Rome - The Dublin Session

Review

Dublin, Pubs, traditionelle Musik, Guinness und das anspruchsvolle Neo-Folk-Projekt ROME. Odd Man Out oder doch eine echte Liebesgeschichte?

„The Dublin Session“ zwischen Heimat, Theke und Protest: „I’m sick of being reasonable. Did you really think we stay quiet through it all?“

Die Dublin Session, mit vielen Folk-Instrumenten von der Insel und der durchaus anklingenden Pub-Stimmung, hat auf den ersten Blick nicht die inhaltliche und narrative Dichte einer üblichen ROME-Veröffentlichung. Doch diese vermeintlich leichte Schwingung und musikalische Zugänglichkeit entpuppt sich schnell als trojanisches Pferd, welches schwere, nachdenkliche und erklärungsbedürftige Inhalte mit sich bringt.

Jérôme Reuter gelingt der Husarenritt zwischen der ernsthaften philosophischen Diskussion von konservativen Standpunkten zur europäischen Schicksalsfrage, ohne sich in das Korsett von Parteien und Richtungen pressen zu lassen. Dies ist in der politisch zum Teil undurchsichtigen Neo-Folk-Szene eine echte Leistung, die Diskussion um Vereinnahmung des Œuvres ist allerdings auf der anderen Seite zumindest nicht überraschend. Um so besser, dass sich Reuter jüngst bei den Kollegen von metal1.info nicht nur zu Punk und Brecht, sondern auch zur politischen Indoktrinierung geäußert hat.

Besonders einprägsam auf „The Dublin Session“ sind der Protestsong „Slash’n’Burn“, das tiefgehende „Vaterland“ und das martialische „Mann für Mann“. Außerdem sehr relevant: Mit Joakim Thåström, der in seiner Heimat Schweden sehr bekannt ist, singt Reuter ein melodramatisches Duett namens „Evropa Irredenta“.

„The Dublin Session“ ist übrigens eine komplett eigenständige Veröffentlichung mit neun neuen Stücken und gilt offiziell als EP. Es handelt sich keinesfalls, wie der Name suggerieren könnte, um eine Live-Aufnahme.

ROME wandeln auf neuen aber erfolgreichen Pfaden

Wer ROME, dank fantastischer Veröffentlichungen wie „Flowers From Exile“ (2009), bisher aufgeschlossen war, wird sich auch in „The Dublin Session“ heimisch fühlen. Obwohl Attitüde und Musik neben dem bisherigen Schaffen stehen. Dennoch macht beides deutlich, dass diese nur der ROME‘schen Ideenschmiede entstammen können. „The Dublin Session“ ist eine erfrischende und hochwertige Auflockerung im ohnehin äußerst relevanten Katalog von ROME.

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16.02.2020

Stellv. Chefredakteur

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1 Kommentar zu Rome - The Dublin Session

  1. nili68 sagt:

    Als die ganz früher noch bei CMI waren, fand ich die echt gut. Zwischenzeitlich wurden die mir dann bis auf Ausnahmen etwas zu ruhig/belanglos. Jetzt ist das zwar immer noch ziemlich ruhig, gefällt mir aber doch ganz gut. Vielleicht würden mir die älteren Sachen ja jetzt auch gefallen und ich war damals einfach noch zu sehr Metal. Mal untersuchen..