Motorjesus
Interview mit der Band zu "Wheels Of Purgatory"

Interview

Mit ihrem neuen Album „Wheels Of Purgatory“ dürften die Recken von MOTORJESUS endlich bewiesen haben, dass sie zu den wohl besten Acts des Landes gehören. Wir baten die Jungs, kurz die Werkstatt zu verlassen und unseren Fragen Rede und Antwort zu stehen.

Motorjesus

Nach vier turbulenten Jahren steht nun endlich ein neues Album von euch in den Regalen, was auf den Namen „Wheels Of Purgatory“ getauft wurde. Seit eurem letzten Album „Deathrider“ ist ja einiges im Hause MOTORJESUS passiert. Gebt uns doch bitte mal einen kurzen Überblick über das Geschehene.

Chris (Birx, Gesang): Hi Ingo und erstmal Danke für das Interview. Das ist eine recht lange Geschichte aber ich versuchs mal so kurz wie möglich zu fassen. Also bei uns ist folgendes Passiert. Der eine rein der andere raus, EP gemacht, alle alten wieder rein, alle glücklich. Neue Platte, schön, „Wheels Of Purgatory“, feddich ab… läuft….. Das war die „be quick or be dead“ Version. (lacht)

Wir haben nach der „Deathrider“ eigentlich geplant 2008 das nächste Album rauszubringen. Das hat leider nicht so geklappt, da wir alle ein paar berufliche Veränderungen und private Probleme zu bewältigen hatten. Wir kamen durch die Probleme dann an einen Punkt wo wir nicht mehr weitermachen konnten. Andreas (Peters, Gitarre) und ich haben dann mit verschiedenen Konstellationen versucht die Band am Leben zu halten, was ebenfalls nicht so leicht war, da diese Konstellationen nicht so gut funktioniert haben wie erwartet. Irgendwann wurde ich gefragt ob ich Lust hätte, an einem neuen Projekt mitzumachen das Olli (Beck, Schlagzeug) und Guido (Reuss, Gitarre) in der Zeit auf die Beine gestellt hatten. Somit hat man sich musikalisch schon mal wieder getroffen. Es folgten dann ein paar Spaß-Auftritte unter unserem alten Bandnamen THE SHITHEADZ in fast originaler Besetzung. Und irgendwann waren wir alle auf Andys Geburtstagsfete und nach ein paar Tassen Bier waren wir uns irgendwie alle wieder einig es noch mal zu versuchen. Irgendwie hat man sich auch nie ganz aus den Augen verloren und die Tatsache, dass wir zuvor 10 Jahre gemeinsam Musik gemacht und zwei Alben zusammen geschrieben hatten, brachte uns zu der Erkenntnis, dass eben die „alte“ Besetzung die sinnvollste ist. Wir haben anschließend direkt mit dem Songwriting fürs Album begonnen. Wir haben inzwischen alle unsere kleineren und größeren Hindernisse hinter uns gebracht und wieder Bock und Spaß daran zusammen Mucke zu machen.

„Wheels Of Purgatory“ ist nicht nur vom Titel her sehr motorengeprägt, auch die Songs an sich lassen immer wieder eine Verbindung dazu erkennen. Seid ihr eigentlich leidenschaftliche Schrauber oder wie kann man diesen Kontext erklären?

Chris: Außer unser Roman (Jasiczak, Bass) der tatsächlich immer nen Schraubenzieher in der Hand hat um seine Kreidler Flori zu frisieren, sind wir alle weder sonderlich ambitioniert noch talentiert, um mit Werkzeug umzugehen. Wir sind alle Musiker mit zarten Musiker Händchen, da darf kein Öl und Dreck dran kommen… nee im Ernst, wir sind jetzt zwar Fans von dicken Autos, und jeder hätte gern nen geilen Sprit fressenden Ami-Schlitten in seiner Garage, aber schrauben tut außer Roman keiner groß von uns. Es passt halt zum MOTORJESUS dazu, Flammen, Autos, das verkörpert irgendwie den Rock ’n‘ Roll für uns….

Hattet ihr die neuen Songs relativ schnell im Kasten? Immerhin habt ihr mit diesem Line Up (bis auf Bassisten Roman Jasiczak) Granaten wie „Deathrider“ oder „Dirty Pounding Gasoline“ erschaffen.

