Varg - Zeichen

Review

Galerie mit 22 Bildern: Varg - Wolfsfest Tour 2019 in Mannheim

Zu VARG ist doch eigentlich schon alles gesagt, oder?

Nein, sie sind keine Nazis, schreiben aber Texte, die die braune Brut ansprechen. Viel Ruhm und Ehre-Pathos, Schlachtengesang und ein Schuss Wikinger-Blut und damit Überlegenheit gegenüber allen anderen. Dazu wird noch der Gott der Christen durch irgendwelche anderen imaginären Wesen mit vielen Os und Ös im Namen ausgetauscht. Kann man so machen, muss man aber nicht. Musikalisch waren sie auch schon immer schwer einzuordnen. Von Pagan Metal über Neue Deutsche Härte bis zu Metalcore wurden die Coburger eingruppiert und niemand kam auf die Idee, zu hinterfragen, was denn gerade diese beiden Stile ausmacht und warum VARG dort nicht hineingehören. Pagan oder Viking Metal sagen alles oder nichts aus und beziehen sich eigentlich nur auf die Texte. Aus diesem Grund spielen auch TORFROCK Viking Metal.

Bei VARG drehte sich mal wieder das Besetzungskarussell

Vier Jahre nach dem Vorgängeralbum “Das Ende aller Lügen”, welches es bis auf Platz 17 der deutschen Albumcharts schafften, und ein Jahr nach der Neueinspielung von “Wolfszeit” als “Wolfszeit II” sind VARG im erneuerten Line-p wieder da. Beide Gitarristen haben 2018 aus Sachsen-Anhalt in den goldenen Westen rübergemacht und konnten schon ein wenig Wolfsluft schnuppern, um sich ins Bandgefüge einzugewöhnen. Sänger Philipp Seiler und Schlagzeuger Silvester Grundmann bilden auch weiterhin das Grundgerüst der Band. Neu ist allerdings die Hinzunahme einer festen Sängerin, wo VARG sonst immer nur weibliche Hilfe aus befreundeten Bands hatte. Doch sie so richtig in die Songs einzubauen, traut die Band sich nur bei “Fara Til Ránar” und dem unten verlinkten Titeltrack der Scheibe.

Womit haben wir es jetzt bei “Zeichen” zu tun? Nennt es Pagan Metal, wenn es euch nur um die Texte geht. Ihr könnt es wegen der beiden Opener sogar Viking Metal nennen, aber eigentlich spielen VARG Melodic Death Metal. Mal rasanter wie bei “793”, mal melodischer wie in “Fara Til Ránar” und mal eins zu eins wie AMON AMARTH bei “Schildwall”. Stampfend sind die Songs und man sieht die Fans schon vor sich, wie sie beide Arme ausbreiten und das Liedgut lautstark mitgrölen.

“Zeichen” steht für eine Weiterentwicklung der Band

VARG haben die Songs weiter für die Umsetzung auf den Bühnen der Republik optimiert und tun gut daran. Das ist ihr Ding, denn weder beim Songwriting noch bei den Texten spielen die Coburger vorne mit. Man muss schon zufrieden sein, wenn die Texte nicht allzu peinlich geraten. Hier schleppen sie den Malus einer deutschsprachigen Band mit sich rum, und auch beim Songwriting wird es oft sehr stumpf und wiederholend. Doch auf “Zeichen” haben sie wirklich an sich gearbeitet und geht man vorurteilsfrei an die Scheibe ran, muss man das der Band auch zugestehen. So schwer es durch die lyrischen und musikalischen Verbrechen der letzten Jahre auch fällt.

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12.09.2020

Schuld ist man immer nur selbst, alles andere ist Feigheit.

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Varg auf Tour

02.10.20Varg - Wolfsfest 2020Varg, Debauchery's Balgeroth, Wolfchant und FinsterforstFrom Hell, Erfurt
03.10.20Varg - Wolfsfest 2020Varg, Debauchery's Balgeroth, Wolfchant und FinsterforstKaiserkeller, Hamburg
16.10.20Varg - Wolfsfest 2020Varg, Debauchery's Balgeroth, Wolfchant und FinsterforstHellraiser, Leipzig
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21 Kommentare zu Varg - Zeichen

