein alles in allem gelungenes Debut ab. Das Potenzial ist schon auf den ersten Blick ersichtlich.

Hätten sich die Jungs aber mit den technischen Elementen ein wenig zurückgehalten und auf die Grundlagen konzentriert, wäre das Album sicher noch besser geworden. Anders formuliert: Wäre „Foretold Monuments of Flesh“ ein Freistoß, dann würde ich sagen, ein bisschen weniger Ronaldinho, ein bisschen mehr Roberto Carlos, dann geht der beim nächsten Mal auch rein.

Review von Thomas Braun

22.03.2019

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2 Kommentare zu KHNVM - Foretold Monuments of Flesh

  1. der holgi sagt:

    Ich höre es gerade, und ich kann den Bass sehr gut orten, keine Ahnung was der Rezensent für Probleme damit hat, egal..

    Geht gut ins Ohr, schöner Gittensound, HM2 a gogo. Der Drummer zerlegt die Bude nach Kräften, und gegrunzt wird hervorragend. Passt, macht Laune.

    8/10
    1. ClutchNixon sagt:

      Ich denke, der Bass ist ihm im kompletten Klangbild zu wenig präsent, will sagen keine Tech Death Sperenzchen. Heutzutage ist ja jeder zweite Bassist Tony Choy. Der Bass ist da und dickt den Sound an. Mir reicht das auch.