Misotheist - De Pinte

Review

MISOTHEIST bleiben auch auf ihrem vierten Album eine schwer greifbare Erscheinung. Die Norweger sind in Trondheim beheimatet, bewegen sich im Umfeld des Nidrosian Black Metal und verzichten weiterhin auf unnötige Selbsterklärungen. Am Ende zählt ohnehin nur die Musik, und die fällt auf „De Pinte“ ziemlich eindeutig aus: finster, dissonant und über weite Strecken bedrückend intensiv.

Dabei ist „De Pinte“ kein Album, das sich einfach nur auf rohe Gewalt stützt. Natürlich gibt es genug Raserei, Blastbeats, Tremolo-Gitarren und giftige Schreie. Trotzdem wirkt die Platte nicht wie ein undurchdringlicher Lärmblock. MISOTHEIST verstehen es, ihre Stücke aufzubauen, akustische Räume zu öffnen und die Spannung immer wieder neu anzuziehen. Der Sound ist rau und drückend und gerade Schlagzeug und Bass haben genug Präsenz, um die Musik auch körperlich wirken zu lassen.

„De Pinte“ ist boshaft und feindselig

„Unanswered Thrice“ eröffnet das Album nach einem kurzen, unheimlichen Intro. Der Song zeigt direkt, wohin die Reise geht: nach unten, in eine kalte und feindselige Welt. „Blinded And Revealed“ legt danach noch einmal an Dynamik zu und gehört zu den stärksten Momenten der Platte. Hier greifen die hektischen Ausbrüche, die schweren Grooves und die dissonanten Gitarren besonders gelungen ineinander und erschaffen eine herrlich gewalttätige Stimmung.

Mit „Kjetterdom“ ziehen MISOTHEIST spürbar die Handbremse an, was dem Album eine zusätzliche, schleppende und rituelle Dimension verleiht. Die Vocals von Brage Kråbøl sind dabei ein zusätzlicher Faktor, denn sie klingen gequält, herrisch und manchmal fast unmenschlich, angesiedelt irgendwo zwischen MARE und CELESTIAL BLOODSHED.

Nidrosian Black Metal – wie er sein soll

Das Herzstück ist aber der über 21 Minuten lange Titelsong. So etwas kann schnell zur Geduldsprobe werden, doch „De Pinte“ trägt seine Länge erstaunlich gut. Der Song bündelt vieles, was zuvor vorbereitet wurde: kriechend-doomige Spannungsbögen, eruptive Ausbrüche, dissonante Melodien und diese permanent boshaft-okkulte Grundstimmung. Nicht jeder Abschnitt ist gleich zwingend, aber insgesamt rechtfertigt das Stück seinen Platz als musikalisches Zentrum des Albums.

„De Pinte“ ist damit ein starkes Black-Metal-Album, das Tradition und diese spezielle Trondheimer Atmosphäre überzeugend verbindet, und wer dissonanten und tiefschwarzen Black Metal sucht, findet hier ein sehr geschlossenes und eindrucksvolles Werk.

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03.07.2026

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