Origin
Clash zu "Echoes Of Decimation": Ist schneller wirklich besser?

Special

Wer hätte gedacht, dass sich am neuen Album der Amis ORIGIN die Geister in der Redaktion so scheiden würden? In der blauen Ecke haben wir Thomas, der „Echoes Of Decimation“ für ein brillantes technisches Hochgeschwindigkeits-Death Metal Album hält. In der roten Ecke Herausforderer Audaron, der die guten Tage der Band nach deren selbstbetiteltem Debüt bereits für gezählt hält. Es ist ein Glaubenskrieg der Generationen. Doch lest selbst…

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Na auf so etwas wartet man doch gerne einmal eine Weile! Zugegeben, die freudige Erwartung bewegt sich bei Scheiben wie der neuen NILE schon in anderen Regionen. Was ORIGIN hier abgeliefert haben, ist dafür ein echter Überraschungshit! Dass von denen wieder etwas Neues ansteht, war mir gar nicht geläufig, was vielleicht auch an den seltenen Verlautbarungen aus dem Lager des Fünfers gelegen haben mag. Langer Rede kurzer Sinn: wer mit so einem Killeralbum aus der Hüfte kommt, darf sich gerne einmal drei Jahre Zeit lassen! Der großartige 2002er Output „Informis Infinitas Inhumanitas“ hat die Erwartungen beim Gedanken an einen Nachfolger aber auch auf einem ganz schön erhabenen Level angesiedelt. „Echoes Of Decimation“ kann diese aber voll erfüllen. Egal in welchem Bereich, seien es die Gitarrenarbeit, das Drumming, die Vocals oder die Songs an sich, man hat die Zeit im stillen Kämmerlein wirklich genutzt und die Stellschrauben im Vergleich zum Vorgänger noch etwas angezogen. Die Songs wirken etwas straighter und durch die beeindruckende Darbietung tatsächlich noch intensiver als anno 2002. Dass einem dieses Album nicht gefällt, entzieht sich meinem Verständnis, außer man kann mit schnellem, technischem Death Metal halt nichts anfangen.

Oder die Jungs haben im stillen Kämmerlein lieber XXX Filmchen geguckt, Playstation gezockt und ne Menge komischer Sachen geraucht/gespritzt/gefressen. Und die Stellschrauben müssen ihnen beim allzu kräftigen Anziehen gleich am Gewinde gebrochen sein. Anders ist diese Lightspeed Wichserei nicht nachzuvollziehen. Im Übrigen krankte schon „Informis…“ an dieser Durchhechelei der Songs. Und wie Du schon treffend im Review gesagt hast: Wer schneller spielt, hat schneller Feierabend. Aber das ist wie bei Handwerkern… hastig, hastig und die Qualität leidet drunter. Auf dem wirklich mächtigen Debüt „Origin“ war das noch anders. Da hatte man dem Songwriting der Geschwindigkeit löblicherweise den Vorzug gegeben. Jetzt ballert einem das Album einfach so durchs Hirn, ohne wirklich hängen zu bleiben. Wieso haben die Jungs nicht einfach einen 26 Minuten Song aufgenommen und auf die Vergabe weiterer Songtitel verzichtet; das wäre ökonomischer gewesen. Denn unterscheiden lassen sich die einzelnen Tracks ja leider nicht sonderlich gut. Und mir fehlen die völlig depperten vokalakrobatischen Einlagen eines Mark Manning und auch wenn das Trigger Drumming auf der neuen Langrille superflott ist, so ist ein John Longstreth so schnell nicht zu ersetzen, der Mann war eben der Percussive Schizo. Schneller ist nicht immer besser. Aber das hat ne Band wie HATE ETERNAL ja auch noch nicht gelernt.

Jo, gekifft haben die mit Sicherheit ordentlich! Anders kann ich mir derart abgefahrene Soli fast nicht erklären, außer es handelt sich bei den Buben um Wunderkinder. Allerdings wird man vom Kraut der Halblinge ja eher relaxt und träge als dass man in großartige Hektik verfällt. Vielleicht haben sie ja diesmal die Drogen einfach weggelassen? Dass „Origin“ mit bemerkenswert starkem Songwriting aufwartet, nehm ich Dir allerdings nicht ab! Hält man „Informis…“ und „Echoes…“ daneben, wird klar deutlich, dass es sich dabei um ein Debüt handelt. Große Unterschiede erkenn ich da zwischen den Songs nämlich nicht. Dazu noch klingt es durch das gezügelte Tempo beliebiger und belangloser. Ich glaube, ich weiß auch genau, was Dir an „Origin“ so gefällt. Nämlich der Snare Sound. Der klingt nämlich wirklich schön old school! Ansonsten handelt es sich bei „Origin“ aber „nur“ um ein typisches Groove-Death Metal Album im guten Durchschnitt, das aber sonst nicht durch allzu viel Innovation auffällt und mit seinen 29 Minuten Spielzeit genauso gut auf Deine Kritik passt. Mehr noch, die Songs auf dem Debüt finde ich um einiges austauschbarer als die auf „Informis…“ oder „Echoes…“. Seit „Informis…“ ist die Mucke eine gänzlich andere und praktisch nicht mehr mit dem Debüt zu vergleichen. Das liegt mit Sicherheit auch an der ausgewechselten Mannschaft. Dabei muss ich aber ganz klar sagen, dass mir das aktuelle Line-Up mehr zusagt. ORIGIN haben sich sehr zu ihrem Vorteil entwickelt. Klar ist schneller nicht immer besser. Bei ORIGIN trifft das aber ausnahmsweise zu. Von mir aus darf ruhig noch mehr Grind mit rein.

