Tygers Of Pan Tang - Wild Cat

Review

Unter "Blast From The Past" erscheinen jeden Mittwoch Reviews zu Alben, die wir bislang nicht ausreichend gewürdigt haben. Hier gibt es alle bisher erschienenen Blast-From-The-Past-Reviews.

Galerie mit 19 Bildern: Tygers Of Pan Tang – Headbangers Open Air 2022

Die Tiger veröffentlichen Anfang September ihre neue Platte „Electrifyed“ und verweisen darauf, dass mit dem aktuellen Release an die frühen Jahre und das Debüt „Wild Cat“ angeknüpft werden soll. Bei einer derartigen Ankündigung liegt es nahe, die Platte aus dem Sommer des Jahres 1980 etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. „Wild Cat“ kommt via MCA Records auf den Markt.

„Wild Catz“ oder „Wild Cat“ – das Debüt aus dem Jahr 1980

Aus der damaligen Zeit ist heute nur noch Gitarrist Robb Weir bei den Tigern aktiv. Überhaupt ist die Formation als Quartett nur von sehr kurzer Lebensdauer. Bereits beim nachfolgenden „Spellbound“ gibt es einen neuen Sänger und eine zweite Gitarre mit dem mittlerweile verstorbenen John Sykes. Die entscheidende Veränderung zwischen „Wild Cat“ und „Spellbound“ ist jedoch der Wechsel von Jess Cox zu John Deverill. Cox klingt deutlich räudiger als Deverill und die britische Presse ordnet das Debüt als Biker-Rock und Metal ein.

Beim Genuss der ersten Nummer „Eurhanasia“ fällt der typische NWoBHM-Rhythmus auf. Der Gesang lässt das Pendel in Richtung Classic Rock schlagen, wo Namen wie BUDGIE oder KROKUS in den Sinn kommen. Zügig auf den Punkt und ohne große Experimente eröffnen die TYGERS OF PAN TANG. Knapp sechs Minuten „Blaze Of Freedom“ schlagen in eine ähnliche Kerbe, wobei die Instrumente etwas experimentierfreudiger agieren, die Gesangsperformance aber zu eindimensional ist, um unterm Strich wirklich bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

„Don’t Touch Me There“ ist einer der bekanntesten Tracks auf „Wild Cat“ und spätestens jetzt sind TYGERS OF PAN TANG im Rock ’n’ Roll und damit im Fahrwasser von Lemmy und Co. Der Unterschied ist der instrumentale Teil, der den notwendigen Wechsel am Mikrofon unterstreicht. Das Songwriting von Weir ist für Cox zu anspruchsvoll.

Wenn der Gesang nicht mithalten kann oder die Problematik des Jess Cox

Einfache Dinger wie „Money“ liegen Cox etwas mehr. Bei dem mehr als sechsminütigen „Killers“ werden die monotonen Vocals zum Killer und raubt das Potential, das die instrumentalen Teile nicht annährend auffangen können. Wo wären TYGERS OF PAN TANG gelandet, wenn bereits zum Start der Karriere eine passendere Stimmfarbe am Mikro verfügbar gewesen wäre.

Der „Fireclown“ und der mit englischem Humor versehene Titeltrack „Wild Catz“ sind dem Cox-Gesang eher auf den Leib geschneidert und ordentlicher Rocker, die nach vorne gehen, aber keine Geschichte der NWoBHM schreiben. „Suzie Smiled“ oder das als finaler Rausschmeißer agierende „Insanity“ bieten als separates Stück deutlich mehr als die beiden Rocker, sodass das Songwriting und die tatsächliche Performance auseinanderklaffen.

Die Veränderungen von „Wild Cat“ zu „Spellbound“ ergeben sich logisch

Die zweite Gitarre und die Notwendigkeit einer variableren Stimme werden nach dem Genuss des Debüts mehr als deutlich. Weir sorgt für den Feinschliff und den Schritt nach vorne beim nachfolgenden „Spellbound“. Trotzdem ist auch „Wid Cat“ keine LP, die nur zum Frisbe spielen reicht. TYGERS OF PAN TANG sind mehr Hard Rock und Rock ’n’ Roll, wobei die Ansätze in Richtung der NWoBHM mehr als deutlich durchschimmern, jedoch noch nicht so umgesetzt werden wie beim Zweitwerk. Auf den Plattenteller legen lässt sich „Wild Cat“ aber trotzdem, auch wenn die spielerischen Fähigkeiten von Weir und Co. noch nicht so ausgeprägt sind. Wer nach vorne gehenden Hard Rock mag, kann dem TYGERS-Debüt auch mehrere Runden gönnen.

Es bleibt noch die Frage zu klären, ob „Electrifyed“ und „Wild Cat“ irgendwo vergleichbar sind. Zum einen liegen 46 Jahre technischer Unterschied zwischen den Releases und mit Jacopo „Jack“ Meille haben die Tiger heute einen deutlich stärkeren Sänger an Board. Beide Platten sind aber eher im Hard Rock beziehungsweise Classic Rock zu verorten als im Heavy Metal, sodass sich eine gewisse Parallele erkennen lässt.

09.09.2026

Ein Leben ohne Musik ist möglich, jedoch sinnlos

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