Soundgarden - Superunknown

Review

Vor 20 Jahren, im März 1994, erschien mit „Superunknown“ das bekannteste Album von SOUNDGARDEN, welche damit endgültig ihren internationalen Durchbruch schafften. Die Band aus Seattle wurde spätestens damit zu Grunge-Königen ernannt, obwohl sie deutlich mehr zu bieten hatten als das, was man gemeinhin unter dieser Stilistik verstand. Das vierte Album, obwohl kommerziell wahnsinnig erfolgreich, präsentierte SOUNDGARDEN gleichzeitig auch recht experimentell, und wird wohl auf ewig zu den Klassikern der zeitlosen Rockmusik gehören. In der Kategorie Bestes Rock-Album erhielt „Superunknown“ eine Nominierung für den Grammy, und die beiden Titel „Spoonman“ sowie „Black Hole Sun“ wurden jeweils mit einem Grammy ausgezeichnet. Es erreichte Platz 1 in den US-Charts, blieb in den Charts unglaubliche 75 Wochen, wurde mit 5fach Platin ausgezeichnet, in einer Zeit, als CDs tatsächlich noch gekauft wurden. SOUNDGARDEN wurden zu Superstars. Dieses Album wird jetzt als Deluxe-Edition wiederveröffentlicht.

„Superunknown“ wurde in eine Zeit geboren, als der Grunge gerade anfing, seinen Zenit zu überschreiten. Der anschließende Suizid von Kurt Cobain setzte nicht nur seinem Leben sondern auch seiner Band Nirvana ein Ende, und hört man sich die teilweise doch recht depressiv wirkenden, düster-beklemmenden Stücke von SOUNDGARDENs musikalischer Sternstunde an, wirken diese doch wie eine dunkle Vorahnung von dem, was kurze Zeit später kommen sollte. Produziert wurde das Album von Michael Beinhorn, der bereits bei „Mother’s Milk“ von den RED HOT CHILI PEPPERS an den Reglern saß.

Musikalisch boten SOUNDGARDEN mit dem experimentierfreudigen „Superunknown“ deutlich mehr als typischen Grunge. Die Herren Chris Cornell, Mat Cameron, Kim Thayil und Ben Shepherd überschritten musikalische Grenzen, von Hard Rock, Psychedelic über Blues bis zu Doom und Heavy Metal, dazu das passend verstörend wirkende Coverartwork in Form einer verzerrten Bandfotografie. Die Härte wurde im Vergleich zu den Vorgängeralben wie „Badmotorfinger“ etwas zurückgefahren, die rauen Punkeinflüsse sind kaum noch vorhanden, dafür wurde die stilistische Bandbreite größer und facettenreicher. Mit griffigen, großartigen BEATLES-Melodien, eingängigen Refrains mit Pop-Appeal, kontrastrierenden disharmonischen Stimmungen, LED ZEPPELIN Riffs (wobei hier und da auch gerne BLACK SABBATH durchscheinen), psychedelischen Abfahrten, dynamisch wuchtiges Schlagzeugspiel, die Kombination wirkt irgendwie so gegensätzlich wie es die einzelnen musikalischen Charakteure SOUNDGARDENs sind. Und da ist natürlich diese einzigartige, unverwechselbare Stimme vom charismatischen Chris, der hier wie ein junger Gott leidenschaftlich singt und den Sound der Band mindestens genauso prägt wie das komplexe, ungewöhnliche Gitarrenspiel mit unterschiedlichen Stimmungen von Kim.   

„Superunknown“ beginnt mit dem groovigen, tonnenschweren „Let Me Drown“, das die Gene des Dooms in sich trägt. „My Wave“ ist im 5/4 Takt, psychedelisch und im unüblichen Gitarrentuning gehalten, das folgende „Fell On Black Days“ zurückhaltend cool. „Mailman“ im C-Tuning klingt bitter und qualvoll, während „Superunknown“ treibend und fett den Geist von „Jesus Christ Pose“ atmet. Das folgende „Head Down“ ist straight und eingängig, und dann kommt das Stück, das die meisten Radiohörer mit SOUNDGARDEN in Verbindung bringen – der unterschwellig tieftraurige Ohrwurm und Sommerhit des Jahres 1994 „Black Hole Sun“ mit schreienden Slide-Riffs, psychedelischer Stimmung, griffiger Melodie, absurd abgedrehtem Text und eingängigstem Refrain. Das gradlinige „Spoonman“ mit seiner feinen Schlagzeug / Bass Jam ist ebenfalls einer der bekanntesten Songs von SOUNDGARDEN. Der Titel selbst geht auf Bassist Jeff Ament von PEARL JAM zurück, welcher für den Film „Singles“ eine fiktive Liste von Liedern der im Film vorkommenden Band erstellte, und somit wurde aus Fiktion Realität. „Limo Wreck“ lebt von seinen brillanten Melodien und schweren Doom Riffs, dem prägnanten Basslauf sowie dem hohen Gesang von Cornell, gerade dieses Stück hat sich im Laufe der Jahre zum richtiggehenden Ohrwurm entwickelt. Auch „The Day I Tried To Live“ ist dem Doom nahe, mit unüblichem Gitarrentuning, persifliert inhaltlich die scheiternden Versuche von Menschen, montone Routinen in ihrem Leben ändern zu wollen. Es folgen noch das harte „Kickstand“, das doomige „Fresh Tendrils“, die simpel eingängige Endzeitballade „4th Of July“, das experimentelle „Half“, sowie mit „Like Suicide“ und „She Likes Surprises“ zwei klassische SOUNDGARDEN Nummern, welche „Superunknown“ gekonnt abrunden.

Angereichert wird das remasterte „Superunknown“ in der Deluxe-Edition um eine zweite CD mit 16 Stücken, welche Demoversionen, Proberaumversionen, Instrumentalversionen und alternative Mixe von einigen der Albumtracks als auch Single B-Seiten enthält.

„Superunknown“ ist und bleibt ein unsterblicher Klassiker von SOUNDGARDEN. Detailreich, spirituell, sehr düster, mit Zitaten ihrer Einflüsse aber dennoch originell, gereift, experimentell mit ungewohnter Rhythmik und ungewöhnlichen Stimmungen, als auch melodisch poppig eingängig. Ein prägnantes musikalisches Zeitdokument, ein Höhepunkt einer wichtigen Periode in der Musikgeschichte. Meilenstein!

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28.05.2014

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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2 Kommentare zu Soundgarden - Superunknown

  1. Milch sagt:

    Jop die Scheibe rotiert seit mindestens 10 Jahren immer wieder in meinem Spieler (kam relativ spät in Kontakt mit dieser Band). Schön dass dieses Meisterwerk der 90er Rockmusik endlich auch mal ne Aufpolierung erfährt.

    10/10
  2. icke sagt:

    wenn es ein meilenstein ist, warum dann nicht 10 punkte?