Skepticism - Ordeal

Review

SKEPTICISM, die finnischen Wegbereiter des Funeral Doom-Genres, gehen mit ihrem neuen Werk „Ordeal“ ein Wagnis ein: Die Entscheidung, das neue Album während eines Konzerts live aufzunehmen, ist natürlich erst einmal mit einer ordentlichen Portion Risikobereitschaft verbunden. Die Technik muss zuverlässig arbeiten, und 77 Minuten Musik am Stück fehlerfrei und stimmungsvoll zu inszenieren, ist eine gewisse Herausforderung. Somit ist diese Entscheidung aber auch ein Verlassen auf das eigene Können: SKEPTICISM wissen einfach, dass sie die gewünschte Stimmung auch in der Livesituation wiedergeben können.

„Einen ganzen Tag zu haben und sich auf diese eine perfekte Performance zu konzentrieren, hat eine positive Form des Drucks aufgebaut – und ein bisschen Tortur natürlich auch“, fasst Schlagzeuger Lasse Pelkonen die Aufnahme im Januar im Klubi in Helsinki zusammen, und Organist Eero Pöyry ergänzt: „Nur die Dinge benutzen zu können, die deine Hände und Füße gleichzeitig machen können, zwang mich dazu, nur das wirklich Essentielle zu spielen.“

Das zeigt die große Kunst von „Ordeal“: Das Album ist trotz dieser vermeintlich reduzierten Vorgehensweise genauso intensiv wie die vorangegangenen Studioalben. Da gibt es gleich acht Songs mit einer Länge von insgesamt über 77 Minuten, die nach einer gewissen Anlaufzeit ihre volle dunkle Pracht entfalten, gleichzeitig aber auch Längen aussparen. Da gibt es effektive Arrangements, die viel vom Zusammenspiel der schweren Gitarrenriffs und den dominanten Orgelklängen leben. Da gibt es das perfekt vorgetragene Schlagzeugspiel, bei dem Lasse Pelkonen jeden Schlag mit Bedacht wählt, ohne dass es leer klingt. Selbst der tief und tonlos gegrunzte Gesang ist auch ohne übergelagerte Effekte ziemlich abgründig.

„Ordeal“ braucht ein wenig Zeit – und selbstverständlich die Hingabe des Zuhörers, sich auf die verzweifelten Klänge einzulassen; das Album trägt nicht zu Unrecht den Titel „Ordeal“ (zu deutsch „Qual“). Als Türöffner erweist sich dabei das Stück „The Departure“, das schwer wogend beginnt und am Ende durch seine schönen Gitarrenleads doch noch so etwas wie Hoffnung aufkeimen lässt. Als weiterer Türöffner erweist sich aber auch der auf einer zusätzlichen DVD beigelegte Videomitschnitt des Konzerts – als Hörer versteht man dadurch noch besser, warum die Musiker spielen, was sie spielen.

Wenn oben steht, dass „Ordeal“ so intensiv wie die vorangegangenen Alben ist, heißt das nicht, dass es keine Änderungen gäbe: Die Songs sind vielschichtiger geworden, leben nicht nur von der wuchtigen Vereinigung von Orgel und Gitarre, sondern setzen teilweise auf einzelnes Zupfen, sanfte Akkorde und zurückhaltende Melodien. Und bisweilen ist die Wirkung nicht mehr ganz so bedrückend wie früher – siehe das schon genannte „The Departure“, das mit wogenden Orgelklängen voranschreitende „The Road“ oder „Closing Music“. Von Fröhlichkeit ist allerdings weiterhin keine Spur. SKEPTICISM haben ihre Arrangements verfeinert und deshalb mit dem ehemaligen THE DEAD BEGINNERS-Gitarristen Timo Sitomaniemi ein weiteres Mitglied verpflichtet – zunächst nur als Liveaushilfe, aber für „Ordeal“ natürlich das Mittel der Wahl.

„Ordeal“ ist also wieder ein würdiges SKEPTICISM-Album geworden – düster und abgründig, intensiv und streckenweise feinfühlig; die Livesituation während der Aufnahme erweist sich soundtechnisch nicht als Einschränkung, die Darbietung vor Publikum vielleicht sogar als Vorteil, denn das Album präsentiert sich trotz der üppigen Spielzeit ohne Längen. Experiment gelungen!

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18.09.2015

- Dreaming in Red -

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1 Kommentar zu Skepticism - Ordeal

  1. hypnos sagt:

    ein Hammeralbum!…wie eigentlich immer von Skepticism