
Soundcheck Oktober 2026# 20
Bei dem Begriff „Steak“ denken Menschen vermutlich an etwas auf dem Teller oder – je nach Sichtweise – an getötete Tiere. Musikalisch kommen STEAK aus London und lieferten 2017 ihr Debüt „Slab City“ bei Napalm Records. 2026 sind die Protagonisten mit ihrer vierten Platte am Start, die via Stickman Records veröffentlicht wird.
Wie schlicht kann ein Cover-Artwork sein?
Wann fällt ein Cover-Artwork ins Auge? Es kann wunderschön sein, schräg oder einfach nur schlicht. STEAK und ihre aktuelle LP „Steak“ sind bei der Titelfindung bereits schlicht, aber nicht ganz konsequent in der Umsetzung beim Cover-Artwork. Schwarze Schrift auf schwarzem Untergrund wäre die Kür gewesen. Positiv ausgedrückt fokussieren sich die Protagonisten auf die wichtigen Dinge. Nebenschauplätze wie ein auffälliges Cover lenken nur von der Musik ab.
Wer beim in Hamburg ansässigen Label Stickman Records gelistet ist, der befindet sich in Gesellschaft von ELDER, TEMPLE FANG oder SLOMOSA. Stickman Records ist ursprünglich für Veröffentlichungen von MOTORPSYCHO-Platten in den 90ern gegründet worden. Es geht um Musik, die zwischen Stoner Rock, psychedelischem Rock oder progressiver Musik wabert. Wir sind in einer Nische, in der zum Beispiel im September 26 VILLAGERS OF IOANNINA CITY mit „Venceremos“ eine herausragende Scheibe auf den Tisch legten.
Die Truppe aus London ist nicht unähnlich bezüglich des psychedelischen Einflusses, dafür fehlt der folkloristische Anteil. Gewisse Prallelen lassen sich zwischen den beiden Veröffentlichungen finden, auch wenn sich der Fünfer eher kürzer fasst und die Tracks keinem grundsätzlichen Konzept folgen. Mehr Heavy-Stoner-Rock legt das musikalische „Steak“ auf den Teller und ist vom Songwriting weniger spektakulär als das Konzeptalbum „Venceremos“.
Von schwach oder schlecht kann aber keine Rede sein. Die Band selbst spricht von Post Ironic Dreamscape. Der psychedelische Aspekt steht weit mehr im Vordergrund. Sachen wie „Cometh“, „Luxury Junk“ oder „Dust“ entführen in eine eigene Klangwelt, wo die Saitenarbeit brilliert, und der Gesang verträumt die Riffsalven begleitet. Im hinteren Teil werden STEAK experimentierfreudiger. „Infinite“ lässt die Saiten fast weinen, „Knucklehead“ zieht das Tempo an und erinnert teilweise an Sachen von zum Beispiel KADAVAR. Mehr Progressivität gibt es zum Abschluss mit über sieben Minuten „Short Arms“. Der Spannungsbogen baut sich sehr gemächlich auf mündet erst zum Ende der Nummer in ein Riffgewitter.
„Steak“ entführt in seine eigene Klangwelt
Cineastisch angehauchter psychedelischer Heavy Rock mit Stoner-Rock-Einflüssen. Der Satz klingt kompliziert, die Musik von STEAK ist es nicht. „Steak“ lebt in seiner eigenen Klangwelt, auf die sich die Fanbase einlassen muss. Wer das tut, der wird circa 40 Minuten in eine Welt aus schweren Riffs und verträumten Melodien entführt. Neu ist der Ansatz nicht, aber gut und kompetent umgesetzt.
Wer grundsätzlich etwas mit Platten von Labels wie Ripple Music oder Stickman Records anfangen kann, sollte „Steak“ antesten. Es ist keine Scheibe, die den Heavy Rock neu definiert, aber gut hörbar sind die acht Stücke schon. Wahlweise lässt sich dazu ein fleischiges oder veganes Steak verschlingen.

Jürgen Fenske































Kommentare
Sag Deine Meinung!