Guido: Ja, das Songwriting für „Wheels of Purgatory“ ging relativ leicht und schnell von der Hand. Das lag zum einen daran, dass wir auf einen relativ großen Pool von gesammelten Riffs/Songfragmenten zurückgreifen konnten, die über die letzten Jahre gesammelt wurden. Zum anderen waren alle wirklich sehr euphorisch und mit Spielfreude dabei, so dass innerhalb von einem halben Jahr 18 komplette Songs zur Verfügung standen, wovon dann 14 Stücke Ihren Platz auf der neuen Scheibe gefunden haben.

Auffallend ist auch, dass die Stücke auf „Wheels Of Purgatory“ reif und ausgeklügelt, dabei aber nicht kalkuliert klingen. Hat hierzu vielleicht die vorübergehende Trennung der alten Bandmitglieder ihren Teil dazu beigetragen?

Guido: Wir gehören ja nun auch schon so langsam zu den erfahrenen Hasen (lacht) und das wirkt sich sicherlich auch aufs Songwriting aus. Ich glaube, dass wir auf „Wheels Of Purgatory“ eine gute Mischung aus Spontaneität und überlegtem Songwriting ins Vinyl geritzt haben. Dass wir in dieser Besetzung schon lange zusammen spielen und jeder die Stärken des anderen kennt, kommt der Sache natürlich zu Gute. Mit Roman (als jüngstes Mitglied) haben wir außerdem einen richtig guten und tighten Bassisten in der Truppe!

Vom quasi Opener „Motor Discipline“ über „King Of The Dead End Road“ hin zu „Down To Zero“, auf der neuen Scheibe gibt es keine durchschnittlichen Nummern, im Gegenteil, alle Songs rocken ordentlich ab. Wie seid ihr diesmal beim Songwriting vorgegangen? Was hat euch beeinflusst?

Roman: Hmmmm, also um ganz ehrlich zu sein hat uns nix und niemand beeinflusst.
Ganz wenige Songs lagen noch im Stahlschrank inner Motorschrauberwerkstatt, diese hat man dann erneut aufgegriffen und zum Teil umgebaut/aufgemotzt und aufpoliert. Der Rest, und das sind gut und gerne 70% des Albums, wurde gemeinschaftlich erarbeitet.
In aller Regel hatte man ein Riff welches dann nach und nach ausgebaut wurde, aber viele Nummern sind ganz klassisch in Jam-Sessions entstanden, was wirklich sehr interessant war.
Die Songs haben sich dann in irgendeine Richtung entwickelt, da sich jeder eingebracht und das Stück so mitgeformt hat, bis das Endergebnis stand.
Wie Guido bereits erwähnte, hatten ursprünglich noch einige Nummern gleichen Kalibers wie die auf der „Wheels Of Purgatory“, allerdings fehlte uns die Zeit die Dinger aufzunehmen, es wären aber auch zu viele Stücke gewesen für ein Album.
Sei´s drum, nun haben wir schon mal weitere starke Nummern in der Rückhand für´s nächste
Werk. Letztendlich sollte alles nach MOTORJESUS klingen, das war das grobe Ziel, und das tut es auch.

Von eurer EP „100.000 Volt Survivor“ haben es lediglich „Fist Of The Dragon“ und das Neil Young-Cover „Old Man“ auf das neue Album geschafft. Warum waren es gerade diese beiden Nummern?

Roman: Also „Fist of the Dragon“ hat seit der EP-Veröffentlichung 2009 wirklich sehr viele positive Resonanzen mit sich gezogen und kommt auch live immer bombig an. Von daher war es klar diesen Song mit auf das 3. Album zu packen. „Old Man“ stand außer Frage, der musste ebenfalls mitgeschleppt werden. Der Song ist schon was Besonderes für uns.
Mehr Songs der EP zu nehmen wäre nicht gut gewesen, wir wollten ja schon ein neues Album mit neuen Songs präsentieren, da reichen dann 2 „alte“ Stücke voll und ganz aus.

Wie seid ihr eigentlich damals gerade auf „Old Man“ als Cover gekommen?

Chris: Der Herr Peters, der ja bei uns das Banjo bedient, kam irgendwann mal mit dem Song um die Ecke. Damals hatte er den Song bei You Tube gefunden und ihn mir gezeigt. Ich kannte den alten Kracher von Neill Young gar nicht und war direkt begeistert von der Nummer. Wir hatten dann so einige Ideen, mal den ein oder anderen coolen Song zu covern und irgendwann hatte ich die Idee unsere Version von „Old Man“ zu machen, auch weil es mal was ganz anderes ist. Ich glaub das Teil ist ganz cool geworden, einfach mal ne ruhigere Nummer für alle Mütter und Haufrauen (lacht).

