Kingcrow - Timetropia

Review

Man stelle sich vor, Alben wären urplötzlich verschreibungspflichtig.
Man käme nicht umhin, einen Arzt aufzusuchen, um an den Stoff zu kommen.
Immer so eine krakelige Unterschrift abholen, damit man ein bisschen lauschen kann.
Alben unterlägen zudem einer strengen Albenverordnung.
Eventuell muss mancher dann noch ne Zuzahlung leisten.
Und um auf die Unterschrift zurückzukommen: Wenn der Plattentheker den Mist nicht lesen kann, rückt der erst gar kein Album raus. Oder wenn er den restlichen Roman des Arztes nicht entziffern kann, kommen dann die Fragen: Zum Einreiben oder als Zäpfchen? Hat der Arzt etwas wegen der Dosierung gesagt? Nehmen Sie noch andere Alben zu sich? Es könnte gewisse Interaktionen geben.
Wie gut, dass Rezeptalben noch nicht erfunden sind und lediglich Konzeptalben existieren.

Die Italiener von KINGCROW liefern nach „Insider“ hiermit nämlich ihr nächstes ab.
Doch während sich auf dem Vorgänger die Geschichte um einen heimtückischen Virus und eine Verschwörung dreht, wird uns dieses Mal von Dirk erzählt, der nach einem schweren Autounfall ins Koma fällt, nach 5 Jahren aus selbigem erwacht und nicht mehr zwischen Illusion und Realität zu unterscheiden vermag…
Die geschickt verpackte Story weiß dabei ebenso zu überzeugen, wie die musikalische Umsetzung.
Im Gegensatz zum Vorgänger hat man zwar über weite Strecken die Härte ein wenig reduziert, dafür aber die Eingängigkeitsschraube kräftig angedreht.
Besonders positiv fällt einmal mehr Sänger Mauro auf, dessen charismatische Stimme noch gereifter daherkommt, sich überzeugend in den Mitten bewegt und den Songs großen Wiedererkennungswert beschert.
Der wäre aber auch alleine durch die höchst eingängigen Melodien garantiert, mit der so ziemlich jedes Stück auf „Timetropia“ aufwarten kann.
So schicken sich bereits der Opener und „Fading Out“ an, als Ohrwürmer durch die Gehörgänge zu kriechen.
Alle Songs wirken gleichsam entspannt wie spannend, sind abwechslungsreich und dennoch nicht mit unnötigen Arrangements überladen. Die technische Ausführung der Agierenden bleibt stets songdienlich und entwertet die Musik nicht durch arge Selbstdarstellung, wie es bei der ein oder anderen proggigen Band schon mal vorkommen soll.
Auch die Produktion ist angemessen, obwohl sie hin und wieder ein wenig satter hätte ausfallen dürfen.
Zudem ist das Schlagzeugspiel wesentlich akzentuierter als beim Vorgänger.

Dass die Jungs immer noch so hehren Vorbildern wie RUSH oder QUEENSRYCHE nacheifern (gewiss ohne sie zu erreichen), lässt sich gewiss nicht abstreiten.
Dennoch haben sie nunmehr ihren eigenen, sehr charmanten Weg gefunden; und dass, ohne den Bereich Metal völlig zu verlassen. So gibt es immer noch mehr als genug Melodic-Metal-Momente und kernige Riffs (z.B.: „Fractured“), während Songs wie „Home“ hingegen zeigen, dass die Italiener den Hals weit genug strecken, um über sämtliche Tellerränder blicken zu können. Man kann anscheinend tatsächlich so ganz laid back TOOL mit leichten TALKING HEADS-Avancen mischen.
Der mit gemäßigter Doublebass angerührte Nachfolger gerät dann wieder rockiger und stellt einen weiteren Höhepunkt auf der starken Scheibe dar.

„Timetropia“ zeigt KINGCROW insgesamt zwar zarter, aber vor allem gereifter, konsequenter, nachhaltiger und eigenständiger.
Jeder aufgeschlossene Stromgitarrenfreund sollte seine helle Freude haben; mit oder ohne Rezept!

12.02.2007

Der metal.de Serviervorschlag

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