Audrey Horne
Audrey Horne

Interview

AUDREY HORNE befinden sich in ihrem Heimatland Norwegen schon seit langem auf der Überholspur, nun soll auch Resteuropa daran glauben. "No Hay Banda", das Debütalbum, war der erste wichtige Schritt, mit dem superben "Le Fol" folgt nun der zweite. Interessant dabei ist der Background der Bandmitglieder, die sich größtenteils in extremeren Metaltruppen ihren Namen gemacht haben, allen voran Arve Isdal aka Mr. Ice Dale von ENSLAVED. Im Interview bekennt sich Isdal zu seiner Vorliebe für David Lynch und erklärt, warum Preisverleihungen im Musikgeschäft einerseits sinnlos sind, andererseits aber die lebenslängliche Alkoholversorgung sichern können.

Audrey HorneErzähl mir doch bitte etwas über die Ursprünge von AUDREY HORNE. Ich habe gelesen, ihr habt euch in einer Rockbar in Bergen gegründet. Wie viel Alkohol ist in jener Nacht denn geflossen :)?

Eine ganze Menge, haha. Nein, aber ich, King und Thomas ließen es schon die Jahre davor gut krachen bevor wir zum ersten Mal wirklich zusammenspielten. Sie teilten sich eine Wohnung und ich habe dort auch oft übernachtet. Irgendwann bemerkten wir, dass wir den gleichen musikalischen Hintergrund hatten, aber irgendwie keiner mehr in dieser Richtung Musik machte. Zunächst jammten sie zusammen mit Kjetil und Toschie und fragten mich dann, ob ich nicht einsteigen wolle. Es begann also als reines Spaßprojekt, aber wir stellten fest, dass wir ziemlich gut miteinander harmonierten und so verbrachten wir mehr und mehr Zeit im Proberaum. Zu dieser Zeit spielte Ivar von ENSLAVED noch die Synthies, aber er beschloss dann die Band zu verlassen, so dass wir Herbrand fragten, ob er uns bei ein paar Liveshows aushelfen könne. Nach unserem zweiten oder dritten Gig wurde uns gleich ein Plattenvertrag angeboten und so zog es uns direkt ins Studio um „No Hay Banda“ aufzunehmen.

Leider habe ich euer Debütalbum „No Hay Banda“ bislang immer noch nicht gehört. Beschreibe mir mal in deinen eigenen Worten die Weiterentwicklung von „No Hay Banda“ zu „Le Fol“!

Wir haben das meiste Material von „No Hay Banda“ während der Aufnahmezeit geschrieben und wir verbrachten nahezu ein ganzes Jahr im Studio. Da es unser erstes Album war, gab es viele Streitereien und Diskussionen innerhalb der Band, da jeder noch seinen Platz finden musste und jeder für seine eigenen Ideen kämpfte. Irgendwann hassten wir uns alle gegenseitig. Doch am Ende waren wir sehr stolz auf das Ergebnis des Albums, denn es enthält einige großartige Songs und es klingt wirklich gut, aber es war auch ein schmerzhafter Entwicklungsprozess. Das Album hat diesen großen Sound und enthält viele Overdubs, aber irgendwie ist es auch ein bisschen gleichförmig. Für „Le Fol“ wollten wir mehr Dynamik und einen organischeren Sound. Wir machten für alle Songs eine Vorproduktion und nahmen das Album relativ schnell auf. „Le Fol“ enthält einige sehr kompakte Parts wie in „Monster“ oder „Bright Lights“, aber diesen großräumigen Sound des Debütalbums haben wir auch weiter beibehalten. Ich persönlich finde, dass „Le Fol“ zudem etwas rockiger klingt. Es enthält nach wie vor heavy Parts, aber sie klingen etwas roher und rockiger. Und insgesamt enthält das Album natürlich bessere Songs als unser erstes Album, yeah!

