Napalm Death
Napalm Death

Interview

NAPALM DEATH sind zurück! Mit ihrem ersten Studioalbum seit dem 2002er "Order Of The Leech" begeistern sie Fans und Fachpublikum gleichermaßen, die für "The Code Is Red…Long Live The Code" im Akkord Bestnoten vergeben. Frontgrinder Mark "Barney" Greenway sprach mit mir über das Album, missglückte Coverversionen und ein wirklich ekelerregendes Getränk.

Napalm DeathWie sind die Reaktionen auf Euer neues Album „The Code Is Red…Long Live The Code“ und wie bewertest Du es es?

Die Reaktionen sind fantastisch! Als wir „Enemy Of The Music Business“ veröffentlichten, waren sie gut aber dieses Mal ist es noch besser. Wir haben jetzt zum ersten Mal eine anständige Promotion und müssen uns nicht mehr notwendigerweise darum sorgen, ob die Labels etwas unternehmen, um uns zu helfen. Ich bin immer auf Negatives vorbereitet aber ich habe damit kein Problem und akzeptiere es. Aber generell war es bisher großartig!

Was drückt das Coverartwork aus und worum geht es in den Lyrics?

Das eigentliche Konzept des Albums dreht sich um die Art des international anerkannten Sicherheitssystems, deren jeweilige Alarmstufen durch Farben codiert werden und Code Red offensichtlich die höchste Alramstufe repräsentiert. In den letzten Jahren stieg die Angst und Paranoia unter den Menschen stark an, nicht zuletzt wegen angeblicher Bedrohungen, die uns bestimmte Regierungen weismachen wollen. Diese Angst machen sich die Staatsmächte zu Nutze, da sie die Menschen leichter überzeugen können, Einschnitte in die Bürgerrechte in Kauf zu nehmen, etwa wenn Du nur auf Verdacht aber ohne jeglichen Beweis verhaftet wirst! Je mehr Menschen sie davon überzeugen können, desto schwieriger wird diese Masche zu durchschauen. Es ist schwer zu sagen, wo das enden wird. Vielleicht werden sogar Menschen verhaftet, weil sie sich für Sozialreformen einsetzen, obwohl sie das Recht dazu haben. Das macht mir wirklich Sorgen, denn mit der Zeit werden die Regierungen immer und immer mächtiger, während wir als Normalsterbliche, wie es scheint, immer weniger Möglichkeiten haben darauf zu reagieren.

Die letzten zwei Songs auf „The Code Is Red…“, „Morale“ und „Our Pain Is Their Power“, sind ungewöhnlich für NAPALM DEATH, da sie eine sehr doomige Seite offenbaren. Was hat Euch dazu bewegt diese Songs zu schreiben?

Ehrlich gesagt finde ich sie nicht sehr ungewöhnlich für uns, denn wenn man sich unsere früheren Alben anguckt, dann sieht man, dass jedes zweite einen Track wie „Morale“ aufweisen kann, was nicht unbedingt für „Our Pain Is Their Power“ gilt, das stimmt. Bei „Morale“ habe ich mir gesagt „Ok, so was habe ich schon mal gemacht aber immer mit sehr harschen Vocals“. Also entschied ich mich auf diesem Song komplett clean zu singen. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, da ich ernsthafte Zweifel hatte, ob ich es überhaupt auf diese Weise machen sollte.

Zusammen mit THE HAUNTED und HEAVEN SHALL BURN habt ihr im Januar eine Split-Single veröffentlicht, deren Erlös zu Gunsten der Opfer der Tsunami Katastrophe geht. Warum habt ihr diese Bands ausgewählt?

Um ehrlich zu sein, sobald die Entscheidung fiel zu helfen, was ziemlich schnell geschah, dachten wir darüber nach, wie wir das auf die bestmögliche Weise bewerkstelligen konnten. Um fair gegenüber Century Media zu sein fragten wir erst bei ihnen an, was wir tun könnten und sie sagten „Stellt doch irgendwas mit anderen Bands auf die Beine“. Die Jungs von THE HAUNTED sind alte Freunde von uns, HEAVEN SHALL BURN kannten wir dagegen nicht so gut, bis wir kürzlich einige Gigs mit ihnen gespielt haben, aber beide Bands sind ebenfalls bei Century Media unter Vertrag. So kam der Zug ins Rollen und Century Media half uns die Sache innerhalb von zwei Tagen über die Bühne zu bringen. Es war eine gute Sache und es lief alles gut. Ich bin froh das gemacht zu haben, schon allein wegen der Tatsache Geld für die Opfer zu sammeln.

