Silvertomb - Edge Of Existence

Review

Soundcheck November 2019# 18

Bei solch einem Name-Dropping wie bei SILVERTOMB kann man schon einmal hellhörig werden. Beteiligt sind Musiker, die schon bei TYPE O NEGATIVE, DANZIG, AGNOSTIC FRONT und A PALE HORSE NAMED DEATH gespielt haben bzw. im letzteren Fall noch spielen. In erster Linie handelt es sich aber um eine Fortführung von SEVENTH VOID, deren letzte Besetzung vor der Auflösung lediglich um Aaron Joos am Keyboard und Joseph James an der zweiten Gitarre erweitert wurde. Warum nun ein neuer Name? Mit SILVERTOMB möchten die Mitglieder weg vom Stoner Rock und wieder doomiger zu Werke gehen, also durchaus in Richtung bisheriger Bands gehen. Dabei ist nun das Album-Debüt „Edge Of Existence“ herausgekommen. Schauen wir also, ob man damit an alte Glanzzeiten anknüpfen kann.

SILVERTOMB – Melancholische Mucke mit Stadion-Rock-Gesang?

Der Opener „Insomnia / Sunrise“ ist kein Mega-Highlight, fasst den Sound von SILVERTOMB aber bereits ganz gut zusammen und damit auch seine Probleme. Die Instrumentenfraktion schafft es noch ganz gut, die vorgegebene melancholisch-düstere Ausrichtung umzusetzen, Kenny Hickey singt aber eigentlich noch genau wie zuvor bei SEVENTH VOID. Das klingt irgendwie nach Grunge aus der Richtung aktueller ALICE IN CHAINS, aber eben auch nach US-Stadion-Rock der Marke NICKELBACK. Ohne, dass der Gesang wirklich schlecht ist, will er aber bestenfalls einfach nicht zur restlichen Musik passen, schlechtestenfalls geht er einem sogar ganz gewaltig auf den Puffer.

Das Riffing geht größtenteils in Ordnung, „Love You Without No Lies“ hat hier beispielsweise einen ordentlichen TYPE O NEGATIVE-Vibe, während in „One Of You“ ein wirklich schickes SABBATH-Riff ausgepackt wird. Aber auch hier ist bei weitem nicht alles Gold was glänzt, so langweilt das stellenweise grungige „So True“ mit monotonen und einfallslosen Rhythmusgitarren. Immerhin schaffen es einige Songs tatsächlich, eine gewisse morbide Stimmung aufzubauen und mit Tempowechseln an den richtigen Stellen für Abwechslung zu sorgen.

Sobald Hickey mal ein wenig tiefer singt, wie zu Beginn von „Right Of Passage / Crossing Over“ passt das plötzlich auch ganz gut zum Material. Offenbar brüllt er allerdings verdammt gerne in höheren Sphären, was durch gefühlt fünfzig Variationen des Wortes „Suicide“ auch weniger für Dramatik, sondern eher für Frustration und eine künstlich nach oben geschraubte Spielzeit des Songs sorgt. Hier fehlt es einfach an Authentizität. Diese ist erst wieder in der abschließenden reinen Stadion-Rock-Nummer „Waiting“ vorhanden, die deutlich zeigt, dass die Art, in der der Fronter singt dazu viel besser passt und plötzlich auch nicht mehr deplatziert wirkt. Ein derartiges Album aufzunehmen wäre ehrlicher und letztlich konsequenter gewesen.

Kein stimmiges Ganzes – „Edge Of Existence“

Was macht man jetzt mit einer Scheibe wie „Edge Of Existence“? Alle beteiligten Musiker verstehen ihr Handwerk und agieren auf dem Album nicht wirklich schlecht, es sind teilweise gute Ideen vorhanden und die Produktion geht auch in Ordnung. Das Problem besteht eindeutig darin, dass die gewählte Mischung einfach nicht zusammen passen will, kein stimmiges Ganzes ergibt. Düstere Mucke in Kombination mit Ami-Rockstar-Attitüde samt entsprechender Lyrics werden die wenigsten hören wollen.

Man wird das Gefühl nicht los, die Musiker – und hier allen voran Kenny Hickey – wollten möglichst ihren Schuh und ihre Ideen durchdrücken, ohne bereit zu sein, zugunsten der Songs auch mal zurück zu stecken. Ob es sich wirklich so abgespielt hat ist natürlich reine Spekulation, aber das Ergebnis ist am Ende zwar irgendwo solide, bleibt aber weit unter seinen Möglichkeiten und lässt vor allem Authentizität und ehrliche Leidenschaft vermissen.

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27.10.2019

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