Queens Of The Stone Age - Songs For The Deaf

Review

Unter "Blast From The Past" erscheinen jeden Mittwoch Reviews zu Alben, die wir bislang nicht ausreichend gewürdigt haben. Hier gibt es alle bisher erschienenen Blast-From-The-Past-Reviews.

Galerie mit 32 Bildern: Queens Of The Stone Age - Villains World Tour 2017

Man stelle sich nur einmal dieses Traumszenario vor: Zweieinhalbstündige Autofahrt von A nach B und im Radio kommt ein Killersong nach dem anderen, ohne dass man zwischendrin umschalten oder Werbung ertragen muss. In Deutschland wäre das undenkbar, schon allein aufgrund der geschmacklichen Verirrung, die einem hierzulande die Antennen, die Radioplaneten und sonstige Rundfunksender unterstellen. Aber 2002 haben die QUEENS OF THE STONE AGE diesen Traum wahr werden lassen mit ihrem Album „Songs For The Deaf“. Nun, zumindest konzeptuell haben sie das, denn das Rahmennarrativ der Platte ist eine Autofahrt von Los Angeles nach Joshua Tree. Was man in Deutschland auf der gleichen Strecke bzw. in der gleichen Zeit für einen fabrikfertigen Müll hören würde…

Eine Spritztour von LA nach Joshua Tree als Konzeptalbum

Kümmern wir uns aber lieber um das vorliegende, dritte Album der Kalifornier, die Fronter Josh Homme als so etwas wie den spirituellen Nachfolger der Stoner-Vorreiter KYUSS zunächst unter dem Namen GAMMA RAY gegründet hat, nach dem letztgenannte Band aufgelöst worden ist. Nach dem selbstbetitelten QOTSA-Debüt, das Homme als „driving music, angular and recorded dry“ bezeichnet und dessen Songmaterial teilweise aus der Phase vor der Umbenennung stammte, entwickelten sie sich mit dem Nachfolger „Rated R“ schon weiter in die Richtung alternativen Stoner Rocks mit leichtem Hang zum Experimentellen, für den man die Herren kennt und liebt. So richtig würde Homme diesen Hang allerdings erst mit seinem Projekt THEM CROOKED VULTURES ausleben, mit „… Like Clockwork“ später auch mit seiner Hauptkapelle.

Und mit „Songs For The Deaf“ sowie dem folgenden „Lullabies To Paralyze“ haben sie diesen Stil perfektioniert und in Stein gemeißelt. Schon früh aber kristallisierten sich diese arschcoolen, in meinen Ohren immer irgendwie leicht verkatert klingenden Vibes als markantes Merkmal der Herren um Homme heraus. Der Grund dafür ist zum einen sein hoher, dank seiner wenn auch nicht zu aufdringlich nasalen Darbietung immer leicht verschnupft und neurotisch wirkende Gesang, der stets klar und treffsicher intoniert ist, aber auch das Gespür für Riffs, die gerne mal hier oder da aus den Harmonielehren und Bluestonleitern heraus torkeln. Es klingt immer so ein bisschen, als würde die Musik langsam anfangen, unter der Hitze der kalifornischen Sonne zu schmelzen.

Die QUEENS OF THE STONE AGE auf ihrem kreativen Zenit

Mit „Songs For The Deaf“ rückt die Band mit einer Armee von Gastmusikern an, noch so ein Markenzeichen der Kalifornier. Neben den üblichen Verdächtigen wie Mark Lanegan und Chris Goss (u. a. MASTERS OF REALITY) sticht vor allem ein Credit hervor: Dave Grohl. Zwar nicht auf ausnahmslos allen Tracks der Platte vertreten, durfte sich Grohl dennoch hinter den Kesseln und Fellen mal so richtig austoben und pfefferte vor allem den energiegeladenen Songs ein paar explosive Grooves unter die Haube. „First It Giveth“ klingt dabei fast so, als würde er sich vierarmig durch die Hook kloppen, während er das etwas schwerfälligere „A Song For The Dead“ (nicht zu verwechseln mit dem Quasi-Titeltrack) so richtig heavy stampfen lässt.

