1349
Interview mit Archaon über "Demonoir"

Interview

Mit “Demonoir” hat die norwegische Black Metal-Kombo 1349 jüngst ihr fünftes Full Length-Album veröffentlicht. Archaon, Gitarrist und Komponist der Band, erzählt uns im Interview alles über ihr neues Werk, die vorangegangene Tour durch die USA und warum es eigentlich so schrecklich ist, ein Album aufzunehmen.

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Grüß dich! Wie geht es dir heute?

Ganz gut, danke. Nur ein weiterer anstrengender Tag mit einigen ruhigen Momenten.

Alles gute zum Release eures neuen Albums “Demonoir” am 26. April. Wie fühlt ihr euch damit?

Absolut fantastisch! Wir sind alle sehr zufrieden mit “Demonoir”. Es ist definitiv die härteste Arbeit, die wir je auf Band gepresst haben und die Songs haben uns alle unglaublich gefordert, allerdings positiv.

Wie kamt ihr auf den Titel des Albums?

Um ehrlich zu sein, habe ich über den Titel während einer guten Flasche Rotwein nachgedacht und schickte Frost einen Vorschlag. Eine Woche später schickte er mir eine modifizierte Version davon zurück, die uns total umhaute – Demonoir. So wurde der Titel geboren.

Die Cover eurer letzten Veröffentlichungen “Maggot Fetus…Teeth Like Thorns”, “Revelations Of The Black Flame” und “Demonoir” sehen sich relativ ähnlich, was Farbe, Machart und Motiv angehen. Wer ist für eure Artworks verantwortlich und woher rühren diese Gemeinsamkeiten?

Das Cover von “Revelations Of The Black Flame” wurde von der norwegischen Malerin Lillain Tyriberget gemalt. Sie hat viele sehr verschiedene Werke veröffentlicht und das Gemälde “Which Night” hat uns gleich sehr gut gefallen. Für die Limited Edition hat Frost ihr einige Anregungen gegeben, die sie umgesetzt hat und auch von dem Resultat davon war ich unglaublich beeindruckt. Nun, für “Demonoir” hat Frost ein Bild bei Neseblod (einem norwegischen Musik-Laden) gesehen von Kenneth Nilsen. Es hatte genau die richtige Stimmung für das Album und Frost fragte den Maler, ob er Interesse hätte, noch ein Cover für die europäische Version zu zeichnen. Beide Bilder sind fantastisch. Aber was die Gemeinsamkeiten angeht, hat uns 1349 wohl selbst einen Streich gespielt!

Im Gegensatz zu euren vorherigen Releases scheint “Demonoir” ein Konzeptalbum zu sein, wie du “Tunnel Of Set”-Zwischenstücke implizieren. Welches Konzept steht hinter dem Album und warum habt ihr mit der Nummerierung der Stücke mit IX anstatt mir I begonnen?

Wenn ich Musik schreibe, setze ich keinen Fokus auf ein bestimmtes Thema, aber auf eine bestimmte Atmosphäre. Natürlich kann ein Thema diesen Prozess in Gang setzen, aber das kann im nächsten Moment schon von der Magie der musikalischen Kreativität absorbiert werden. Alle Songs haben gemeinsam, dass sie sich um Formen der Dunkelheit drehen und als Frost die Idee hatte, sie durch die “Tunnel Of Set”-Zwischenstücke zu verbinden, hatte ich auch das Gefühl, dass wir hier ein Konzeptalbum über die Dunkelheit erschaffen haben. Die Nummerierung, die mit IX beginnt, hat seine Wurzeln im Kabbalah. Dort gibt es einen Lebensbaum und einen Todesbaum. Die Zahlen 1-10 symbolisieren den Teil des Lebens und ab 11 stehen die Zahlen für den Tod, deshalb haben wir mit 11 begonnen.

Ihr sagt, dass eure Band von „äußersten Extremen hin zu Erweiterung des Genres“ gegangen ist. Kann man die Idee ein Konzeptalbum zu machen als ein Bestreben werten, in eben diese Richtung zu gehen?

Man kann nicht behaupten, dass 1349 sich irgendwohin bewegt, höchstens überall hin. Wir hassen die Idee, uns selbst und unsere Kunst durch so was einzuschränken, also könnten wir nie sagen “Nächstes Mal könnt ihr ….. erwarten!”, das ist nicht unser Ding. Wir alle wollen Grenzen sprengen, persönlich und als Band und wir wollen keinerlei Barrikaden errichten. Ich hoffe wir können uns noch viel weiter “ausdehnen” als es jetzt schon der Fall ist. Aber nur die Zeit wird das sagen können.

Siehst du Konzeptalben als etwas an, dass zur Entwicklung der Musik beitragen kann? Was denkst du über die Entwicklung im Black Metal im Allgemeinen?

Ich habe ehrlich gesagt nicht viel über so etwas nachgedacht. Nicht, weil es mich nicht interessiert oder weil ich engstirnig bin, sondern weil ich ein Album einfach anhöre und nach der musikalischen Qualität beurteile und nicht nach irgendwelchen Richtlinien oder Kategorien. Von Individualität sprechen und jemandem dann sagen, was er zu tun hat, das ist nicht mein Ding. Ich glaube auch, dass es auch in der Zukunft immer junge Künstler geben wird, die uns überraschen und begeistern können. Das gute ist, dass wir natürlich noch nicht sagen können, womit!

Ihr sagt, ihr habt für „Demonoir“ die “glühendsten und heftigsten Energien aus jedem einzelnen Bandmitglied herasugeholt habt, um sie in Songs zu kanalisieren”. wie lief dieser Prozess genau ab und wie habt ihr es geschafft, das Album nur ein Jahr nach eurem letzten Werk „Revelations Of The Black Flame“ rauszubringen?

