Selim Lemouchi And His Enemies - Earth Air Fire Water Spirit

Review

Nach der überraschenden Auflösung von THE DEVIL’S BLOOD Anfang 2013 versucht es deren musikalisches Hirn und Haupt-Gitarrist Selim Lemouchi (S. L.) nun auf eigene Faust: Hinter seinem neuen Projekt SELIM LEMOUCHI AND HIS ENEMIES stehen neben dem Namensgeber nicht weniger als elf weitere Künstler mit unterschiedlichsten Einsatzgebieten (vom Artwork bis zum Schlagzeugspiel). Darunter findet sich auch seine Schwester Farida, die als Frontfrau und Markenzeichen von THE DEVIL’S BLOOD ja bereits hinreichend bekannt ist und deren Beitrag auf der bereits im Mai als EP veröffentlichten Scheibe „Mens Animus Corpus“ schmerzlich vermisst wurde. Dass es sich bei SELIM LEMOUCHI AND HIS ENEMIES jedoch keineswegs um alten Wein in neuen Schläuchen handelt, hatte „Mens Animus Corpus“ ja bereits angedeutet und die zukünftige Ausrichtung von S.L. klar gemacht.

Tatsächlich hätte S. L. es sich einfach machen können – die bewährten Rezepte seiner Vorgängerband aufgreifen und diese nur leicht verändert unter das Volk schmeißen. Stattdessen setzt „Earth Air Fire Water Spirit“ die  konsequente musikalische Neuorientierung fort, S. L. sprengt nun endgültig sein künstlerisches Korsett: Die erstmalig bei „A Thousandfold Epicentre“ stark betonten psychedelischen Elemente innerhalb des düsteren Rocks von THE DEVIL’S BLOOD bilden nunmehr die Grundlage des neuen Albums. Weiterhin ihren Platz findet zudem die hervorragende Gitarrenarbeit von Selim, die vielerorts auf dem Album zu Tage tritt und den fünf zum Teil überlangen Songs einen markanten Stempel aufdrückt.

Geliefert bekommt der geneigte Hörer auf „Earth Air Fire Water Spirit“ verspielten Rock, der sich meist in progressiven Song-Strukturen bewegt und keine Rücksicht auf Genregrenzen nimmt. Der Opener „Chiaroscuro“ macht die Marschrichtung von Anfang an klar, eröffnet wird mit mehrstimmigem (vornehmend weiblichen) Gesang, treibendem, fast tribalartigen Drumming und spiritueller Stimmung. Das folgende „Next Stop Universe B.“, bereits im Vorfeld als Singleauskopplung lanciert, eröffnet dann die Reise ins Space-Rock-Universum – quasi der Raketenstart, ehe „The Ghost Of Valentine“ als sphärische Ambientkomposition den Übergang in die Schwerelosigkeit darstellt. „The Deep Dark Waters“ verblüfft anschließend als PINK FLOYDeske Psychedelic-Nummer mit herausragender Gitarrenarbeit, ehe „Molasses“ dann zum Albumhöhepunkt aufläuft: Eine Keyboarderöffnung im Stile alter RAINBOW, übergehend in einen langsamen anschwellenden, „Post Rock“ schreienden Mittelteil, der immer wieder von Faridas Gesang unterbrochen, schließlich vollständig im Endteil von ihr übernommen wird und der es zum Ende nochmal ordentlich jammend krachen lässt. Ein echter Gänsehautsong, der den Hörer sprachlos zurücklässt und jedem Stimmungsvergleich mit dem kalifornischen Hotel der EAGLES standhält!

„Earth Air Fire Water Spirit“ ist auf jeden Fall kein Album für den mp3-Player unterwegs, wo die kleinen Details untergehen, die vertrackten Strukturen sich nicht entfalten können. Das Album braucht zudem mehrere Hördurchgänge, um seine atmosphärische Wirkung zu entfalten: Dann allerdings bleibt das Werk umso nachhaltiger in den Gehirnwindungen haften und man legt die Scheibe immer wieder gern auf.

Obwohl „Earth Air Fire Water Spirit“ bereits ein starkes Album ist, klingt es in seinem Variantenreichtum aber noch nicht nach dem Ende des Weges von SELIM LEMOUCHI AND HIS ENEMIES. Die Songs wirken zwar ideologisch verbunden, musikalisch erscheint das Werk aber noch ein wenig zu unzusammenhängend. Eine ordentliche Portion Vorfreude auf die zukünftige Arbeit von SELIM LEMOUCHI AND HIS ENEMIES gibt’s damit bei „Earth Air Fire Water Spirit“ also als Zugabe obendrauf!

06.12.2013

Iä! Iä! Cthulhu fhtagn!

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6 Kommentare zu Selim Lemouchi And His Enemies - Earth Air Fire Water Spirit

  1. Doktor von Pain sagt:

    Die Musik dieses Typen (offensichtlich eine ziemliche Knalltüte) interessiert mich ja mal gar nicht.

  2. Milch sagt:

    Na toll, DAS hat nun wirklich NIEMANDEN interessiert.

  3. micha sagt:

    Mich schon, danke. Ist geordert

  4. Milch sagt:

    Ich meinte ja auch diesen unglaublich sinnbehafteten Beitrag da oben 😉

  5. Doktor von Pain sagt:

    Dieser Beitrag wurde Ihnen präsentiert vom Ministerium für Sinnlosigkeit.

  6. Milch sagt:

    zur Scheibe: Ist ein feines DIng geworden und klingt prinzipiell etwa so wie TDB, vielleicht etwas psyhedelischer und so. Like it