Für „No Hay Banda“ fungierte noch Joe Barresi als Produzent, „Le Fol“ habt ihr dann selbst produziert. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, das selbst in die Hand nehmen zu wollen und wie zufrieden seid ihr mit dem Endergebnis?

Nach der Veröffentlichung von „No Hay Banda“ geschahen einige blöde Sachen. In Norwegen lief alles prächtig, aber beim Rest der Welt erhielten wir kaum Aufmerksamkeit. Die Kämpfe innerhalb der Band hielten an und wir entschieden uns das Album so schnell wie möglich aufzunehmen. Ich hatte viele Songs in der Hinterhand, Thomas ebenfalls, insgesamt waren etwa zwanzig Songs vorhanden aus denen wir wählen konnten und so begannen wir intensiv zu arbeiten. Da Joe Barresi ein vielbeschäftigter Mann ist und wir keine Verzögerung mit dem Album haben wollten, ließen wir Herbrand den Mix erledigen, da er die Band ja bereits kannte und wusste, wie wir klingen wollten. Er spielt auch die Synthies auf der Platte, er war also doch ziemlich in die Platte involviert. Ich denke, die Platte klingt wirklich gut und ehrlich. Sie hat einen amerikanischen Sound, aber mit einem nordischen Vibe.

Der Bandname entstammt einem Charakter aus David Lynchs „Twin Peaks“. Warum habt ihr gerade diesen Charakter ausgewählt? Seht ihr irgendwelche Parallelen zwischen eurer Musik und Lynchs Filmen?

Als ich jünger war, stand ich total auf die Filme von Lynch und der Charakter der Audrey Horne hatte es mir besonders angetan. Sie war unheimlich schön und sexy, aber auch sehr düster und mysteriös. Als wir darüber diskutierten, welchen Namen wir unserer Band geben sollten, dachten wir an einen Namen, der anders und kein typischer Rockname ist. Deshalb schlug ich AUDREY HORNE vor und die anderen fanden die Idee gut. Unsere Musik ist schließlich auch schön, sexy, düster und mysteriös, von daher passte der Name perfekt. Nun, wir lieben alle seine Filme und sie inspirieren mich beim Schreiben von Musik. Er kreiert eine unglaubliche Atmosphäre, in der alles so schön wirken kann, aber die meiste Zeit arbeitet er mit sehr düsteren Stimmungen. Genau das versuchen wir auch mit AUDREY HORNE umzusetzen. In vielen der Texte von „Le Fol“ geht es um die Liebe in den verschiedensten Ausführungen, aber wie man schon auf dem Cover sehen kann, behandeln wir auch düstere Themen. Ich liebe es zum Beispiel zu einem traurigen Text eine fröhliche Melodie zu spielen und umgekehrt. Vielleicht habe ich mich da auch von David Lynch beeinflussen lassen, keine Ahnung. Auf unserem ersten Album gab es noch viele Lynch-Referenzen, aber ich finde, es wurde dann etwas zu viel, deshalb haben wir das auch auf „Le Fol“ gelassen. Wir wollen ja schließlich nicht als eine David-Lynch-Coverband angesehen werden.

Wenn wir schon von Einflüssen reden, wie viel ENSLAVED steckt denn eigentlich in AUDREY HORNE?

Nicht viel, denke ich. Bei ENSLAVED schreibt Ivar den Großteil der Musik und bei AUDREY HORNE bin ich das. Ich empfinde großen Respekt für Ivars Songwriting, aber obwohl wir mit vielen ähnlichen Bands aufgewachsen sind, machen wir sehr unterschiedliche Musik. Zudem ist der Songwritingprozess bei AUDREY HORNE komplett anders, ich denke also nicht, dass da viel ENSLAVED drin steckt.

Ich war ziemlich neugierig, als ich las, dass Mitglieder von ENSLAVED und GORGOROTH eine Alternative-Rock-Band gegründet hatten. Jedoch kann ich King im aktuellen Line-up nicht mehr finden. Hat er die Band nun verlassen oder spielt er noch irgendwo im Hintergrund mit?

