Anaal Nathrakh - Passion

Review

Nanu… Grande passione im Höllenpfuhl? Leidenschaft, Tangotanzen und Schwefeldünste? Setzt man die Brille für stereotypes Sehen auf, könnte beim Anblick des Titels der neuen Drachenplatte unserer teuflischen Briten tatsächlich das große Stirnrunzeln aufkommen, wenngleich die Sägeblätter auf dem Cover ganz und gar nicht subtil rüberkommen. Nein, keine Sorge, auch anno 2011 verbrennt die Atmosphäre im Pestatem dieses heraufbeschworenen Schwarzmetall-Scheusals. Mit Doublebass-Marschgeboller stampft und tritt “Volenti Non Fit Iniuria” eine Schneise in die Landschaft, bereitet den Weg für neuerliches Unheil.

Will man wissen, was “Passion” wirklich bedeutet, so offenbart sich das meisterliche Schaffen im folgenden “Drug-Fucking Abomination”: Hymnen der Vernichtung, eine Oper des Schreckens mit ohrenbetäubendem Geschrei und Todesengel-Gesang – Melodien aus dem Stahl des tiefsten Abgrundes geschmiedet. Wie schwarze Reiter fegt das infernalische Duo zunächst im Midtempo über uns weg, nur um dann die nietengespickten Gifthammer auszupacken. Das, genau das ist die Leidenschaft, mit der der Schnitter fröhlich Köpfe von Hälsen absäbelt und damit die Stadt dekoriert. Das ist die Leidenschaft, mit der ANAAL NATHRAKH bereits seit über zehn Jahren wüten. Und als ob noch sie das noch unterstreichen wollen, setzen sie mit “Post Traumatic Stress Euphoria” im Berserkermodus nach, genauso ungestüm wie auf ihren ersten Demos. Keine zwei Minuten dauert dieses Massaker, ebenso “Locus Of Damnation”.

Ein differenzierteres Klangbild ergibt sich mit “Le Diabolique Est L’Ami Du Simplement Mal” und auch “Who Thinks…”, in denen sie zeigen, dass jenseits von Raserei auch Platz für kleine technische Spielereien, kurze Solomomente und Breakdowns ist. Überhaupt zeigt sich spätestens hier, wie detailreich und vielschichtig sich “Passion” gestaltet, noch ein ganzes Stück deutlicher als auf früheren Alben.
Dann eine kleine Überraschung: “Tod Huetet Uebel” wird durch eine dermaßen abartige Gesangsleistung gekrönt, dass mein déjà-vu-Erlebnis bereits nach wenigen Sekunden zur Gewissheit wird: Niemand, aber auch niemand schreit sich die Seele so aus dem Leib wie Landfermann (ex-BETHLEHEM, PAVOR), den man schon längere Zeit nicht mehr gehört hat. Was für eine Bereicherung! Ein zweites Gastspiel gibt Alan Dubin (KHANATE), der “Ashes Screaming Silence” mit seinem Geröchel, Geflüster und Gekeife zu einem denkwürdigen Duett mit Dave Hunt werden lässt.

Die zwei Stücke sind charakteristisch für ein Album, welches weniger als zuvor ein einziger Geschwindigkeits- und Brutalitätsorgasmus ist, sondern den Fokus auf einzelne Momente und Passagen, Kontraste und filigrane Arbeit legt. Deutlich hörbar auch die wesentlich dynamischere Produktion – auf dem Vorgänger gab es noch Blitzkrieg für’s Trommelfell – doch auf “Passion” ist das Bild ausgeglichener, balancierter, bietet mehr Raum für die Entfaltung der einzelnen Instrumente.
Was allerdings auch zu beobachten ist: ANAAL NATHRAKH haben es sich mittlerweile auf ihrem selbst geschnitzten Thron bequem gemacht. Sie machen das was sie können, und das tun sie nach wie vor exzellent, allerdings sind großartige Steigerungen auf diesem Weg nicht mehr zu erwarten. Nicht weil sie müde werden, sondern weil wir uns an die Vernichtungskraft ihres Feuers gewöhnt haben.

16.05.2011

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2 Kommentare zu Anaal Nathrakh - Passion

  1. Matthias sagt:

    Ein äußerst formidables Album, das für ANAAL NATHRAKH Verhältnisse recht vielseitig ausgefallen ist. Gefällt mir bislang am besten von der Drachencrew. Absolut Irre ist auch die Landfermann-Gesangsleistung. Sowas krankes habe ich schon lange nicht mehr gehört. Das kann auch Dubin nicht mehr toppen. Saustarkes Album mit einigen wahrlichen Killersongs. Schnipp-Schnapp Rübe ab? Aber bitte doch, hier gehts lang… mit “Passion” …und jeder nur ein Kreuz bitte!

    9/10
  2. Hans-Hubert sagt:

    Oh, ich glaube, schon allein wegen der Gastauftritte sollte ich mir das Album mal antun…