Moribund Mantras - Golden Void

Review

Anfang August, draußen knackt das Thermometer schon mittags die 30-Grad-Marke, der Ventilator macht Überstunden. Doch plötzlich kommt eine unverhoffte Abkühlung. Aus den Boxen. MORIBUND MANTRAS aus Stuttgart präsentieren sich auf ihrem zweiten Longplayer aber nicht nur klirrend kalt, sondern mischen neben Death Doom und Post-Black Metal auch einiges an Stoner-Feeling in ihren Sound. Schafft es „Golden Void“ auch mitten im Hochsommer zu überzeugen?

MORIBUND MANTRAS – Ohne Genrekonventionen wie aus einem Guss

Ein markerschütternder Schrei und direkt darauf folgendes, wüstes Black-Metal-Geschrabbel und -Gerumpel leitet den Opener „Fragments“ ein. Dreht sich hier also lupenreines Schwarzmetall auf dem Teller? Das eher nach modernem Sludge klingende Gebrüll von Fronter B zeigt schon einmal ziemlich klar: Keinesfalls. Spätestens mit dem im weiteren Verlauf des Songs einsetzenden Stoner-Doom-Riffing ist dann klar: MORIBUND MANTRAS bedienen sich bei allen düsteren Spielarten, um ihren eigenen Sound zu erzeugen. Im Gegensatz zu dem, was der Songtitel andeutet, werden bei den Stuttgartern aber eben nicht einfach nur Fragmente aneinander gereiht. Es gelingt das, was viele Bands von sich behaupten, aber nur wenigen vergönnt ist: Ein eigenständiger Stil, der auf Genrekonventionen pfeift und dennoch völlig selbstverständlich wie aus einem Guss klingt.

Auch „Vanishing“ kann erneut glänzen, sei es durch arschcoole, rockige Riffs, atmosphärisch verhallten Klargesang, kalte Black-Metal-Melodiebögen und ein kurzes, aber gelungenes Solo. Auch wenn das alles schon wieder nach verdammt viel für einen Song klingt, bleiben die Strukturen stets nachvollziehbar und verlieren sich nicht in endlosem Gejamme. In „Praemolestia“ wird es erstmals klassisch-doomig, die cleanen Gitarren bleiben aber nicht lange allein und flirrende Dissonanzen unterstreichen die Kauzigkeit der Band erneut, wobei die SABBATH-Riffs der Nummer ein schön erdiges Fundament verleihen.

Der finstere Brocken „Psalm Of Rebirth“ macht es dem Hörer zunächst nicht leicht, den Einstieg zu finden, belohnt aber besonders gen Ende wieder mit einigen überraschenden Wendungen. Das wütende „Ascension“ – mit Gastgesang von Chris Noir (ULTHA) – erreicht zwischendurch sogar so etwas ähnliches wie Eingängigkeit, nur um direkt darauf mit Wahnsinn versprühenden Schreien à la UADA doch wieder in Düsternis zu versinken.

Einziger Kritikpunkt: Obwohl der Gesang häufig variiert, sind einige wenige Passagen etwas zu gleichförmig eingebrüllt und klingen dadurch recht monoton. Das ist aber möglicherweise auch genau so gewollt.

In 45 Minuten alles wichtige gesagt – „Golden Void“

Obwohl keine der fünf Kompositionen mit einer Spielzeit unter acht Minuten auskommt, schaffen es MORIBUND MANTRAS durch fesselndes Songwriting und enormen Variantenreichtum, keine Langeweile aufkommen zu lassen. Dabei macht die Band nicht den Fehler, auf Teufel komm raus die mögliche Spielzeit ausnutzen zu wollen, sondern beschränkt sich auf eine für das Genre wirklich erfreulich knackige Gesamtlänge. Warum auch nicht, wenn es einem gelingt, in 45 Minuten alles wichtige zu sagen?

Wirkliche Hits, den einen Song, den man in Dauerschleife immer wieder hören möchte gibt es auf „Golden Void“ zwar nicht, dafür bleibt das gesamte Material auf einem gleichbleibend hohen Level. Richtig, dieses Album funktioniert nur in voller Länge. Wer sich darauf einlassen kann, den erwartet ein Highlight in Sachen atmosphärischer Doom!

15.08.2020

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