Lifend - Innerscars

Review

Und noch eine Newcomer Band mit weiblichen Vocals und absehbaren Chart-Ambitionen. Reicht es denn nicht langsam mal? Bei vielen Bands dieses Schlages wäre dieser Gedanke wohl mehr als nachvollziehbar. Doch Lifend sind anders als die ganzen Nightwish-Klone, die in letzter Zeit aus dem fruchtbaren mammongedüngten Boden geschossen sind. Vielleicht haben sie den Braten gerochen, wissen, dass Monokulturen auf die Dauer jedes noch so florierende Stück Land auslaugen, und versuchen deshalb, sich von der gesichtslosen Masse abzusetzen. Vielleicht aber fließt in ihren Adern auch tatsächlich diese unbändige Kreativität, die „Innerscars“ teilweise erahnen lässt. Ganz schlüssig bin ich mir darüber noch nicht, tendiere im Zweifel jedoch eindeutig zu Letzterem, zumal es sich hier erst um das Debüt der Band handelt.
Jegliche potenzielle Chartpositionierung, so sie denn überhaupt einträte, würde im Falle von Lifend die dreistellige Hausnummer nie überwinden, denn was das italienische Quintett hier vorlegt, hat kaum etwas massentaugliches an sich.
Komplexe Arrangements, die verschiedenste Stimmungen transportieren und in der Heterogenität ihres Auftretens zunächst äußerst schwer zugänglich sind, offenbaren nach und nach verschiedene Ebenen, auf denen sich die Songs abspielen. Grob könnte man Lifends Stil als Lacuna Coil für Prog-Liebhaber bezeichnen, denn die weibliche Stimme, ihr cleanes männliches Pendant und die Grunts legen diesen Vergleich sofort nahe. Das wars dann aber auch mit den Parallelen, denn während Lacuna Coil eher poppig zu Werke gehen, läuft man bei ihren Landsmännern (und –frau) erst mal gegen eine Wand aus komplexen Songstrukturen. Schnelle hartmetallische Parts alternieren mit langsameren, unkonventionell instrumentierten Passagen, wobei Lifend neben Akkordeontönen eine Violine genauso einsetzen, wie die gern verwendete Hammondorgel. Das ohrenscheinlich außergewöhnlichste Instrument ist jedoch das Saxophon, welches eine wichtige Rolle auf „Innerscars“ spielt. Dabei wirkt es zwar eindeutig wie ein Fremdkörper, der jedoch in letzter Konsequenz nicht stört, sondern sich auf eine spezielle Art doch in den Gesamtsound der Band eingliedert. Seine starken Momente hat das Material dabei eindeutig in den ruhigeren experimentellen Instrumentalphasen, wo es sich den störenden aggressiven Teilen entledigt. Wenn nur mit Akustikgitarre, Saxophon, Violine und elektronisch-technoiden Synths gespielt wird, laufen Lifend meiner Meinung nach zu ihrer wahren Größe auf und erinnern stellenweise gar an Ulver zu „Perdition City“ Zeiten. Doch „leider“ gibt es da noch die andere Seite, die sich als eine Mischung aus melodischem Death und Black Metal darstellt und die im Vergleich zu den gelungenen ruhigen Passagen eher profan und störend wirken, obwohl sie sicher 50% des Materials ausmachen. Zudem wirken die Vocals, männlich wie weiblich, ziemlich fehl am Platze, zumal sie auch recht häufig neben dem Ton liegen. Dieser Eindruck entsteht jedoch oft auch durch die Arrangements, und insbesondere durch das dominante Saxophon, was „Innerscars“ im Endeffekt so überfrachtet wirken lässt. Weniger wäre hier sicher mehr.
Es schlagen zwei Herzen in Lifends Brust, wovon eines früher oder später wohl geopfert werden muss, denn im Moment ist das Material noch zwischen hartem Metal auf der einen Seite und den progressiven ruhigen Teilen auf der anderen hin- und hergerissen. Und die sind zumindest für meine Ohren in dieser Form nicht vereinbar. Aber vielleicht findet die Band ja noch einen anderen Weg. Zu wünschen ist es ihnen jedenfalls.

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14.10.2004

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