
Soundcheck September 2026# 2
Galerie mit 18 Bildern: Uncle Acid & The Deadbeats performing Nell´Ora Blu 2025


UNCLE ACID AND THE DEADBEATS gefallen sich darin, in den Nerd-Untiefen zu graben und dabei Erstklassiges wie Sonderbares hervorzubringen.
Nerd-Untiefen, erstklassig und sonderbar
„Nell’Ora Blu“ (2024) war eine liebevolle Hommage und so etwas wie der Soundtrack zu einem fiktiven „Giallo“, italienisches Subgenre des Thrillers insbesondere der 1960er und 1970er Jahre. Das siebte Album „Shapes Of Midnight“ der Band aus Cambridge steht dagegen wieder voll im Zeichen ihrer Inselheimat, ist aber trotzdem wunderbar nerdig. Aber, unterschätzen sollte man UNCLE ACID AND THE DEADBEATS nicht!
UNCLE ACID AND THE DEADBEATS nicht unterschätzen!
Musikalisch ist das Quintett in der Nerd-Nische aus Vintage Doom, Heavy, Psychedelic Rock, vermengt mit etwas NWOBHM und gelegentliche progressive Exkurse. Mit dem Cover in der die Ästhetik der britischen Hammer-Studios, eine Negativaufnahme eines uralten britischen Landhauses bei Nacht, verdeutlicht die englische Formation ihre Wurzeln, geografisch wie konzeptionell.
Die Aufnahmen entstanden Live in den berühmten Abbey Road Studios unter der fast ausschließlichen Verwendung von analogem Vintage-Equipment wie Mischpulttechnik aus den 1960ern. Und inhaltlich haben sich die coolen UNCLE ACID AND THE DEADBEATS von Edgar Allan Poes Kurzgeschichte „The Masque Of The Red Death“ beeinflussen lassen. Düsterer Horror, Machtmissbrauch, Angst und Vergeltung. Tongewordener Horrorfilm, nicht nur das ein Hinweis auf den Einfluss der Birminghamer Urväter BLACK SABBATH.
UNCLE ACID AND THE DEADBEATS – Tongewordener Horrorfilm
Nach dem stilistischen Ausflug „Nell’Ora Blu“, das auch durch die Arbeit mit Synthesizern und dieser besonderen Soundtrack-Ästhetik geprägt war, ist „Shapes Of Midnight“ einerseits die Rückkehr zu den eigenen musikalischen Wurzeln und der stärkeren Rückbesinnung auf Gitarren, auf Fuzz, verspielte Orgeln. Gleichzeitig hat sich die Band aber wie auch schon in der Vergangenheit entwickelt, den eigenen Sound weiter verfeinert und damit eine Frischzellenkur verpasst.
Das neue Album ist das bisher zugänglichste Werk der Band, bleibt aber unverkennbar UNCLE ACID AND THE DEADBEATS. Das fängt bei der Produktion an, „Shapes Of Midnight“ tönt organisch und authentisch, aber weniger dreckig, weniger sperrig. Der weiterhin vorhandene Doom ist weniger bleischwer; treibender, melodischer wie eingängiger Psychedelic Rock, Hard Rock, Kraut und Glam Rock stehen stärker im Fokus und verschmelzen ein weiteres Mal in einen eigenwilligen Klangkosmos. Allerhand einprägsame Hooks sorgen für Gruselspaß und einer ordentlichen Hitdichte.
Ordentliche Hitdichte
Der fast siebenminütige Longtrack-Opener „House By The Grave“ beginnt mit knarzigen, verzerrten Riffs, Orgel, die charakteristisch melodischen Gesangslinien von Kevin Starrs setzen sich unverschämt schnell im Hirn fest. Schweres, beckenbetontes Drumming, Gitarren mit viel Oldschool-Charakter, starker Spannungsbogen im Mittelteil, Proto-Heavy/Doom, Stimmungs- wie Rhythmenwechsel. Das Ende eine experimentelle Jamsession. Das griffige Titelstück in der Schnittmenge Glam und Hard Rock und feinfühliger Melodieführung, Groove und unaufdringlichem aber effektivem Grundriff kann es in Sachen unverschämter Eingängigkeit gar mit GHOST aufnehmen. Gleichzeitig scheinen die Briten ein großes Faible für SLADE zu haben. Der zusätzliche weibliche Gesang von Rachel Burnett verleiht dem Song mehr Tiefe und Charakter.
Weitere interessante Vergleiche ergeben sich im düsteren wie hypnotischen „When Evil Awakes“, dessen Orgelspiel stark an THE DOORS erinnert, während der schleppende Psychdelic Doom wie eine Mischung aus T. REX und SABBATH tönt, bluesiges Gitarrensolo inklusive. Oder „Psycho On The Loose“, Achtziger Synthwave-Vibes, teils stark in Richtung John Carpenter, und melodischer Metal mit auffällig präsentem Bass im Stil der ganz frühen IRON MAIDEN. Alles Einflüsse, die ihre Spuren bei UNCLE ACID AND THE DEADBEATS hinterlassen haben, ohne dass hier irgendwas kopiert wird.
Weitere Höhepunkte sind das epische, melodische „I Won’t Sleep (Til You’re Gone)“, das mit fast schon poppiger Leichtigkeit und gleichzeitig gespenstischer Stimmung glänzt, und das abschließende, kompakt düstere „Sleep No More“. Verzerrte, räudige Riffs, schleppende Rhythmen, charakteristisch gedoppelter Gesang, heißes Leadsolo, dunkle Bluesnote, gespenstische Atmosphäre und beschwörendes Gänsehautfeeling. Was für eine höllische Tiefenwirkung!
Höllische Tiefenwirkung
Das vielschichtig arrangierte „Shapes Of Midnight“ entfaltet seine Wirkung weniger über doomige Schwere sondern über unglaublich einprägsame Melodielinien, die wahres Hitpotential haben. Die stilistische Anpassung ist aber nicht allzu groß, dafür sorgen die altbekannten wie liebgewonnenen originellen UNCLE ACID AND THE DEADBEATS Trademarks. Stark!

Markus Endres































Nach guten acht Durchläufen sowohl beim Grillen, Lesen als auch beim aktiven zuhören im Folterkeller gebe ich sehr gerne noch einen Punkt mehr.