Neben der Coverversion, die als Bonustrack deklariert ist, stellt sich auch „Electric Rise“ nicht als regulärer Song heraus. Warum hat das Stück einen Bonuscharakter?

Guido: Wir wollten ursprünglich noch 1 – 2 Songs vom Album kicken und einer davon war „Electric Rise“. Wir waren am Anfang nicht ganz so happy mit dem Intropart des Songs und haben im Studio immer wieder ein bisschen daran geschraubt. Irgendwie wollte er aber bei uns nie zu 100% zünden. Nachdem aber vermehrt Freunde sich während der Studiophase für u.a.
diesen Song eingesetzt haben und uns schon für bescheuert erklärten, wenn wir in nicht mit aufs Album nehmen würden, haben wir uns dazu
entschlossen, ihn mit als Bonus draufzupacken.

Zwei Stücke von dir (Chris) wurden zusammen mit jemandem namens Faderhead geschrieben. Wer oder was steckt dahinter?

Chris: Faderhead ist inzwischen ein sehr bekannter Künstler aus dem eher elektronischen Sektor und ein ganz alter Freund von mir. Er kommt ursprünglich aus meiner Gegend, lebt aber schon seit Ewigkeiten in Hamburg und wir hatten früher eine ziemlich coole Metalband namens SYBIAN zusammen. Ich schätze ihn als sehr guten Songschreiber und er ist auch in Produktionsdingen sehr fit. Ich brauchte zu Beginn des Texte-Schreibens ein bisschen Feedback, da ich mir nicht ganz sicher war ob alles in die richtige Richtung geht. Deshalb bin ich im Sommer vor den Aufnahmen für ein Wochenende zu ihm nach Hamburg gefahren. Er hat dann die Songs angehört hat mir Tipps zu den Songs gegeben und wir haben ein paar grobe Demos gebastelt. Im Prinzip haben wir das ganze Wochenende bei 40 Grad im 4. Stock in seiner Wohnung gesessen (beide in der Unnerbuxe), gesoffen wie die Löcher und Spaß für 10 gehabt. Am Ende entstanden aus dieser alkoholgeschwängerten Konstellation die Texte und ein Teil der Gesangsideen zu „Fuel The Warmachine“ und „Motor Discipline“ mit ihm zusammen…. Lasst euch nicht täuschen, Faderhead ist zwar ein Electro-EBM-Mann aber ein beinharter Rock ’n‘ Roller, wie er im Buche steht…

Und wie habt ihr Kontakt zu Björn Goosses (THE VERY END, NIGHT IN GALES) aufgebaut, der Chris beim Gesang unterstützt?

Roman: Oh, das ist relativ einfach. Björn ist schon lange ein Kumpel von Chris und der Band, außerdem singt er schon seit geraumer Zeit bei Livegigs mit seiner Anwesenheit immer „The Howling“ mit. Zusätzlich hat er das Coverartwork zu „Wheels Of Purgatory“ erstellt. Wie du siehst, kennt man sich schon ne ganze Weile. Bei einem Song wollten wir uns halt Verstärkung in Form eines Gastsängers holen, und da lag es nun mehr als Nahe den Björn dazu zu verpflichten. Außerdem passt der Gesang beider Sänger super zu dem Song.

Achim Kaiser, euer Haus und Hof-Produzent, zeichnet sich mal wieder für den Sound auf dem Album verantwortlich. Dieses Mal hat er allerdings die Wucht der Gitarren etwas in den Hintergrund gerückt, dafür kommt der Gesang stärker hervor und der Bass kommt an vielen Stellen auch mit mehr Schmackes aus den Boxen. Wolltet ihr gezielt eine Veränderung des Sounds oder ist das eher zufällig geschehen?

Guido: Das der Sound diesmal etwas aufgeräumter klingt liegt eher nicht an Achim Kaiser, der diesmal seine Arbeit genauso akribisch wie auf den
beiden Vorgängeralben gemacht hat, sondern eher am Mastern. Wir wollten diesmal nicht diesen total aufgerissenen und übersteuerten Sound.
Genau wie das Songwriting diesmal etwas überlegter ist, wurde auch der Gesamtsound etwas verfeinert. Beim Gitarrensound setzten wir diesmal rein
auf Marshall Verstärker…man hört genau die Amps, die wir auch live spielen. Da weiß jeder, was er live um die Ohren geballert bekommt!