Kannst Du uns denn etwas darüber sagen, wie viel zusammengekommen ist?

Von diesem Split wurden nur einsgesamt 1000 Stück gepresst, von denen etwa 800 Exemplare für einen Preis von knapp 6 Euro in den freien Verkauf gerieten. Der Rest wurde bei Ebay verkauft und ich glaube der niedrigste Auktionserlös lag bei 60 Euro. Eine Kopie sah ich sogar bei circa 200 Euro liegen und in der Summe ist das schon eine Menge Geld.

Was waren die Auswahlkriterien für Euren auf der Single enthaltenen Song „The Great And The Good“?

Wir wollten mit dieser Single den größtmöglichen Nutzen erreichen, der möglich war. „The Great And The Good“ ist einer der besten Songs auf dem neuen Album, zudem singt Jello (Biafra, Sänger der DEAD KENNEDYS, Anm.d.Red.) auf diesem Song. Da fiel die Entscheidung recht schnell, welchen Song wir nehmen sollten.

Ihr habt letztes Jahr mit „Leaders Not Followers Part II“ Euer zweites Coveralbum veröffentlicht. War das erste denn nicht genug?

Ehrlich gesagt waren wir bei dem ersten Teil, der EP, zunächst nicht sicher, ob es funktionieren würde, was dann aber doch der Fall war. Es gab schon immer Pläne für eine Fortsetzung aber dieses Mal sagten wir uns „Wieso nur eine EP, warum nicht ein ganzes Album“, denn wir hatten sehr viel Material. Das ist es dann auch, was wir taten. Wir mixten Metal, Punk und Hardcore zusammen und los gings! Wir konnten aus so vielen klassischen Songs wählen und versuchten, ihnen so gut es ging gerecht zu werden. Hoffentlich haben wir das geschafft und hoffentlich erkennen die Fans unsere Interpretationen ebenso an, wie sie es mit den Originalen tun, falls sie sie kennen. Ideal wäre es natürlich, wenn wir die Fans dazu bewegen würden, eben jene Originalversionen einmal auszuchecken.

Wo wir schon dabei sind: was hälst Du von SIX FEET UNDER´s Coveralben?

Du meinst die AC/DC-Sache?

Genau.

Weißt du, die Art und Weise, wie sie an die Sache herangegangen sind…sie hätten wahrscheinlich einiges mehr daraus machen können, als das, was am Ende herausgekommen ist. SIX FEET UNDER sind ja sowieso eine ziemlich langsame Band, weißt Du…ich denke halt nur, dass sie mehr hätten daraus machen können. Ich schätze viele Leute, die die Originale kennen, werden sich denken „Na ja, das ist doch mehr oder weniger die gleiche Sache, nur etwas tiefergestimmt und mit Growls, also wieso sollte ich nicht nur die Originale hören?“. Obwohl ich zugeben muss, dass es recht amüsant ist, haha…

Für die zeitweilige Party-Unterhaltung reicht es…

Ja, sicher…für eine Party reicht es.

Anderes Thema: Aufnahmetechnik – analog oder digital?

Digitaltechnik macht es um einiges leichter…aber sie kann das Analogverfahren nicht übertrumpfen.

Eure Website ist nach Eurem 2001er Album „Enemy Of The Music Business“ benannt. Wie ist in diesem Kontext das Verhältnis zu Century Media?

Es läuft alles sehr gut zwischen uns und Century Media. Ich bin immer der Erste, der etwas zu meckern hat, haha…und Du weißt, wir haben auch oftmals auch allen Grund dazu. Century Media verhält sich uns gegenüber absolut unterstützend. Klar, hier und da gibt es mal ein paar Problemchen, aber das gilt ja bekanntlich für jede Lebenssituation. Ich bin aber der Meinung, dass sie wirklich gut zu uns sind, beschweren kann ich mich also nicht.

Ich habe Euch neulich auf Tour in Ludwigshafen mit MARDUK, FINNTROLL und VADER gesehen. Wie hat sich die Tour mit ihnen gestaltet und gibt es vielleicht irgendwelche Anekdoten, die Du mit uns teilen möchtest?