Ein Album zu machen ist ein sehr fordernder Prozess, der mehr Zeit in Anspruch nimmt, als man zunächst denkt. “Demonoir” war dabei keine Ausnahme. Der ganze Prozess des Findens von Inspiration, des Schreibens der Lyrics, des Komponierens, des Probens und Arrangierens der Songs, das ist wirklich schrecklich. Auch der Druck, der auf einem lastet, ist sehr groß, besonders weil man sich diesem immer wieder selbst aussetzt und sich selbst kritisiert. Und dann geht es noch weiter, man nimmt die Songs auf, das Mixen und Mastern… Unsere letzten Alben sind in kurzen Abständen erschienen, weil man als Musiker herausfinden musst, wann alles passt, die Stimmung des Albums als Ganzes. So wollten wir bei “Revelations Of The Black Flame” etwas anderes machen und das Material der anderen Alben hätte hier z.B. nicht funktioniert, man muss wirklich genau abpasssen, wann alles seinen richtigen Platz und seine richtige Zeit gefunden hat. Viel von dem Material von “Demonoir” haben wir schon vor einiger Zeit geschrieben, es musst nur noch arrangiert und an die richtige Stelle eingefügt werden.

Bei “Demonoir” arbeitet ihr erstmalig mit Indie Recordings zusammen. Warum habt ihr dieses Label gewählt und was kannst du uns über die noch recht junge Zusammenarbeit erzählen?

Einfach, weil sie für 1349 die richtige Wahl waren. Ich kannte einige von den Leuten dort schon vorher und wir haben einen guten Draht zueinander gehabt. Indie Recordings sind in der norwegischen Szene bekannt dafür, ein gutes Label zu sein und ihr Angebot an uns war sehr gut, das beste von vielen, um ehrlich zu sein. Also haben wir entschieden, mit ihnen zusammen zu arbeiten und sie haben entschieden, dass wir gemeinsam mit Prosthetic in den USA zusammen arbeiten würden. Bisher hatten wir keinen Grund, diese Entscheigung zu bereuen und ich glaube auch, es war auf jeden Fall die richtige Wahl.

Ihr habt kürzlich gemeinsam mit CANNIBAL CORPSE in den Staaten getourt. Was für Erfahrungen habt ihr gemacht und welchen Stellenwert hat norwegischer Black Metal denn über dem großen Teich?

Die Tour war großartig. Persönlich muss ich sagen, dass ich in den Staaten a liebsten toure, aber auch in Osteuropa, das ist wirklich Killer! Eine ganz andere Atmosphäre und Begeisterung.

Außerdem plant ihr in diesem Sommer einige Festival-Shows, unter anderem beim Wacken und beim Summer Breeze Open Air. Habt ihr in naher Zukunft noch weitere Live-Pläne für Europa oder speziell für Deutschland?

Die Festivalshows stehen momentan im Fokus, ansonsten ist noch nichts im Plan, aber wir würden uns sehr freuen, im Herbst in Europa und/oder den Staaten touren zu können.

Ihr habt die Zusammenarbeit mit Tom G. Warrior bei diesem Album fortgesetzt und benennt ihn weiterhin als Inspiration, Motivation und treibende Kraft für euer Wirken. Demnach wart ihr mit seiner Arbeit bei „Revelations Of The Black Flame“ zufrieden?

Tom hat einen großartigen Job gemacht. Wir sind wirklich sehr zufrieden.

Inwieweit war er bei „Demonoir“ beteiligt und plant ihr auch in Zukunft, mit ihm zu arbeiten?

Er hat sich unsere Musik angehört und uns seine Meinung dazu gesagt. So konnten wir vor allem Details, als auch die Qualität des Albums als Ganzes unglaublich verbessern. Damit hat er uns auch sehr motiviert.

Obwohl ihr offensichtlich recht progressive Ambitionen für eure Musik habt, zeigen die Cover-Versionen von EXODUS und MORBID ANGEL auf der Bonus Disc des Albums, dass ihr dennoch im old school Metal verwurzelt seid. Siehst du Bands wie diese als Basis für eure Musik an, auf die ihr mit eurer Musik aufbauen könnt? Oder wolltet ihr ihnen lediglich mit einem Cover Tribut zollen?

Beide Bands sind uns eine Quelle der Inspiration gewesen, zu verschiedenen Zeiten und verschieden intensiv, das kommt darauf an, wen du fragst. Aber ja, wir beziehen unsere Inspiration einfach von hochqualitativer Musik, egal aus welchem Genre. Ich schätze, man kann bei uns sowohl Spuren von Thrash und Death Metal hören, als auch von verschiedenen anderen Genres. Aber insgesamt werden unsere Füße immer dort fest stehen bleiben, wo wir hingehören: Im Black Metal.

All eure bisherigen Alben sind auch als LP-Versionen erschienen, so auch “Demonoir”. Warum habt ihr euch dazu entschlossen? Legt ihr persönlich einen hohen Stellenwert auf Vinyls oder sammelt sie vielleicht selbst?

Naja, kommerzielle Interessen kann man mit Vinyl wohl schon mal nicht verfolgen, das ist wenig lukrativ heutzutage. Als wir uns entschieden haben, unsere Alben auch als LPs rauszubringen haben wir das nur getan, weil wir alle eine besondere Verbindung zu LPs haben, das hat wohl was mit Nostalgie zu tun. Und es ist einfach cooler. Manche würden außerdem sagen, es würde besser klingen.

Danke für das Interview. Die letzten Worte gehören dir!

Danke für deine Zeit. Vielleicht sehen wir uns schon bald bei einer unserer Shows!

Galerie mit 19 Bildern: 1349 - Outstrider 2020 European Tour in Mannheim
02.06.2010

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