Napalm Death - Time Waits For No Slave

Review

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NAPALM DEATH – dieser Name steht für die ultimative Grindcore-Vollbedienung ohne Angst vor Experimenten oder Ausflügen in das Death-Metal-Lager. Das tut diese Band aus Birmingham, England, seit mittlerweile 27 Jahren, seit 1987 hat sie 12 Studioalben veröffentlicht, ist dabei aber nie langweilig geworden, hat mit den Experimenten, die sie vorgenommen hat, aber auch nie ihre Identität verloren. Ergo: NAPALM DEATH müssen irgendwie schon großartige Musiker sein, um so etwas vollbracht haben zu können. Natürlich – die Band hat mittlerweile einige Besetzungswechsel mitgemacht und aus dem Original-Line-Up ist kein einziger Musiker mehr übrig, dennoch ist die aktuelle Besetzung, bestehend aus Mark „Barney“ Greenway (Gesang), Mitch Harris (Gitarre), Shane Embury (Bass) und Danny Herrera (Schlagzeug), diejenige, die seit vielen Jahren das Gesicht der Band darstellt (zusammen mit dem 2006 verstorbenen Jesse Pintado an der zweiten Gitarre) und somit für die Erfolge von NAPALM DEATH verantwortlich ist.

Fast zweieinhalb Jahre sind mittlerweile seit der Veröffentlichung des letzten Studioalbums „Smear Campaign“ vergangen, eine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass eben diese Scheibe gerade einmal ein Jahr nach deren Vorgänger „The Code Is Red … Long Live The Code“ auf den Markt losgelassen wurde. Viel ist seitdem bei NAPALM DEATH passiert – es wurde getourt, getourt und nochmal getourt, und dann schließlich auch noch ein neues Album aufgenommen. Dieses neue Grindcore-Baby hört auf den Namen „Time Waits For No Slave“ und wird nun im Januar endlich veröffentlicht.

Auf „Time Waits For No Slave“ erfinden sich NAPALM DEATH komplett neu. Das Album klingt so, wie die Band noch nie zuvor geklungen hat und textlich geht es um Guts, Gore und Grind. Nicht sehr überzeugend? Mag wohl sein … .
Natürlich ist „Time Waits For No Slave“ genau das, was man von NAPALM DEATH erwartet: sehr harte, sehr extreme Musik mit ebenso intelligenten und sozialkritischen Texten. Von der ersten bis zur letzten Sekunde klingt das Album nach NAPALM DEATH, so wie sie schon immer geklungen haben und wohl auch immer klingen werden. Aber dennoch kopieren die vier Briten nicht nur stumpf sich selbst, sondern wie immer entwickeln sie sich auf „Time Waits For No Slave“ weiter, so dass das neue Album die logische Konsequenz aus der Vorgängerscheibe ist, wie sich Sänger Barney Greenway ausdrückt. Recht hat der Mann – wie schon auf „Smear Campaign“ von 2006 ist der Sound der neuen Platte stark von Death Metal beeinflusst, es wird nicht nur geblastet, sondern durchaus auch mal der Fuß vom Gaspedal gelassen, so dass der nächste Prügel-Part nur um so heftiger rumpelt. Auch vor anderen Experimenten scheuen sich NAPALM DEATH nicht – man beachte dazu den Titeltrack, welcher sehr stark todesmetallisch beginnt, mit halbklarem Gesang (!) aufwartet, Groove-Parts auf die Trommelfelle loslässt und hier und da sogar noisige Elemente übernimmt. Ebenso überraschend ist „Fallacy Tense“, welches anfangs stark an das sphärische „Weltschmerz“-Intro von „Smear Campaign“ erinnert, dann das Gaspedal etwas weiter durchtritt, um zu einem fetten Midtempo-Nackenbrecher zu werden, und dann im Mittelteil doomige Elemente mit in den Song nimmt.
Dennoch sollte kein Blast-Fan fürchten, auf „Time Waits For No Slave“ zu kurz zu kommen, denn mit fetten Grindsongs der Marke „Diktat“, dem darauf folgenden „Work To Rule“, dem Opener „Strong-arm“ oder dem gegen Ende des Albums angesiedelten „A No-Sided Argument“ gibt es ebenso im Uptempo-Bereich die Vollbedienung.

Auch ansonsten lässt sich kaum ein Kritikpunkt an „Time Waits For No Slave“ ansetzen – der Sound ist fett wie immer, die Lyrics gehen wie immer direkt in die Fresse der Großen und Mächtigen, sind dabei aber von vorne bis hinten durchdacht, und das Artwork sieht ebenfalls so aus, wie man es erwartet hätte, hochwertig und sich sinnvoll dem Kontext anpassend.
Erwähnen sollte man noch, dass die Limited Edition und die Vinyl-Version des Albums mit zwei Bonustracks aufwarten werden. Interessant: In einem davon – „Omnipresent Knife In Your Back“ – haben alle Musiker ihre Instrumente getauscht, Bassist Shane Embury wanderte an die Gitarre, Gitarrist Mitch Harris spielte das Schlagzeug ein und Drummer Danny Herrera den Bass. Leider lagen die Bonustracks der Promo nicht bei, deshalb kann ich nichts über die Qualitäten der Musiker an den fremden Instrumenten aussagen.

Alles in allem springt „Time Waits For No Slave“ nicht aus der Reihe der bisherigen NAPALM-DEATH-Veröffentlichungen – im Gegenteil, es reiht sich wie schon die vorherigen Alben in eine lange Liste qualitativ hochwertiger Alben und potenzieller Klassiker ein. Wie Barney schon sagte: Die logische Konsequenz der letzten Veröffentlichung. Großartig!

15.01.2009

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1 Kommentar zu Napalm Death - Time Waits For No Slave

  1. sickman sagt:

    ARRRRRGH!!!! Grindcore as fuck! So müssen NAPALM DEATH klingen! CD einlegen, Hahn aufdrehen, abdrehen, die Wohnung zerpogen und alles ist gut. Einfach nur geil.

    9/10