Nein, er hat die Band direkt vor den Aufnahmen zu „Le Fol“ verlassen. Er war einfach zu beschäftigt. Mit einer eigenen Familie, einem regulären Job und all seinen anderen Bands, war es klar, dass er irgendetwas sein lassen musste. Aber wir sind nach wir vor gute Freunde und ich wünsche ihm für alle seine Projekte weiterhin viel Glück.

Da sämtliche Mitglieder von AUDREY HORNE auch in anderen Bands aktiv sind, frage ich mich, ob diese Band mehr ein Projekt oder doch eine richtige Band ist. Wie ernst nehmt ihr die Geschichte?

Wir nehmen sie extrem ernst. Wir haben sehr hart an diesem Album gearbeitet und wir sind sehr stolz darauf, AUDREY HORNE werden deshalb nie ein kleines Sideproject sein. Natürlich muss man sich da gut organisieren, wenn man noch in anderen Bands spielt, aber bislang war das kein ernsthaftes Problem. Ich nehme mal an, dass viele dachten, „die Band macht eh nur ein Album und verschwindet dann wieder von der Bildfläche“. Fuck that! Ich habe bereits Songs für das dritte Album geschrieben, AUDREY HORNE wird es also noch eine ganze Weile geben.

Ich finde, die Musik von AUDREY HORNE hat einen starken epischen Charakter, was das Album auch so einzigartig macht. Gibt es irgendwelche Einflüsse, die euch in diese Richtung bewegt haben?

Ich denke, das Wetter in Bergen ist unser größter Einfluss. Hier regnet es etwa 250 Tage im Jahr, aber die Stadt ist sehr schön, daher entsteht eine sehr spezielle Atmosphäre. In meinem Zimmer, wo ich die Musik schreibe und ich und Toschie am Gesang arbeiten, ist es meistens dunkel und kalt und der Blick nach draußen ist regnerisch und grau, das beeinflusst unser Songwriting ungemein. Würden wir in LA wohnen, würden wir wahrscheinlich auch fröhliche Liebesmusik machen, hahaha.

In der recht euphorischen Promoinfo wird erwähnt, dass ihr mit der Band bereits einige Auszeichnungen erhalten habt. Wie denkt ihr darüber und wie fühlt es sich denn so an, wenn man zum „Mainstream“ gehört :)?

Natürlich fühlt es sich gut an, wenn man Preise gewinnt, aber in der Musik sind sie bedeutungslos. Ich meine, es ist großartig, wenn die Leute mögen, was wir machen und ich gewinne gerne irgendwelche Preise. Aber im Endeffekt geht es in der Musik um Gefühle und Freiheit und das kann man nicht in einen Wettbewerb ausmachen. Ich hoffe trotzdem, dass wir mit jedem Album nominiert werden, denn ich liebe die Partys bei diesen Shows, haha. Wir widmeten unseren Award dem örtlichen Pub, wo alles begann und sie geben uns dafür für den Rest unseres Lebens billig Alkohol, von daher passt das schon! Wir entstammen ohnehin alle einem Mainstream-Background, von daher ist das für mich ganz natürlich und hervorragend. Ich bin mit Bands wie KISS, GUNS ‚N‘ ROSES, PINK FLOYD, METALLICA, LED ZEPPELIN, FAITH NO MORE, U2, SOUNDGARDEN und NIRVANA aufgewachsen. Die Black-Metal-Szene lernte ich erst mit 16 oder so kennen. Bevor wir mit AUDREY HORNE anfingen, spielte ich hauptsächlich extremen Metal, aber ich fühlte, ich würde etwas tun, wofür ich eigentlich nicht bestimmt bin. Nun spiele ich bei ENSLAVED und AUDREY HORNE und so fügen sich die Puzzleteile zusammen und ich bin glücklich darüber, in diesen beiden großartigen und doch so unterschiedlichen Bands spielen zu können.