Mit Drakkar als neues Label habt ihr nun einen starken Partner im Rücken. Welche Hoffnungen habt ihr in diesem Zusammenhang?

Chris: Also wir sind zunächst mal ganz happy inzwischen bei Drakkar zu sein, es ist eine sehr familiäre Atmosphäre bei den Wittenern. Und natürlich haben die im Gegensatz zu unserem alten Label einfach mehr Möglichkeiten. Natürlich hoffen wir, dass es für MOTORJESUS dadurch jetzt noch ein bisschen weiter voran geht und wir irgendwann wie AC/DC im Rock Olymp ankommen (lacht). Bis dahin beschränken wir uns aber darauf weiterhin einfach gute Platten zu machen, Spaß zu haben und zu rocken.

Klasse ist ja, dass das Album auch auf Vinyl zu haben ist. Kam die Idee von euch? Seid ihr Vinylliebhaber?

Guido: Ein ganz klares JA! Einige von uns erinnern sich auch noch gerne an die Zeit zurück, als man in den Plattenladen gegangen ist und sich die
neusten Scheiben sich nach dem Plattencover gekauft hat und diese dann ganz aufgeregt Zuhause das erste Mal auf den Plattenteller gelegt hat…
Manchmal wurde man enttäuscht, aber meistens hat diese Formel dann doch gezündet und die Platte steht noch immer im heimischen Plattenschatz. Dass
„Wheels of Purgatory“ als limitiertes Vinyl erscheint (inkl.CD), war wirklich das größte Geschenk das Drakkar uns zu Weihnachten machen
konnte! Vielen Dank noch mal!

Ihr hattet vor einiger Zeit einen Gastauftritt auf dem RUNNING WILD Tribute-Sampler mit dem Song „The Rivalry“. Warum habt ihr euch genau diesen Track ausgesucht?

Chris: Eigentlich hab ich meine Bandkollegas genervt mit dem Track, ich persönlich fand „The Rivalry“ immer einen der stärksten RUNNING WILD-Songs der 90er Ära… Wir wurden gefragt, ob wir eben für diese Ära einen Song beisteuern wollten, da der Sampler mit allen 80er Krachern schon einige Zeit zuvor erschienen war. Jetzt sollte ein neuer RUNNING WILD Tribute-Sampler entstehen. Während der Entstehungsphase holte Rock ’n‘ Rolf allerdings die Segel ein, weshalb der Sampler dann doch alle Klassiker seines Schaffens berücksichtigen sollte. Da waren wir dann aber schon fertig mit „The Rivalry“ und haben den dann auch genommen… Ist jetzt nicht unser bestes Cover aber es war trotzdem alles zusammen ne lustige Aktion und wir hätten freien Eintritt zu jedem RUNNING WILD-Konzert, wenn es die denn noch geben würde…. Rolf du schuldest uns was….

Den Ruf einer starken Liveband habt ihr euch mittlerweile hart erarbeitet. Gibt es schon Pläne für eine Tour oder Gigs in 2011?

Guido: Ja, die gibt es natürlich…da ist zurzeit einiges in der Planung und es wird sicherlich die ein oder andere Überraschung dabei sein. Lasst
euch überraschen… Wir freuen uns bereits jetzt bald wieder live zuschlagen zu dürfen!

Jungs, danke für das Interview. Die letzten Worte gehören euch!

Chris: Ja wir haben zu danken, lieber Ingo und nen dicken Gruss an alle Metal.de Leser, denn ich gehör auch zu denen, die täglich ihre News bei Metal.de gucken müssen. Sonst is der Tach im Arsch, kein Scheiss.

Und wir hoffen ihr legt mal ein Ohr an „Wheels of Purgatory“. Wenn ihr Bock auf ehrlichen handgemachten Rock ’n‘ Roll mit Metal-Kante habt, ohne Faxen und überproduziertem Pipifax dann könnte das evtl. was für euch sein… Einfach mal bei www.motorjesus.net vorbeischauen… Pommesgabel hoch!

Galerie mit 26 Bildern: Motorjesus - Race To Resurrection Tour 2019 in Siegburg
29.12.2010

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