North From Here - Demonic Token

Review

NORTH FROM HERE haben ihren Gameboy mit ins Studio genommen. An und für sich eine gute Idee, wenn man sich die Zeit, in der die jeweils anderen Musiker ihre Parts einspielen, auf angenehme Weise verkürzen möchte. Aber welcher Vollpfosten hat den Jungs eigentlich erzählt, dass es eine gute Idee wäre, das elektronische Spielzeug auch zum Einspielen einiger Synthie-Parts zu missbrauchen? Der üble Nintendo-Pieps-Klang setzt sich sofort in den Gehörgängen fest und prägt das Klangbild der Band nachhaltig.

Immerhin haben sich NORTH FROM HERE auf diese Weise einen gewissen Wiedererkennungswert geschaffen. Und auf eine ganz perverse Weise verleiht das der Chose einen eigenwilligen Trash-Charme. Die „Tetris“-Melodie wäre schließlich in einem weniger piepsigen Soundgewand auch niemals zum Kultsong mutiert. Von einem vergleichbaren Kult-Status sind NORTH FROM HERE dennoch meilenweit entfernt. Zu unausgereift und wahllos klingt ihr Soundcocktail auf dem selbstproduzierten Debütalbum „Demonic Token“.

Viele verschiedene Elemente präsentieren NORTH FROM HERE in ihrem Sound. Von elektronischen Sample-Spielereien über melodische Gitarren-Läufe bis hin zu Core-lastigem Riff-Geschreddere und ausdrucksstarkem Growl-Gesang. Was ihnen dabei noch nicht so recht gelingt, ist es, aus diesen reichhaltigen Zutaten einen harmonisch abgestimmten Gesamtklang zu schaffen. Die piepsigen Billig-Synthies nehmen den härteren Mosh-Parts einen Gutteil ihrer Härte, die elektronisch verzerrten Vokal-Einsprengsel in „Beyond Horizon“ wirken irgendwie deplatziert. Die Songs sind an sich sauber eingespielt und produziert, lediglich etwas mehr Dynamik würde man sich wünschen.

NORTH FROM HERE kündigen im Promo-Flyer bereits an, im Oktober diesen Jahres erneut ins Studio gehen und dort ein deutlich reifer klingendes zweites Album zu spielen. Damit dürften sie sich genau auf dem richtigen Weg befinden, denn die guten Ansätze, die hier erkennbar sind, zeugen von einer jungen, hungrigen Band, der die nötige Routine fehlt, um ihre Visionen überzeugend umzusetzen. Mit der Zeit könnten sich NORTH FROM HERE zu einer interessanten Band für experimentierfreudige Hörer entwickeln – nur von den piepsigen Nintendo-Synthies sollte sich die Combo zuvor verabschieden.

11.07.2010

Der metal.de Serviervorschlag

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