Es war für NAPALM DEATH-Fans sicherlich ein ungewöhnliches Billing aber auf einem Sommerfestival hast du ein noch vielschichtigeres Billing. Ich muss sagen, dass ich es auf jeden Fall sehr genossen habe. Die Jungs von FINNTROLL sind absolut nette Jungs, es war eine sehr angenehme Zeit. Anekdoten…äh, na ja, übers Trinken kann ich dir was erzählen. Ich hab so was noch nie vorher gesehen…ich meine, FUCK…diese Finnen können echt saufen! Sonst sind die Leute wählerisch und sagen „Das kann ich trinken und das nicht“, aber du weißt nicht was Saufen ist, bis du jemanden aus Finnland saufen gesehen hast. Einer von diesen Jungs hat an einem Abend zwei Flaschen Vodka alleine leer gemacht. Wenn ich so was machen würde, ich würde im Krankenhaus landen, und ich denke jeder andere auch. Junge, das ist echt abgefahrenes Zeug, die saufen Fisherman´s Friend Vodka, weißt Du, diese kleinen Munderfrischer! Anscheinend destillieren die daraus ihren Stoff, das ist echt unglaublich! Ich würd das nicht anfassen. So wie das riecht, gibt das auf jeden Fall eine schöne atomare Explosion im Maul, haha!

Wie schon gesagt wart ihr mit MARDUK auf Tour. Hörst Du privat auch Black Metal?

Nein, nicht wirklich. Ich mag ein paar Black Metal Songs aber insgesamt ist das nicht mein Ding. Und da gibt es natürlich auch die negative Seite des Black Metal. Ich will das natürlich nicht pauschalisieren aber es gibt da doch genügend Leute, die sich dem Nationalsozialismus nahe fühlen. Ich kann mir auch schon vorstellen, worauf deine nächste Frage abzielt: wir haben mit MARDUK über diese Angelegenheit und die Kriegssymbolik gesprochen. Einige Bands benutzen nun mal diese Bildersprache aber ich persönlich würde das nicht machen. NAPALM DEATH spricht sich klar gegen so etwas aus, wir würden diese Symbolik nie als ein tragendes Element unserer Musik verwenden. MARDUK versicherten uns jedoch, dass die von ihnen getragene Symbolik in keiner Weise auf nationalsozialistisches Gedankengut abzielt und dann ist das von mir aus in Ordnung.

Gibt es eine Band, mit der Du noch nicht auf Tour warst, dies aber gerne tun würdest?

Wir haben ein paar Gigs mit MOTÖRHEAD gespielt aber ich würde gerne eine richtige Tour mit ihnen aufziehen. Lemmy war für mich in meiner Kindheit so etwas wie ein Held für mich und diese paar Shows waren wirklich super. Für mich war das eine überwältigende Erfahrung, eine ausgiebige Tour wäre also wirklich cool!

Wie beurteilst Du aus heutiger Sicht Eure ersten beiden Werke „Scum“ und „From Enslavement To Obliteration“ und die Entwicklung der Band?

Für mich sind diese Alben einfach Klassiker und ich mag es immer noch sie zu spielen und sie zu hören. Was uns angeht, so denke ich, dass wir die Stimmung dieser beiden Alben konserviert haben und uns darauf aufbauend weiterentwickelt haben. Es gibt nicht viele Bands, die sich den Sound ihrer ersten Platten bewahren und ich denke gerade das machen wir.

Ich würde Dich bitten zu den folgenden Begriffen ein kleines Brainstorming in so wenig Worten wie möglich zu machen:

Benediction

Haha, es war lustig so lange es währte…

10 Minuten Songs

Ich würde einschlafen, wenn ich so was machen müsste. Wenn andere Bands das können, scheiss drauf, sollen sie es machen. Funktioniert nur nicht mit NAPALM DEATH, haha!

Grindcore

Das ist alles für mich!

Death Metal

Ups, zu früh geantwortet, haha…

Dann danke ich Dir für dieses Interview und wünsche Dir und der Band alles Gute für die nächsten Gigs und Eure weitere Zukunft!

Danke auch an Dich!

Galerie mit 12 Bildern: Napalm Death - Summer Breeze Open Air 2019
14.05.2005

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 32381 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

Napalm Death auf Tour

17.07. - 18.07.20metal.de präsentiertRUDE 2020 - Rock unter den Eichen (Festival)Sepultura, Napalm Death, Malevolent Creation, Memoriam, Asphyx, Bullet, Heathen Foray, Lik, Macbeth (DE), Elvellon, Clitcommander, Archaic, Fleshless, Wormrot, Bound To Prevail, Drill Star Autopsy, Hookline, In Demoni, Streams Of Blood, Hexadar, Trail Of Blood und PowerslaveFestivalgelände Bertingen, Bertingen

Kommentare