Valve - Apnée

Review

So langsam dürften in Paris die Proberäume knapp werden. Und die eigentliche Speerspitze des französischen Metals – eine Band namens GOJIRA – muss allmählich aufpassen, angesichts der anhaltenden Flut hochkarätiger Neuentdeckungen nicht vollkommen in Vergessenheit zu geraten. Zugegeben – es ist müßig, immer wieder darauf herumzureiten. Allerdings beschleicht den Musikredakteur mit Hang zu experimentellen Klängen durchaus hin und wieder das Gefühl, dass es in Deutschland MANTAR und PHANTOM WINTER gibt – und in Frankreich schlichtweg Dutzende solcher großartigen Bands. Schuld daran sind unter anderem Truppen wie VALVE.

Die Pariser legen mit „Apnée“ ihr Debütalbum vor und servieren darauf fünf reudige und äußerst souverän dargebotene Hassbatzen im Kreuzfeuer von Sludge, Post-Metal und Hardcore, welche in ihren starken Momenten – und das sind viele – mühelos das Niveau artverwandter Truppen wie AMENRA, ABRAHAM oder ASIDE FROM A DAY erreichen. Zudem wurde die Scheibe – wie es im Rumpel-Segment mittlerweile zum guten Ton gehört – komplett live eingespielt, was für ein ausgesprochen organisches Hörerlebnis sorgt.

Der Auftakt in Form von „Lapsit Ex Illis“ wirkt zunächst unspektakulär: Ein altbekanntes Zwei-Ton-Riff eröffnet den Song, nach einiger Zeit gesellt sich wütendes, allerdings etwas dünn tönendes Gekreische hinzu. Wahrscheinlich, dass hier der eine oder andere schon aussteigt – was töricht wäre. Denn urplötzlich holen VALVE die Monster-Riffs aus der Truhe und der Track gewinnt schlagartig an Dynamik und Atmosphäre: Auf diskret verkorkstem Taktgefüge formen die mulmig dröhnenden Gitarren eine simple, packende Melodie – zum Niederknien! Im weiteren Verlauf wird zwischen ruppigem Gehaue und dissonanter Lethargie gelärmt, bevor gegen Ende ein treibender Part mit Hardcore-Schlagseite für zusätzliche Belebung sorgt. Wahrlich ein Auftakt nach Maß.

Auch der Gesang kommt beim anschließenden Titeltrack variabler und prägnanter daher, allerdings präsentiert sich das Stück nicht zuletzt aufgrund seiner Mathcore-artigen Anwandlungen wesentlich sperriger als der Opener und benötigt ein paar zusätzliche Durchläufe, um sich dem Hörer zu erschließen. Selbiges gilt für den längsten Track der Scheibe, das 13-minütige „Une Carcasse Vide De Et De Sens“, dessen zäh brodelnde Sludge-Suppe nur gelegentlich von rasenden Attacken verquirlt wird. Mit dem epischen Schlusstrack „777“ zeigen sich VALVE dann noch einmal von ihrer direkten, melodischeren Seite – starkes Finale!

„Apnée“ ist am Ende eine dreckige und abgebrühte Scheibe, die mit viel Wucht und wunderbarem Live-Flair daherkommt. Aufgrund der überschaubaren Spielzeit und der Tatsache, dass sich die Platte leichte Schwankungen leistet, gibt es in diesem Fall keine absolute Top-Wertung – allerdings schaben VALVE nur ganz knapp an der Acht vorbei. Freunde oben genannter Formationen sollten die Franzosen daher unbedingt antesten.

08.05.2015

"Am Ende isses immer Arbeit."

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