Was für eine Bedeutung hat eigentlich das Coverartwork bzw. der Albumtitel? Wer ist denn „Le Fol“?

Wenn du auf die eigentliche CD schaust (nicht das Cover), dann bist du „Le Fol“, hahaha. „Le Fol“ ist französisch und man meint damit den Joker. Ich denke, beim Joker handelt es sich um eine sehr naive, optimistische Person, der sich irgendwo einmischt, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Auf dem Bild sieht man einen geschiedenen Mann mit Narben und Blut an seinen Händen, was offensichtlich aus einer gescheiterten Beziehung herrührt und er gibt die Tarotkarte „Le Fol“ an einen neu verheirateten Mann weiter. Dies soll eine Warnung darstellen: „Sei vorsichtig, dir könnte das genauso passieren“. Ich mag die dunkle Note in dem Bild und das passt hervorragend zu den Texten.

Es ist keine große Überraschung, dass AUDREY HORNE als Band eines ENSLAVED-Mitglieds vermarktet wird. Wie denkst du darüber?

Nein, eine Überraschung ist das nicht. Labels tun sowas einfach, aber ich mag das nicht sonderlich. Ich meine, da AUDREY HORNE mit ENSLAVED und vor allem mit GORGOROTH nichts zu tun haben, verstehe ich nicht, warum man damit die Fans verwirrt. Ich kann mich noch daran erinnern, wie King und ich genau dies beim ersten Album zu vermeiden versucht haben, aber die Presse schrieb ständig darüber und wir konnten letztlich nichts dagegen tun. Natürlich ist mir klar, dass es einfacher ist, Presse und Interviews für eine neue Band wie AUDREY HORNE zu bekommen, wenn sie so vermarktet wird und ich will ja auch nicht verleugnen, dass ich bei ENSLAVED spiele, es ist halt einfach nur ein wenig seltsam.

Soweit ich weiß (und ich bin im Übrigen kein Black-Metal-Fan), handelt es sich bei ENSLAVED um eine Band, die sich zu einer „progressiven“, offenen Black-Metal-Band entwickelt hat. Wie dem auch sei, gibt es eigentlich einige Black-Metal-Fans, die sich negativ über AUDREY HORNE geäußert haben?

Wie du schon andeutest, haben ENSLAVED viele tolerante Fans und die meisten von ihnen mögen anscheinend auch AUDREY HORNE. Und ehrlich gesagt interessiert es mich nicht das Geringste, was Old-School-Black-Metal-Fans darüber denken. Wenn sie es nicht mögen, sollen sie das Album auch nicht kaufen und einfach das Maul halten.

Wie ich bereits erwähnte, sind AUDREY HORNE in Norwegen ziemlich erfolgreich. Was sind eure Erwartungen für Resteuropa und was wollt ihr mit AUDREY HORNE noch erreichen?

Ich denke, es gibt viele potentielle Fans von AUDREY HORNE da draußen, wir müssen es also schaffen, die Musik an sie heranzutragen, damit sie aufmerksam auf die Band werden. Ich hoffe, das Album spricht für sich selbst und die Klasse des Albums spricht sich herum. Wir erhielten großartige Reviews in der europäischen Presse und machten viele Interviews, es sieht also ganz gut aus. Jetzt müssen wir nur noch touren und wir hoffen, ein paar größere Festivals in Europa zocken zu können. Wie gesagt, ich denke, AUDREY HORNE haben das Potential, die größte Rockband der Welt zu werden und ich glaube nach wie vor daran.

Danke für deine Zeit, Mr. Ice Dale! Falls es noch was gibt, was du den Lesern von metal.de mitteilen willst, hier ist deine letzte Chance!

Kauft „Le Fol“ und macht mich glücklich!

Galerie mit 22 Bildern: Audrey Horne - Blackout Tour 2018
08.04.2008

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