Oceansize - Self-Preserved While The Bodies Float Up

Review

Als sich OCEANSIZE nach ihrem sehr guten Album „Everyone Into Position“ (2005) von eingängigen Strukturen verabschiedeten und mit „Frames“ zwei Jahre später den ersten, äußerst schwer verdaulichen Brocken unters Volk mischten, war klar, dass sich die Jungs so schnell nicht wieder glatten Arrangements und eben leicht nachvollziehbaren Song-Strukturen widmen würden. 2010 war es also an der Zeit, das Rezept von „Frames“ forzuführen und den nächsten Schritt einzuleiten. Was aber ist nun der nächste Schritt? Noch weiter zu gehen als mit „Frames“, schlimmstenfalls zu Lasten der Melodien und zu Gunsten der Vertracktheit? Den musikalischen Anspruch noch einmal nach oben zu schrauben, sich aber dadurch noch ein Stück weiter ins kommerzielle Abseits zu bugsieren? Entsprechend gespannt durfte man also sein, was OCEANSIZE auf „Self-Preserved While The Bodies Float Up“ letztendlich zu bieten haben.

Die Frage zum stilistischen Werdegang möchte ich an dieser Stelle bereits lüften. Wer mit dem neuen Album einen großen Schritt weiter in eine ungeahnte Richtung erwartet hat, der sollte jetzt sofort seine Erwartungen zurück schrauben, denn OCEANSIZE setzen auf bewährtes. „Self-Preserved While The Bodies Float Up“ ist zwar nicht wirklich ein „Frames“ Part 2 geworden, jedoch sehr nahe dran an dem, was die Band seinerzeit fabriziert hat.

Wieder bemühten sich die Musiker hörbar, möglichst wenige gerade und straighte Rhythmen und Beats zu konstruieren, mit wenigen Ausnahmen versteht sich. Wieder ist es der Band gelungen, eine stimmige Kombination aus eben diesen komplexen Strukturen mit leicht melancholischen Melodien zu erschaffen. Obendrauf kommt der bekannte harmonische Gesang, der ebenfalls leicht schwermütig wirkt und die stellenweise anstrengende Musik nicht nur passend unterstützt, sondern sie auch um ein wichtiges Merkmal ergänzt. Stimme und Musik bilden nicht nur eine Einheit, sondern sind für sich in diesem umfangreichen musikalischen Komplex wichtig, um es zum Funktionieren zu bringen und die atmosphärische Dichte zu halten. Ohne den Gesang wäre die Musik reines Instrumentalgefummel und könnte hier und da sogar von einer Post-Rock-Band stammen; ohne die Musik würde die Stimme ein haltloses Gesinge im luftleeren Raum darstellen. Sie braucht diese Musik einfach, damit der Hörer versteht, um welche Melodien es hier geht und was die Grundlage der Vocals darstellt.

Während OCEANSIZE mit dem Opener relativ schwere Töne von sich geben, wird im Laufe der gesamten Spieldauer immer deutlicher, zu was die Burschen hier fähig sind. Ihnen ist es gelungen, eine wirklich bemerkenswerte Kombination aus eindrucksvoller Handwerkskunst und ereignisreichem Songwriting zu erstellen. OCEANSIZE scheuen dabei keinen Weg, um ihre Musik flüssig zu halten und die Vertracktheit nicht zu kompliziert wirken zu lassen. Zwischen Progressive Rock, Post-Rock-Elementen und allerlei Ideen, die anderen (Rock-) Stilen zugeordnet werden können, erscheint „Self-Preserved While The Bodies Float Up“ wie ein langer, steiniger Weg, den es zu bezwingen gilt. Hier wirkt jeder Song wie ein eigenes, riesiges Projekt und trotzdem vereint sich die Musik auf diesem Album zu einem funktionierenden Ganzen. Das, was in dem einen Song nicht passiert ist, erfolgt im nächsten. Ruhe wird durch Dynamik und Power ersetzt, leise Töne durch verworrene Passagen umgeleitet und melodische Energie durch ebenso melodischen Gesang ergänzt. Hier stimmt musikalisch nahezu alles.

Einziger Kritikpunkt, den man auch an ihrem vorangegangenen Album anbringen kann ist, dass dieses hohe Maß an Progressivität zu Lasten der Eingängikeit und Nachvollziehbarkeit geht. Es dauert etwas länger bei den heutigen OCEANSIZE, bevor man ein Lied und seine ‚Innereien‘ komplett versteht und begreift. Andersrum gibt es mittlerweile genug Easy-Listening-Musik, also dürfen OCEANSIZE den Bogen hier ruhig auch einmal von der anderen Seite bespannen.

„Self-Preserved While The Bodies Float Up“ ist ein äußerst anspruchsvolles, in sich rundes Album, das definitiv mehrere Anläufe und intensives Hören benötigt, bevor sich die Feinheiten und überhaupt die richtige Wirkung der Musik erschließt. Wer sich halbherzig an diese fantastische Musik heranwagt oder sich zu schnell ein abwertendes Urteil erlaubt, ohne die Materie wirklich verstanden zu haben, der muss sich als Kunstbanause bezeichnen lassen.

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30.08.2010

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1 Kommentar zu Oceansize - Self-Preserved While The Bodies Float Up

  1. karl sagt:

    Das ist bisher die beste Kritik zum neuen Album. Ich denke die Musik wird sehr gut verstanden und die Zeilen über die Wechselwirkung zwischen der Musik und dem Gesang sind der Kern dessen, was die Band so einzigartig macht. Top!

    9/10