  1. BlindeGardine sagt:

    Zu meiner Schande muss ich ja gestehen, dass ich die zeitweise (so die ersten beiden Alben glaub) gar nicht so schlecht war. Da war halt grade dieser Pagan-Metal-Boom und für ein paar Monate hat mich der tatsächlich auch angesteckt. Objektiv waren Varg halt auch damals schon musikalisch recht simpel aber ok, lyrisch hat man sich allerdings derart tumb und klischeehaft mit nordischer Mythologie beschäftigt, dass Amon Amarth dagegen wie große Poesie wirken.
    Die Nazi-Vowürfe hielt ich zwar immer für unsinnig, aber klar, bei einigen der Texte braucht man sich auch nicht zu wundern, dass da bestimmte Leute total drauf abgehen. Ruhme, Ehre, Heldentod und was nicht alles. Und es ist ja nicht so, als hätten Varg das nicht für sich genutzt und schnell versucht, einen auf Pagan-Onkelz zu machen und sich als arme Opfer der Presse zu profilieren (die sich größtenteils eigentlich kaum für die Band interessiert hat).
    Naja, der langen Rede kurzer Sinn: hab mal in die neue Single reingehört und das mag zwar besser sein, als ihre Onkelz-Deutschrock-Metal-Phase, aus heutiger Sicht aber trotzdem dezent zum Fremdschämen.

  2. BlindeGardine sagt:

    *schlecht fand….Korrekturfunktion pls…

  3. nili68 sagt:

    In meiner Extrem Metal-Anfangsphase fand ich die auch mal gut. Die „Blutaar“ hab‘ ich sogar und damals hart gefeiert haha.
    Dieses Lied hier? Würde ich nicht kaufen, aber es würde mich auch nicht stören, wenn’s wo läuft..

  4. BlindeGardine sagt:

    Musikalisch ist das wie gesagt auch heute nix, was mich stören würde. Aber so im Nachhinein betrachtet sind die Texte halt echt ein wenig zum dumpf, damals wie heute. Man nehme die Bausteine Ahnen, Asen, Blut, Bruder, Ehre, Erbe, Eiche, Glaube, Götter, Held, Schild, Tod, Verrat und bilde daraus einen Songtext. Wenn man „Warriors of the World“ ins Deutsche übersetzt, hat man im Grunde einen Varg-Text. Klar, bei den Echtmetallern fliegt einem das ja auch ständig um die Ohren, aber die nehmen sich irgendwie meistens nicht so ernst.

  5. nili68 sagt:

    Vielleicht liegt das auch einfach daran, zumindest zum Teil, dass einem das thematisch nicht so ran geht. Ist ja dasselbe wie bei Black Metal, Satan, Satan, Satan. Würden die stumpfe Parolen brüllen, mit denen man sich identifizieren kann, würde einem das evtl. nicht so auffallen, bzw. stören und wenn die das ernst nehmen.. man will doch immer Authentizität.. ^^

  6. Interkom sagt:

    Klar, Manowar nehmen sich nicht ernst (pfff)….

    Hold my drachentittenbiermotorrad!

  7. BlindeGardine sagt:

    Nee, Manowar nehmen sich schon ernst, dass ich jetzt nen Song von denen als Textbeispiel gewählt hab war eher Zufall. Aber der Großteil der Blut, Stahl und Lederhosen-Fraktion, der ja auch deutlich kleinere Brötchen backt, nimmt das Ganze dann doch mit etwas mehr Humor.
    Manowar haben das vielleicht irgendwann mal mit etwas Humor genommen und sich dann irgendwann eingeredet, dass die wirklich so geile Krieger sind wie sie immer behaupten.

    Was die Themenbereiche nordische Mythologie, Geschischte und Heidentum angeht, damit kann ich ja grundsätzlich schon was anfangen. Aber da gibt es halt Bands, die sich damit doch etwas weniger stumpf beschäftigen und vor allem nicht so tun, als wären sie selbst direkte Nachfahren wilder Germanenkrieger mit Berserkerblut in ihren Adern ;).

  8. nili68 sagt:

    Ich glaube, die nordischen (und auch andere) Völker waren früher auch eher stumpf, von Barden, Gelehrten usw. mal abgesehen. Die Berserker usw. waren wohl nicht für ihre differenzierende Feinsinnigkeit bekannt und wenn die das nun mal ausdrücken wollen? Vermutlich gehen Varg, Manowar usw. da noch zu subtil vor, um wirklich authentisch zu sein..

