Napalm Death - Utilitarian

Review

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Nach Verschiebung des Veröffentlichungstermins (das Album war bereits in der zweiten Hälfte 2011 fertig) steht „Utilitarian“ nun endlich bereit, um die Ohren der Bolzgemeinde zu beglücken. Die britisch-amerikanischen Grind-Kaiser haben mittlerweile ihr 14. Album am Start und sie klingen kein Bisschen nach gezähmt, gedämpft oder mit Omis Valium gefüttert. Das Vierergespann mit Mitch Harris (Gitarre), Shane Embury (Bass), Danny Herrera (Schlagzeug) und Mark Greenway (Gesang) benimmt sich musikalisch ungestüm und wild wie eh und je und ich würde sogar sagen, dass das neue Album von der Ausrichtung her ein kleiner, aber sehr gesunder Schritt zurück in der Zeit ist und gleichzeitig den Weg in die mögliche Zukunft der Band weist. Hardcore, Grindcore und Metal vereint.

Es wird nach dem erstaunlich melodischen Introtrack „Circumspect“ durch die folgende Eruption „Errors In The Signals“ schnell deutlich, dass NAPALM DEATH anno 2012 wieder stärker auf Old-School-Hardcore-Elemente setzen als es zuvor der Fall war. Natürlich haben sie diese immer in ihrem Sound gehabt, doch ebenso groß war der Metal-Anteil, den sie meiner Ansicht nach dieses Mal hörbar zurückgeschraubt haben. Natürlich ist er trotzdem immer noch vorhanden und kleine Experimente bekommt man auch noch obendrauf. Ein avantgardistisches Gastspiel gibt Saxophon-Maniac John Zorn (u.a. NAKED CITY) in „Everyday Pox“ zum Besten, der auf seiner Tröte ziemlich abgefahrenes Zeugs zum Gebolze der Band spielt. Sehr mutig übrigens, das Stück so weit nach vorne (Track 3) aufs Album zu packen, denn im ersten Moment kann das wirr klingende Gequäke leicht abschreckend wirken und zunächst eher Fragezeichen als Begeisterung hervorrufen.

Im weiteren Verlauf des Albums geben NAPALM DEATH wie gewohnt alles, zu dem sie imstande sind. Zurücklehnen und entspannen gibt es hier nicht. Stücke wie „Quarantined“, „Think Tank Trials“, „A Gag Reflex“ oder „Opposites Repellent“ sprechen da eine sehr deutliche Sprache. Wer gedacht hat, dass es nach dem vorzüglichen „Time Waits For No Slave“ (2009) etwas zahmer wird, dem sei hiermit absolut widersprochen. „Utilitarian“ wirkt absolut intensiv und zeigt NAPALM DEATH von ihrer derzeit saftigsten und schlagkräftigsten Seite. Kompromisse gibt es nicht, nur eine klare Linie, die nach vorne zeigt. Einen zusätzlichen Pluspunkt bietet der einerseits transparente, andererseits auch vollmundige, aggressive Sound, der die Scheibe perfekt abrundet und alles stimmig werden lässt.

Aber es gibt nicht nur Geholze zu vermelden. Die Musiker haben ihren Hang zu SWANS-artigen Gesängen nie verleugnet und so finden sich auch dieses Mal wieder die charismatischen, choralartigen, tiefen Gesangslinien, welche diese düstere Stimmung in sich tragen, auf dem Album wieder. Im Unterschied zu Stücken von früheren Releases (z.B. „Morale“ von „The Code Is Red… Long Live the Code“) drosseln NAPALM DEATH die Geschwindigkeit für genannte Gesangselemente diesmal nicht. Ihnen ist es gelungen, die SWANS-Gesänge auch bei schnellen Parts einzusetzen, zu hören u.a. bei „The Wolf I Feed“ und was soll ich sagen… es funktioniert absolut vorzüglich! Die Band tritt nicht auf der Stelle und probiert immer noch etwas Neues aus bzw. erweitert ihr Spektrum. Gut so!

Lyrisch wütet Sänger Barney natürlich wieder durch die Weltpolitik und kotzt sich einmal mehr ordentlich aus. Er bebrüllt kulturelle, politische und soziale Missstände, spricht aus der Sicht eines Normalbürgers, beklagt die schleichende Degeneration der Gesellschaft und lässt auch die Waffenindustrie über die Klinge springen. Mehr deutlichen Protest gegen das fucking System gibt es nicht! NAPALM DEATH bleiben ihren Idealen treu und überzeugen musikalisch wie auch lyrisch einmal mehr auf ganzer Linie. Hoch mit der Faust des Protestes!

Hier beschreibt Mark „Barney“ Greenway das Albumkonzept:

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18.02.2012

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