„A Song For The Dead“ ist überhaupt das große Highlight der Platte, flott beginnend, aber nach einem Break mit vier mächtigen Schlägen in einen schweren Groove übergehend mit diesen jamfreudigen Spielereien, die immer wie aus der Laune des Moments heraus injiziert klingen, während Mark Lanegan den irgendwie sinister klingenden Lead-Gesang in den Versen übernimmt. Für die Hook ebben wortlose Beschwörungen von Homme und Co. auf und wieder ab und sorgen für einen wohligen Schauer. Das seltsamste Details ist aber der Mix des Songs, der die Instrumentierung schön im Stereo-Raum verteilt. Ja, auch das Schlagzeug erklingt von links, nicht zentral. Hat was von den alten – den GANZ alten – BEATLES-Aufnahmen und trägt irgendwie zu der unwirklichen, aber auch schweinisch coolen Atmosphäre des Songs bei.

Auf „Songs For The Deaf“ folgt Gassenhauer auf Gassenhauer

Aber die anderen Songs stehen dem in nichts nach: Der Opener „You Think I Ain’t Worth A Dollar But I Feel Like A Millionaire“ legt nach der Vorstellung der Thematik durch einen Einspieler einer Radiosendung (ein wiederkehrendes Element der Platte, um die eingangs erwähnte Autofahrt darzustellen) mit geschäftig pumpendem Rhythmus und dem immens hohen Kreischen von Nick Oliveri los. Das folgende „No One Knows“ ist ein klassischer QOTSA-Kracher, der durch enormes Airplay zum Gassenhauer avancierte. Der Track könnte für manche, die in den späten 2000ern durch die Tanzbars getingelt sind, mittlerweile totgehört sein. Ändert aber nichts daran, dass der Track immer noch richtig gut reinläuft. Gleiches gilt für „Go With The Flow“, der zweite große Hit der Platte.

„Songs For The Deaf“ hat aber viel mehr zu bieten als „nur“ die Hits, die man von QUEENS OF THE STONE AGE erwarten würde. „The Sky Is Fallin'“ ist eine tranige, psychedelische Hymne mit stämmigen, scharfkantig produzierten Riffs. „Do It Again“ und „God Is On The Radio“ bringen einschlägige Retro-Vibes in den Sound der Kalifornier hinein, wobei letzterer durch markante Pausen in der Hook, die in Frequenz und Länge variiert werden, besonders hervorsticht. Der Quasi-Titeltrack „A Song For The Deaf“ (wiederum nicht zu verwechseln mit dem als Pre-Track vorhandenen „Real Song For The Deaf“) hat finstere Vibes inne, die durch den geschickten Einsatz von Tritoni angefeuert werden. Dazu endet der Track mit einer Art verstörter Reprise des „Rated R“-Hits „Feel God Hit Of The Summer“. Den Abschluss machen dann der akustische „Mosquito Song“ sowie das THE KINKS-Cover „Everybody’s Gonna Be Happy“.

Dennoch sollten den QUEENS OF THE STONE AGE unruhige Zeiten bevorstehen

„Songs For The Deaf“ war auch das letzte Album unter wesentlicher, musikalischer wie kreativer Beteiligung von Oliveri, bevor dieser 2004 von Homme persönlich gefeuert worden ist. In einem späteren Interview zeigt sich Oliveri hinsichtlich dessen reumütig, aber irgendwie scheint die Sachlage rückblickend gar nicht mal so eindeutig und mehr auf Verdachten und Überzeugungen denn Beweisen zu beruhen. Mittlerweile haben sich die beiden jedoch scheinbar wieder gern genug, dass Oliveri regelmäßig wieder freundliche Worte für Homme übrig hat und sogar einige Background-Gesangslinien für „If I Had A Tail“ vom Album „… Like Clockwork“ einsingen durfte. Nach heutigem Stand ist er allerdings (noch) nicht ins Stamm-Lineup von QUEENS OF THE STONE AGE zurückgekehrt.

Mit „Songs For The Deaf“ haben die QUEENST OF THE STONE AGE in jedem Falle schlicht den Soundtrack für eine Spritztour im blauen Cadillac durch die Mojave-Wüste intoniert und ziemlich perfekt in Szene gesetzt. Die regelmäßigen eingespielten Radio-Intermezzi, dargeboten von verschiedenen als fiktive Radio-DJs posierenden Gastmusikern aber mit Referenzen zu tatsächlich existierenden Radiosendern im kalifornischen Raum, bringen immer wieder die Rahmenhandlung dieser Autofahrt ins Spiel und dienen gleichzeitig als Indikator dafür, wo auf der Strecke man sich gerade aufhält, während das Songmaterial einfach nur erste Sahne ist. Wirklich, dass zwei der Songs mittlerweile totgehört sein mögen, ist nicht mal die Schuld des Albums per se. Insofern: Wer es nicht kennt, sollte „Songs For The Deaf“ definitiv nachholen.

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03.03.2021

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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