Toxic Taste - Toxification

Review

Image ist Alles. Ob jedoch ein tiefer Blick ins All notwendig ist, um der zum Teil festgefahrenen Szene ihre Borniertheit vor Augen zu führen, sei einmal dahin gestellt. Der Spaß ist die Hauptsache, und eben jener hat offensichtlich in den letzten paar Jahren sehr gelitten. Viel zu viele Bands und ihre Fans nehmen verkrampfte Attitüden ein, sind sinnlos, oberflächlich und halten ihre sogenannte Trueness für das Maß aller Dinge. TOXIC TASTE verstehen sich weder als Rebellen noch als neuartige Missionare, sondern wollen uns mit ihrer Gute-Laune-Musik die Spaßgesellschaft einfach wieder ein Stückchen näher bringen und die Szene mit harten, melodischen Gitarrenklängen auf das Wesentliche konzentrieren: Die Musik.

Die Band braucht nur anzusetzen, schon spürt man den Groove, die Dynamik, die Sympathie, die Kredibilität und die Spielfreude. Transportiert werden all diese Gefühle von Sänger Marc Acid, dessen nuancierte Stimme in seinen besten Momenten wie eine Mischung aus Brian Setzer und Noddy Holder (SLADE) und dennoch ziemlich einzigartig klingt. Getragen wird diese Stimme von Instrumentenklängen, die es beherrschen anzupeitschen, mitzureißen, in sich zu gehen und schlicht aber ergreifend Lust und Laune verbreiten. Auch das druckvolle Drumming ist großzügig mit Dynamik gespickt, doch es sind hauptsächlich die Gitarren von T.T. Poison und Andy Caustic, die mit einprägsamen Riffs und Melodien beweisen, dass man vom Metal über den Rock, Rockabilly und den Punk bis hin zu herzzerreißenden Schmachtballaden alles verbinden kann, ohne unglaubwürdig, kitschig oder aufgesetzt zu wirken.

Ein Wechselbad der Gefühle liefert bereits der Opener „Toxic Taste“, der seine Hörer mit der fetten Groovekeule in Partylaune versetzt, um sie anschließend durch die mehrstimmig vorgetragene Bridge und den Chorus immer wieder zum Mitsingen zu animieren. Ähnlich steht’s auch um „N.C.R.“, dessen Intro sich stark am Kim Carnes-Klassiker „Bette Davis Eyes“ orientiert, bevor mit dem folgenden „Neon Angel“ zum ersten Mal balladeske Töne erklingen und eine gute Verschnaufpause bieten. Ein ganz besonderes Highlight ist das rock’n’rollige „Starlight Serenade“ mit schleppendem Rhythmus und einem herzerweichenden Chor, der es schafft Gänsehaut hervorzurufen. Ähnlich auch die zweite Ballade „Anytime“ – REO SPEEDWAGON, CHICAGO und FOREIGNER lassen grüssen -, die im AOR angesiedelt ist. Zum Abschluß wird’s mit „Time Of Our Life“, einem weiteren, ganz großen Highlight des Albums, noch einmal richtig schweißtreibend, bevor „Rock’n’Roll“ mit einem hervorragend integrierten Saxophon-Solo nicht nur überrascht, sondern schlichtweg überzeugt.

„Toxification“ enthält 15 absolut unnachahmliche Ohrwürmer ohne Schwachpunkte und somit auch 15 gleichberechtigte Anspieltipps, die die komplette Palette zwischen Partystimmung, jauchzender Freude, abgeklärtem Realismus und Herzschmerz abdecken und Leute, die für gewöhnlich einen großen Bogen um Gitarrenmusik schlagen, in ihren Bann ziehen werden. Mit „Toxification“ hat eine neue Form des Gute-Laune-Rock’n’Rolls unseren Planeten erreicht. Mehr davon!

10.01.2009

Der metal.de Serviervorschlag

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