  9. Interkom sagt:

    Meine Nachforschungen in authentischen Schriftrollen haben ergeben, dass Barden sogar von ihren Stammesbrüdern verprügelt wurden, damit diese ungestört Wildschwein essen konnten (!!!).

  10. nili68 sagt:

    Ja, von Asterix kann man viel lernen! 😀
    Egal, die Leute früher waren anders als wir und gehören schon deshalb gescholten..

  11. Cynot sagt:

    Naja es gab unter den Wikingern/Germanen/Whatever durchaus auch Entdecker bzw. Seefahrer und gute Handwerker (bspws. Schiffsbau), etc. Klingt halt nur nicht so cool, als wenn man stattdessen über irgendwelches Schlachtengedöns singen kann.

  12. nili68 sagt:

    Klar waren nicht alle stumpfe Barbaren, aber die Aspekte, auf die der Metal sich vorrangig bezieht.. da darf man keine große Poesie erwarten, wenn’s authentisch (so weit heute möglich) sein soll.

  13. nili68 sagt:

    Kommt auch auf die Epoche unter den Wikingern, Germanen usw. an. Vor oder nachdem das Christentum denen mit Feuer und Schwert „Kultur/Zivilisation“ gebracht hat, hehe..

  14. Interkom sagt:

    Es sagt ja immer mehr über die Gegenwart aus, wie diese die Vergangenheit sieht, als über die Vergangenheit selbst. Während also die Goten sich über den richtigen Feminismus stritten, die Germanen über die Möglichkeiten gerechter Umverteilung debattierten und die Gallier den kulturellen Imperialismus des angeblich zivilisierten Römerreichs vor ihren Gerichtshöfen verhandelten, denken ein paar fränkische Kleinstadtneurotiker, dass es das höchste kulturelle Zeugnis war, dass die sich die los gegenseitig eingeschlagen haben.

  15. Cynot sagt:

    Mir fällt gerade ein, dass Rebellion das Ganze vor einigen Jahren, mit der History of Vikings Trilogie, recht geschichtstreu vertont haben. Ich könnte aber auch nicht sagen, wie erfolgreich sie damit waren. Die Zielgruppe von Varg wirds vermutlich auch nicht ansprechen. 😀

  16. nili68 sagt:

    Laß uns mal über den Begriff „geschichtstreu“ diskutieren……. ach nee, doch nicht. ^^

  17. Cynot sagt:

    Ja okay das geschichtstreu ist hier wohl relativ schwammig. 😀

  18. Coolmeise sagt:

    Ich varg hier mal meine Meinung zu sagen. Beide Vargs im Metal sind überbewertet nervig und lame. Das Pagan-Thema ist so ausgeluscht, dass manch schon verdammt gute Texte schreiben muss, damit das noch Spaß macht. Schaffen nicht viele und Varg sowieso nicht. Höchstens Mittelmaß.

    5/10
  19. nili68 sagt:

    >Das Pagan-Thema ist so ausgeluscht<

    Wie jedes andere Thema auch. Tod, Satan, Regierung/Menschen scheisse, Krieg, Rebellion. Könnte das nicht eher sein, dass du mit dem Thema generell eher wenig anfangen kannst, bzw. der Musik..?

  20. Watutinki sagt:

    „Coolmeise: Beide Vargs im Metal sind überbewertet nervig und lame.“

    Wenn Du damit jetzt u.a. den Viker Varg meinst, dann musst Du aber in Betracht ziehen, dass er Musik fabriziert hat, die sowohl in der BM Szene, wie auch in der DS Szene sehr angesehen ist. Und zwar nicht, was die technische Versiertheit an den Instrumenten angeht, sondern weil er das, was er vermitteln will, auf den Punkt bringt und mit geringsten Mitteln weitaus mehr erreicht, als die meisten Mammutprojekte.

  21. Kropfverfechter sagt:

    Tatsächliche kannte ich den Namen der Band, hatte aber keine Ahnung über deren Musik oder Ähnliches.

    Nun kam ich in den „Genuss“ deren widerwärtigen Ergüsse kennenzulernen und weiß, wie ich in Zukunft mit Menschen umzugehen, die deren Merch tragen und was ich von Björn Gieseler zu halten habe.

    Achso und musikalisch ist es ungefähr genauso schlecht wie Landser.