Gezügeltes Tempo klingt also beliebiger als konstantes Highspeedgeschredder? Das ist nicht beliebiger, allenfalls langsamer und dadurch auch gleichsam nachvollziehbarer. Beliebig klingen allenfalls die tiefen Growls auf „Echoes…“, die nie und nimmer mit dem Debüt mithalten können. Für Genussmenschen ist das einfach nix, wenn man alles durchhechelt. Aber in punkto Snare Sound: ERWISCHT! OK, ich gebe zu, dass der mir natürlich sehr gut reinläuft. Aber was hast Du gegen Debüts? Die müssen nicht immer die schlechtesten Alben in ner Bandgeschichte sein. Und so ist das bei „Origin“ eben. Die Riffs sind knochentrocken und, wie ich meine, tatsächlich straight und nicht so völlig abgedreht und auf Teufel komm raus schnell abgefeuert wie bei „Echoes…“, dass man sich fragen muss, ob man einer Todesblei Platte lauscht oder die Rübe in nem ICE bei Vollgas aussem Fenster hält. Und was die Austauschbarkeit angeht, kann ich Dir so gar nicht zustimmen. Es fiel mir schon bei der „Informis…“ schwerer, die einzelnen Songs voneinander zu unterscheiden, was mir bei „Origin“ unter anderem aufgrund leckerer Breaks sehr leicht fällt. Früher hatten ORIGIN Ecken und Kanten und einen recht eigenständigen Sound. Und das ist ihnen in ihrem Geschwindigkeitsrausch beklagenswerter Weise anscheinend so gänzlich abhanden gekommen. Da gibt es keinerlei Verschnaufpause und das ständige Durchtreten des Gaspedals führt zu recht verfrühten Ermüdungserscheinungen beim Hörer.
Und wo bitte ist „Origin“ ein Groove Album? Verwechselst Du auch SechsKnietiefdrunter mit KRISIUN? Um auf die Snare zurückzukommen; die hörte sich damals schon an, als würde einer auf seiner PC Tastatur einpennen. Trrrrrrrrrrrrrt. Mann, langsam war die Chose bestimmt nicht!

Stimmt, langsam war sie nicht, aber langsamER! Das musst du relativ sehen. Wenn ich mir aber Songs wie „Mental Torment“ anhöre, die bis auf ein, zwei Breaks dieselben Drumpatterns bis zum Erbrechen wiederholen, dann geht mir das ziemlich fix auf die Nüsse und ich will nur noch „bitte mehr Blasts!!“ brüllen. Vielleicht find ich aber auch einfach nur die Snare zu dominant, kann auch sein. Die Vocals sind aber auf jeden Fall arg eintönig, weil das Zweitstimmige einfach zu sehr untergeht. Bei den folgenden Releases sind die Stimmen viel gleichberechtigter und dadurch wirken auch die Songs um einiges abwechslungsreicher. „Origin“ geht für mich mit seinen sehr rhythmischen Growls sehr wohl als Groove Album durch, wenn auch als schnelles. Wie gesagt, langsam waren sie wirklich nie. Aber heute sind sie einfach schneller und -und das ist der springende Punkt- songwriterisch besser drauf! Dass Debüts immer die schwächsten Alben in einer Diskographie sind, hab ich nie behauptet. Man hört im Falle ORIGINs allerdings von Album zu Album eine deutliche Steigerung heraus, wodurch es sich in ihrem Fall genau so verhält. Ich frage mich wirklich, wie die mit „Origin“ einen Deal bei Relapse kriegen konnten, denn die sind ja sonst für sehr eigenständige Bands bekannt. Eigenständig wurden ORIGIN aber erst mit „Informis…“. Allein die Soli sprechen eine Sprache für sich! Sowas gab es früher nicht bei den Originatoren. Und genau die Doppelvokalakrobatik, die jetzt endlich so richtig zur Geltung kommt, und dem ganzen einen Druck beschert, wie er nicht einmal beim Gruppensex in einer Tokioter U-Bahn zur Stoßzeit herrscht, lässt eigentlich keinen Vergleich mehr zu früher zu. Die Mucke ist einfach eine ganz andere heutzutage. Aber vielleicht magst Du auch nur den Triggersound nicht?

