Vanish - Altered Insanity EP

Review

Die Stuttgarter Power-Metal-Underdogs VANISH könnten sich bald von ihren untergründigen Ketten freisprengen. Verdient hätten sie es zumindest. Immerhin haben sie RAGE auf dem zweiten Leg ihrer Tour mit SERENITY begleitet, was man ja auch nicht mal eben so als Feld-Wald-und-Wiesen-Band schafft. Wie Kollege Schörg bei seiner Live-Bestandsaufnahme schon vollkommen richtig festgestellt hat, wird es aber so langsam mal Zeit, dass die Herren mal wieder mit neuem Vollzeitmaterial um die Ecke kommen. Immerhin haben wir eine EP bekommen. Nun ja, so richtig Neues bietet das vorliegende Exponat nicht, schließlich handelt es sich lediglich um Neuinterpretationen einiger etwas älterer Songs der Band sowie einem Cover von BLACK SABBATH.

„Altered Insanity“ wärmt alte Songs nicht einfach nur auf

Aber das klingt auf dem Papier weit weniger spannend, als es tatsächlich ist und könnte sogar in eine künftig für die Band einzuschlagende Richtung deuten. Die Stuttgarter haben also definitiv nicht still gestanden. Ich meine: Das wäre angesichts eingangs erwähnter Live-Aktivität ohnehin ein Understatement gewesen, aber VANISH überbrücken die Zeit, die es eben noch für neues Material nötig hat, mit einem Happen für zwischendurch. Und der hat es durchaus in sich, wenn man bedenkt, dass es hier technisch gesehen nichts Neues zu hören gibt. Wer die Aktivitäten der Band verfolgt, dürfte auch relativ schnell auf den Trichter gekommen sein, warum die EP „Altered Insanity“ vielleicht doch einen Blick bzw. Hör wert ist.

Die Stuttgarter haben für ihre im übrigen frisch gemasterten Songs eine Reihe von Gastsängern gewinnen können – und nicht einfach irgendwelche! Zunächst – Ladies first, soviel Anstand muss sein, ja auch im Metal – begrüßt die polnische Rock-Röhre Alicja Mroczka mit ihrer Intonation von „The Pale King“ die Hörer. Sie hat zugegeben nicht die beste Chemie mit dem später im Track einsteigenden, hauseigenen Sänger Bastian Rose, aber dennoch darf man sich von der Kombi – gerade wenn dann vielleicht doch bald mal an neuem Material gefeilt wird – nach einiger, gegenseitiger Ein- und Angewöhnung großes, dynamisches Duettkino erwarten.

Neues Blut und prominente Gastbeiträge bei VANISH

Mit der Neuinterpretation von „We Become What We Are“, wie auch der vorangegangene Track und auch der folgende übrigens vom letzten Album „The Insanity Abstract“ stammend, steigt ein gewisser Tim „Ripper“ Owens ins Geschehen ein und veredelt die Ballade mit seinem Stimmorgan. Er mag für einige mehr so der Punching Bag des traditionellen Metals sein, aber an seiner Stimme liegt es bestimmt nicht: Besonders wenn er im weiteren Verlauf des Tracks in die stimmlich höheren Regionen vorstößt, ist Gänsehautfeeling angesagt. Rose zieht stimmlich nach, aber gerade bei den beiden hätte man sich auch ein paar mehrstimmige Parts wünschen können.

„Disbelief“ stellt die Stimmgewalt des jüngst hinzugestoßenen, neuen Gitarristen Ben Galster vor. Sein Beitrag zum Song sind mehr im modernen Core beheimatete Shouts, was jedoch nicht sehr überzeugend klingt. Ihm fehlt vermutlich noch das Volumen, um gegen seinen Frontmann anstinken zu können, aber er mit seinen klischeehaften Screams der Marke Jungspund wird von Rose halt einfach komplett in den Schatten gestellt. Das mag daran liegen, dass der Song eben auf Roses Stimme zugeschrieben ist, ändert aber nichts daran, dass „Disbelief“ der am wenigsten gelungen interpretierte Track der Platte ist.

Das Format einer EP sinnvoll genutzt

Aber das ist ja das Schöne an so einer EP: Sie erlaubt einer Band, genau solche Dinge auszuprobieren, ehe sie für das Album ausgefeilt werden. Und in dem Sinne schlagen VANISH zwei Fliegen mit einer Klappe. „Altered Insanity“ ist Fanservice und Austestung der eigenen Möglichkeiten über den bandtypischen Sound hinaus zugleich. Und davon abgesehen: Beim SABBATH-Cover „Heaven And Hell“ und Roses beeindruckender, gesanglicher Widmung an Ronnie James Dio ist das, was auf „Disbelief“ noch nicht so gut geklappt hat, schnell wieder vergessen. Das zur von bedeutungsschwangeren Streichern umgarnten Piano-Ballade umfunktionierte Stück geht richtig unter die Haut.

Den Abschluss macht ein älteres Stück, das technisch gesehen „nur“ aufgehübscht wurde, sich aber dennoch wunderbar einfügt: „The Grand Design“ stammt noch von „Come To Wither“ und kam damals schon mit dem gesanglichen Extra in Form von Ralph Scheepers daher, glänzt im neuen, klanglichen Gewand aber umso mehr. Der bombastische Rausschmeißer hat das, was „We Become What We Are“ fehlt: mehrstimmige Gesangsdynamik zwischen den Protagonisten. Addiert man die Vielschichtigkeit und das dramatische Moment, das der Song ohnehin schon inne hat, kommt ein wahrhaftig spannendes Finale für dieses kurzweilige Vergnügen heraus. Sprich: Das Beste kommt buchstäblich zum Schluss und bringt „Altered Insanity“ zu einem epischen Ende.

Was könnte hiernach für VANISH kommen?

Hieraus kommend stellt man sich fast schon vor, was VANISH anstellen könnten, wenn sie die Idee weiter verfolgen und vertiefen würden, sprich: Gastsänger und -sängerinnen mit in ihre Songs, noch besser: gleich mit ins Songwriting integrieren und daraus ein großes Ganzes schaffen. Ein düsterer Gegenpol zu AVANTASIA mit Klöten und ohne (offenkundigen) Hang zum Narzissmus wäre jedenfalls ganz erfrischend. Und ganz besonders „The Grand Design“ zeigt einmal mehr, dass das Potential eindeutig da ist. Zu den anderen Tracks sei gesagt: Mit etwas mehr Gärzeit kann auch hier die Chemie stimmig gemacht werden. Ob das der Weg sein wird, den VANISH am Ende einschlagen werden, bleibt natürlich abzuwarten.

Aber man kann ja hoffen…

Anmerkung d. Red.: Ja, die EP erscheint digital erst gegen Ende März, da sie während der Tour mit RAGE aber bereits erhältlich gewesen ist, haben wir die Review vorgezogen.

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10.03.2020

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