Sermon - Of Golden Verse

Review

Zwar haben SERMON bereits 2019 mit Unterstützung des nicht unbedingt kleinen Labels Prosthetic Records ihr Album-Debüt „Birth Of The Marvellous“ veröffentlicht, für größere Bekanntheit hat die Scheibe allerdings nicht unbedingt gesorgt. A propos Bekanntheit, auch sonst ist über das „Projekt“ nicht viel bekannt außer, dass das Mastermind dahinter, dass sich nur „Him“ nennt, aus London kommt und für das zweite Album „Of Golden Verse“ jetzt Unterstützung durch James Stewart (DECAPITATED, DENY THE URGE, ex-VADER) erhalten hat. Kann SERMON mit dem Zweitling eher ein Ausrufezeichen setzen, als mit dem Vorgänger?

SERMON – Viele Fragezeichen?

Der Beginn zum Intro „The Great Marsh“ sorgt erst einmal für mehr Fragezeichen, wohin die musikalische Reise gehen soll. Eines ist jedoch direkt klar: SERMON wissen, wie man eine mystische, dichte Atmosphäre kreiert. Sei es durch das gelungene, aber auch rätselhafte Cover-Artwork, die Maskierung samt Video-Ästhetik von Sänger und alleinigem Songwriter Him oder natürlich vor allem auch durch den Sound von „Of Golden Verse“.

Als Zutaten dazu dienen vor allem erst einmal Progressive und Doom Metal, die im Laufe der Spielzeit immer wieder auch mit anderen Einschlägen gespickt werden. „Royal“ startet dabei gleich mit einer ordentlichen Wall Of Sound und James Stewart beweist mit seinem vertrackten Drumming, warum er an der Schießbude so gefragt ist. Die Vocals pendeln zunächst zwischen Sprechgesang und Growls, bevor der eigentliche, erst einmal eher unspektakuläre Klargesang einsetzt. Him zeigt aber auch schon im Opener, dass er, trotz der mystisch-düsteren Grundstimmung nicht vor Eingängigkeit zurückschreckt. „Light The Witch“ schlägt dabei sogar noch weiter in die gleiche Kerbe.

Die eigenwillige und eben doch ohrenschmeichelnde Mischung macht „Of Golden Verse“ dann auch zu einer Platte, der man sich nur schwer entziehen kann, wenn man denn zumindest im Entferntesten etwas mit düsterer, progressiver Musik anfangen kann. Während „The Distance“ vor allem mit seinen epischen Gitarrenmelodien glänzen kann, sind es im verträumten „Senescence“ die andächtigen Momente samt der stärksten Vocals der Platte, bevor das Doppel aus dem wuchtig-metallischen „Wake The Silent“ und dem melodischen Quasi-Titeltrack „Golden“ den Höhepunkt der Platte bildet. Wer denkt, dass SERMON ihr Pulver dann verschossen haben, irrt allerdings, denn „Departure“ ist keineswegs ein ruhiges Outro, sondern blastet plötzlich aus allen Rohren los. Respekt!

Die Einflüsse auf „Of Golden Verse“ sind zwar gar nicht so schwer zu benennen, klingen aber erst einmal so, als würden sie kaum zusammen passen wollen: MASTODON, TOOL, KING CRIMSON und GHOST lassen sich an vielen Stellen raushören, wobei GHOST in erster Linie in den sakralen Momenten wie zu Beginn von „Senescence“ durchscheinen. Das Organ von Him klingt dabei in erster Linie nach Alternative Rock, was zusammen mit dem Bombast, der modernen Grundausrichtung und den häufig in unterschiedliche Richtungen abbiegenden Songs inklusive einiger Elektronik-Spielereien auch an die zur Zeit extrem gehypten SLEEP TOKEN erinnert, ohne deren Abgedrehtheit oder Härte zu erreichen.

Erregt Aufmerksamkeit – „Of Golden Verse“

Vieles machen SERMON auf ihrem zweiten Album richtig. Vor allem in Sachen Songwriting gelingt Him das Kunststück, dank dichter Atmosphäre und eingängiger Melodien sofort Aufmerksamkeit zu erregen und diese dann aufgrund progressiver Einschübe auch aufrecht zu erhalten, da in den Songs auf „Of Golden Verse“ einfach viel passiert.

Ist der Mann ein Ausnahmesänger? Das sicher nicht, aber seine Ideen und der Mut, ohne Scheuklappen einfach alle möglichen Richtungen aus seinen persönlichen musikalischen Vorlieben in SERMON einfließen zu lassen, machen „Of Golden Verse“ zu einer Platte, die das Zeug hat lange auf Heavy Rotation zu laufen. James Stewart ist außerdem sicher genau die richtige Ergänzung und zeigt an den Drums, zu was er auch außerhalb von Death-Metal-Gekloppe fähig ist. Eine extrem gelungene, vielseitige Scheibe, die Bock auf mehr macht und möglicherweise Weichen für eine erfolgreiche Zukunft von SERMON stellt.

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08.04.2023

"Time doesn't heal - it only makes you forget." (Ghost Brigade)

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1 Kommentar zu Sermon - Of Golden Verse

  1. Schraluk sagt:

    Fand den Vorgänger schon ziemlich nett, das neue Album von Sermon ist eine absolute Steigerung. Auch wenn der fast durchgängige Tribal- Touch gern auch mal durch wuchtigere Parts mit einer konservativ-gespielten Snare hier und da Sinn gemacht hätte und einem dadurch nicht permanent Tool im Kopf kreisen würde, das Ding hier ist gut. Wenn man sich die nötige Zeit dafür nimmt.

    8/10