Über das angeblich bessere und gereifte Songwriting werden wir uns wohl nicht einigen können. Ich finde die neue Scheibe einfach gleichsam eindimensional wie zerfahren, viel zu hektisch (ja, das beschreibt es am besten… hektisch) und was Du als Verbesserung gegenüber den alten Tagen auffassen magst, nämlich die Doppelkotzwürger am Mikro (sind’s nicht drei?) ([doch sind es, waren es auch schon immer – Thomas] [SAG ICH DOCH!!! – Audaron]), ist für mich eher ein Manko, denn ich fühle mich nicht wie beim Gangbang in einer Tokioter U-Bahn (etwas, das ich auch niemals erleben möchte), sondern eher wie auf einem mächtig gut besuchten Kindergeburtstag, auf dem die nervig-impertinenten Teppichratten nachdem sie Mami mit Torte eingesaut haben, alle durcheinander schreien, wer denn als nächstes was Teures aus Papis Modellautosammlung schrotten darf. Der gute Mark auf dem glänzenden Debüt, welches das Release auf Relapse übrigens vollkommen verdient hat, war aber ein recht charismatischer Ausnahmeplärrer, der eben doch mit Longstreths absolut nicht redundantem Drumming für ne dicke Portion Eigenständigkeit gesorgt hat. Bei „Echoes…“ bekommt man ja gar nicht mit, wann der nächste Song losgeht! Ich könnte Dir irgendne Sequenz vorspielen und dann hättest Du garantiert Deine liebe Mühe, mir auf Anhieb zu sagen, welcher Titel gerade durch die Boxen rattert.

Alte Songs wie „Sociocide“ konnten immer mit nem arschgeilen Break aufwarten, welches Zeit zum Verschnaufen, andächtigen Hinhören und wieder Freuen auf den nächsten Tritt aufs Gas versprach.
Die neue Scheibe hat die 9 Punkte einfach nicht verdient. Sicherlich ragt sie über den Durchschnitt des ganzen Todesknüppelbreis heraus, aber sie macht auf mich den Eindruck, als würde ne Horde Bonobos auf Langgrundblatt ne Hasenfickattacke starten. Und was die ach so tollen Soli angeht… da sind Slayersoli ja angenehmer! James Murphy und Konsorten spielen Soli… auf „Echoes…“ sind doch gar keine zu hören! Hehe…

Das findest Du wohl witzig, wie? 😉 Sperr mal die Lauscher auf, dann wirst Du nicht nur Soli, sondern auch Breaks und Tempowechsel entdecken. Aber ich seh schon, über die Songs werden wir uns nie und nimmer mehr einig. Dass ich die Titel nicht auseinander halten könnte, wird sogar stimmen, das ist aber auch gar nicht nötig, denn mit 26 Minuten Spielzeit kann man sich die Scheibe gut (mehrmals) am Stück anhören. Und sind Namen nicht sowieso Schall und Rauch? Klar, Dein Punkt ist ein anderer, Du zielst auf die angebliche Gleichförmigkeit ab. Aber die höre ich eben nicht. „Origin“ könnte ich im Vergleich zu „Informis…“ oder „Echoes…“ nicht direkt im Anschluss ein zweites Mal hören. Dir geht’s da wohl genau anders herum. An das Gegrunze auf „Echoes…“ lass ich aber nix kommen! Denn das ist erstens tiefer, zweitens besser und drittens nicht so eintönig wie auf dem Debüt. Es bleibt dabei: wer auf Überschall Death Metal mit abgefahrenen Soli und geilen Grunz-/Keif-Wechselspielen steht und dazu nicht mit beiden Ohren noch in den Achtzigern hängt, kann bei „Echoes Of Decimation“ bedenkenlos zugreifen. Vielleicht geht Dir auch noch irgendwann ein Licht auf, Audaron.

Nee, wenn’s nach Dir geht, dann bleibt es bei mir zappenduster. Die 26 Minuten ein paar Mal nacheinander hören? Ha! Hätten die Jungs ja doch ne 1 Song Platte machen können. „Crimson“ der Hyperschallfraktion sozusagen. Aber wieso fühle ich mich ein zweites Mal so ein klitzekleines bisschen ertappt, wenn Du die 80er Ohren erwähnst? Ha, ich weiß es nicht. Vielleicht weil die alten ORIGIN eher in Richtung TERRORIZER gingen? Ach, Schmarrn! Mir gehen eben nur diese „neueren“ Wichswettbewerbe auf den Geist (wenn ich jetzt Sack geschrieben hätte, würde es so GAR NICHT passen), in denen wohl jeder zeigen will, wer am schnellsten abspritzen kann. Tja – was natürlich nen mächtigen Griff in den Abort darstellt; denn wir wissen doch alle, dass Ausdauer und Einfühlungsvermögen gefragt sind. „Echoes…“ ist wie ein Porno: drauf, rammeln, fertig, klebt.
Was Dich in ekstatische Zuckungen versetzt (hähä, schon wieder so en Anspielung, scheiße), entlockt mir eben nur ein müdes Gähnen. Die Mucke nutzt sich so verdammt schnell ab, dass es eine Affenschande ist…
ORIGIN sollten sich bei ihrem nächsten Output wieder auf ihre Stärken besinnen, die richtige Mannschaft zusammentrommeln und wieder ne knorke Platte raushaun. Amen!

Galerie mit 15 Bildern: Origin - Summer Breeze Open Air 2018
16.04.2005

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