Lacrima Mortis - Posthumous

Review

Gewollt oder nicht: LACRIMA MORTIS haben direkt erstmal einen gewissen Exoten-Status, stammen sie doch aus Blumenau. Was für die meisten klingen mag wie eine idyllische Kleinstadt in Süddeutschland, ist in Wirklichkeit eine ursprünglich von deutschen Einwanderern gegründete Großstadt im Süden Brasiliens. Darauf ist man offenbar auch ordentlich stolz, gibt es doch im erst 1850 gegründeten Ort ein jährlich stattfindendes Oktoberfest und reichlich Fachwerk-Fassaden. Erfreulicherweise ist dies an den schwarz bemützten Death Doomern offenbar ziemlich vorbei gegangen, orientieren sie sich auf ihrem bereits im Mai letzten Jahres erschienen Album-Debüt „Posthumous“ doch eher an den Klassikern des Zeitlupen-Metal.

LACRIMA MORTIS – Funeral Doom mit Keyboards

Gleich der Opener „Misere“ legt nach einem stimmungsvollen Flüsterstimmen-Intro entsprechend mit einem typischen MY DYING BRIDE-Riff los. Kurz darauf wird das Tempo aber ordentlich gedrosselt und besonders das tiefe Gurgeln von Fronter Dread verschiebt den Song deutlich in Richtung Funeral Doom. Immerhin zieht das Tempo zwischenzeitlich noch einmal an, klassische Death Metal-Einflüsse werden hörbar – was auch genau zum richtigen Zeitpunkt kommt, bevor „Misere“ erste Längen zeigen würde.

In „The Ruins Of Desolation“ rücken die Keyboards stärker in den Vordergrund, nehmen mehr Raum ein, was im weiteren Verlauf letztlich ein wenig zum Trademark von LACRIMA MORTIS wird. Ist der in weiten Teilen vorherrschende Funeral Doom eher minimalistisch und solide, sorgen die Synths für Auflockerung und ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Gelegentliche Ausrutscher, wie das zunächst als Abwechslung willkommene Bass-Solo in „The Ruins Of Desolation“, das im Zusammenspiel mit den wieder einsetzenden weiteren Instrumenten aber schnell unrund und wie ein Fremdkörper klingt, können so auch zumindest teilweise kaschiert werden.

Leider variieren die Brasilianer ihr „bewährtes“ Rezept bis zum Ende des Albums kaum, wodurch gerade der Mittelteil reichlich zäh wirkt. Besonders der Zehnminüter „Words Of Blood“ wird gnadenlos ausgewalzt und verfügt letztlich auch nicht über mehr Substanz als die übrigen, deutlich kürzer ausfallenden Nummern. Die heiseren Gast-Screams von Laurent Chaulet (MOURNING DAWN) sorgen in „Imprisoned In Death“ immerhin für einen grauen Farbtupfer im sonst einheitlich schwarzen Morast. Ein wirkliches Highlight stellt am Ende das knackig-kurze „Shades Of Destiny“ dar, das vor allem durch sein im Vergleich eher ungewöhnliches, fast schon rockiges Riffing auffällt. Statt die Nummer aber ans Ende zu stellen, hätte sie als Auflockerung im Mittelteil wohl einen größeren Effekt gehabt.

Viele Längen, wenig Variation – „Posthumous“

Es ist immer ein wenig schwer Funeral Doom, der weite Teile von „Posthumous“ beherrscht, zu bewerten. Gleichförmigkeit ist ein Stück weit notwendiges Stilmittel, sorgt aber auch dafür, dass es schwieriger wird, den Hörer zu packen. LACRIMA MORTIS gelingt dies auf ihrem Debüt nur bedingt. Die Riffs sind nicht immer schwer genug, um direkt in schwärzeste Tiefen mitzureißen, auch das immer gleiche Gurgeln von Dread könnte wenigstens minimalste Variationen vertragen um allzu starke Längen zu vermeiden.

Punkten kann der Fünfer aus Blumenau vor allem mit seiner dichten Atmosphäre, die hauptsächlich durch die stimmungsvollen Keyboards erzeugt wird. Kontrapunkte, wie im untypischen „Shades Of Destiny“, hätten gerne noch etwas häufiger gesetzt werden dürfen. So erhält „Posthumous“ erst einmal nur das Prädikat „solide“, mit definitivem Potential für mehr, wenn die Band es künftig schafft einen klarer umrissenen Stil zu finden und ihre Hörer auf eine wirklich fesselnde Reise mitzunehmen.

12.01.2021

Time doesn't heal - it only makes you forget.

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