Pendragon - Passion

Review

Ich fange mal mit der – für mich persönlich – positivsten Erkenntnis zum neuen PENDRAGON-Album „Passion“ an: Diese Platte hat mir gezeigt, dass ich doch (noch) nicht merklich alt werde. Diese Aussage werde ich in den nächsten Absätzen zu begründen versuchen – und wenn mir das gelingt, dürfte auch der geneigte Leser einen Eindruck von „Passion“ gewonnen haben…

Doch zunächst: Wer sind eigentlich PENDRAGON? Das habe ich mich – das muss ich gestehen – gefragt, als das Album bei mir auftauchte. Mit Erstaunen musste ich feststellen, dass die englische Band älter ist als ich – was nicht allein die Begründung für obige Aussage ist. Schließlich kenne ich mit MARILLION auch die wohl bekannteste Band aus dem Dunstkreis PENDRAGONs – und die wurden nur ein Jahr später (1979) gegründet und haben damit immer noch ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel als meine Wenigkeit. Wie auch immer: Mit „Passion“ legt die Band um Sänger und Gitarrist Nick Barrett ihr nunmehr zehntes Studio-Album vor.

So, nun aber zurück zu meinem Alter: In letzter Zeit bin ich über eine Menge guter Alben aus dem Progressive Rock-Bereich gestoßen – unter anderem SIEGES EVENs „The Art Of Navigating By The Stars“, ILLUMINATUS‘ „Glasnost“ und SOLE REMEDYs „Apoptosis“, um mal nur drei zu nennen. Das Seltsame ist: Alles, was mir in letzter Zeit aus dieser Richtung begegnet ist, war klasse. Aus-nahms-los. Das fand ich so gruselig, dass ich begonnen habe, mich zu fragen, ob es an mir liegen könnte, dass ich extremem Metal immer weniger und dafür progressiv(er)em Rock immer mehr abgewinnen kann.

Nun aber treten PENDRAGON den Beweis an, dass es auch in diesem seichteren Sektor höchst durchschnittliche Musik gibt. Es wäre angesichts der Bandgeschichte vielleicht etwas mutig, von „PORCUPINE TREE für Arme“ zu sprechen, im Hinblick auf das Geschwafel Nick Barretts auf der PENDRAGON-Homepage trifft es aber vielleicht gerade deswegen zu. Tatsächlich finde ich einige Parallelen zu Steven Wilson und Co.; das beginnt bei charakteristischen Orgelpunkten in Gitarre und Bass, geht über die Gesangslinien bis hin zu pseudo-polyrhythmischen Ansätzen – in allen drei Disziplinen ziehen PENDRAGON aber den (deutlich) Kürzeren.

Was an sich kein Problem wäre – wenn PENDRAGON denn atmosphärisch etwas zu bieten hätten. Wahrscheinlich würde mir die fehlende musikalische Inspiration nicht einmal auffallen, wenn mich die sieben Songs mitnehmen würden. Bei den Finnen von SOLE REMEDY war ich ohne Weiteres bereit, Nachlässigkeiten in der englische Aussprache zu vergeben, ganz einfach weil „Apoptosis“ mich emotional umgehauen hat – Nick Barrett verzeihe ich (zumal er Native Speaker ist) sicherlich kein „apologi-hi-hi-hize“ in bester Dr. Cox-Manier. Da kann er sich noch so oft entschuldigen. Was er auch für die sehr seltsamen Hip Hop-Ausflüge tun könnte. Oder für die argen Timing-Fehler in der Gitarre am Anfang(!) des ersten(!) Songs.

Leider können PENDRAGON auch durch viele elektronische Spielereien nicht weiter punkten, denn diese sind wie der Rest des Albums „nicht Fisch, nicht Fleisch“: Weder stechen sie durch besondere Kreativität hervor, noch fügen sie sich integer in die Songs ein – sie wirken vielmehr als heterogener Zusatz, der dem Album ein wenig den Fluss nimmt.

Insgesamt gibt es auf „Passion“ nur eine Stelle, an der ich kurz aufgehorcht habe: Eine Gitarrenfigur im zweiten Song „Empathy“ klingt wirklich spannend und unheimlich kreativ, verschwindet aber nach wenigen Sekunden auf Nimmerwiederhören. Der Rest des Albums besteht aus dem immer gleichen pentatonischen und mediantischen Kram. Das ist sicher nicht schlecht und man kann sich das Album auch gut anhören – man kann’s aber auch ohne Probleme im Hintergrund laufen lassen und einfach überhören.

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21.04.2011

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