
The Ocean
Die Macht des Zufalls
Interview
Ja, gehen wir mal zum Album selbst über. Es heißt oder es hieß irgend an einer Passage der Presseinfo, dass der Titel angelehnt sei an den gleichnamigen Film von Andrei Tarkowski. Aber das Album selbst ist keine Nacherzählung dessen, sondern basiert ja mehr lose auf schätze mal, ins Futuristische adaptierte Erfahrungsberichte von historischen Seefahrern, wenn ich das richtig verstanden habe.
Oh ja, das ist alles richtig. Ja, es ist jetzt natürlich ein relativ weiter Bogen, der dazu spannend ist, irgendwie. Also alles ist richtig, das Album heißt „Solaris“, das ist angelehnt an den tatsächlich den Film von Tarkowski, nicht die Romanvorlage von Lem. Mein Zugang war über den Film. Ich bin seit jeher großer Takowski-Fan und wollte schon seit langer Zeit ein Album machen, was irgendwie an den Film angelehnt ist, auf eine Art und Weise. Und es hat sich halt ergeben, dass diese Connection zum Vorgängeralbum „Holocene“ sich halt relativ plötzlich erschloss, wiederum spontan, vielleicht auch zufällig. Mir war halt klar, dass mit „Holocene“ dieses Erdzeitalterliche, diese zeitalterliche Konzeptalbenreihe abgeschlossen ist. Eigentlich sollte „Holocene“, wie gesagt, gar nicht passieren und dass jetzt was anderes passieren musste.
Und dann ist es halt so gewesen, der letzte Song von „Holocene“, „Subatlantic“, zeichnet halt diese Vision einer unbewohnbar gewordenen Erde durch Naturkatastrophen, Klimawandel und Raubbau an der Natur und eine Gruppe von Menschen, die sich ins All aufmacht, um neue Lebensrealitäten zu schaffen oder zu finden. Das war so quasi der der Gedanke des letzten Songs und da ist eben auch die Textzeile drin „Prepare for Departure“ und dann hatte der Philipp Janta diese Illustration gemacht von dem Schiff, was aus den Fluten aufsteigt, was jetzt im Gatefold des Albums gelandet ist. Und als ich das sah, hab ich zu ihm gesagt, da muss „Prepare for Departure“ drunter, diese Zeile aus „Subatlantic“.
Und dann wurde mir auch relativ schnell klar, also es war ungefähr zum Zeitpunkt des Hellfests letztes Jahr, dass das irgendwie ein zentrales Thema fürs neue Album sein wird, weil es ist ja ein Aufbruch-Album mit neuem Lineup für uns und gewissermaßen wollte ich das auch konzeptionell entsprechend umsetzen und auch, dass das Album eben auch auf der Ebene einen Aufbruch darstellt und da war diese Illustration einfach unheimlich passend und das war quasi so der erste, das erste Element, was da war, war tatsächlich diese Zeichnung von diesem Schiff und diese Textzeile „Prepare for Departure“. So und dann war da „Solaris“, den Film, den ich seit langer Zeit kenne und wahrscheinlich so oft gesehen hab wie keinen anderen Film.
Und dann wurd mir irgendwie relativ schnell klar, dass dieses neue Album eine Reisegeschichte werden soll, wobei „Solaris“ halt eher so die klassische Utopie verkörpert, also das unbekannte Wunschziel, wohin man trachtet, gewissermaßen. Und darüber bin ich dann gelandet, also auch über den Gedanken, dass irgendwie eine Schiffsreise erzählen zu wollen, bin ich dann bei den historischen Entdeckern gelandet und ihren Tagebüchern. Das war ganz spannend, diese diese Parallelen zu sehen zwischen diesen Berichten, die irgendwie immer die gleichen Geschichten erzählten. Das waren alles immer weiße Europäer, die aufgebrochen sind mit ursprünglich ehrbaren Motiven und dann aber am Ende resultierte das Ganze in Kolonialisierung, der Unterdrückung und „Verwestlichung“ von Kulturen, die die eigentlich gar nicht haben wollten.
Und es war irgendwie immer das Gleiche bei rausgekommen. Da habe ich dann angefangen darüber nachzudenken, was uns selbst als Künstler mit diesen Entdeckern verbindet, weil als Künstler empfindet man sich ja selber auch als Entdecker. Wir wollen auch Neuland finden, wir wollen neue Ausdrucksformen erschließen und Dinge machen, die so niemand zuvor gemacht hat, idealerweise. Und insofern teilen wir diese explorative Disposition oder dieses Mindset, glaube ich, mit diesen Entdeckern und gleichzeitig, wenn man sich dann vor Augen führt, wie diese Geschichten geendet haben, dann stellt sich halt die Frage, ob es da vielleicht auch Parallelen gibt. Neugier im Deutschen, da steckt ja auch das Wort Gier drin, irgendwie auf Englisch ist das bei Curiosity, glaube ich, nicht so negativ behaftet oder befleckt und eigentlich ist sowas wie Neugier etwas, mit dem wir uns als Künstler brüsten.
Das wollen wir alle. Und da stellt sich dann halt die Frage: Ist das tatsächlich so unschuldig, wie der Begriff im Englischen ist, oder ist die deutsche Gier da vielleicht doch ein wichtiger Bestandteil des Wortes irgendwie? Das sind halt so die Fragen, die sich dann auftaten und ist, glaube ich, ganz typisch für ein THE OCEAN-Album. Also da ist am Anfang immer ein gewisser Gedanke, in welche Richtung das gehen soll, aber das Konzept entwickelt sich auch im Laufe des Schreibens der einzelnen Songs, Texte und des Drübernachdenkens und das ist hier halt auch so gewesen. Also am Anfang war alles viel mehr an „Solaris“, den Film, angelehnt als am Ende und das ist aber auch ein sehr wichtiger Prozess, finde ich.
Also dass man sich erlaubt, auch von diesem ursprünglichen Gedanken bewusst abzuweichen und Dinge passieren zu lassen, weil dasbei kreativen Arbeiten ungeheuer wichtig ist, dass man sich selbst da keine Vorschriften macht und dann sagt: „Oh, das passt jetzt aber nicht rein“. Wenn da gewisse Gedanken oder Verweise aufkommen, dann ist es doch wunderbar, denen auch nachzugehen und zu gucken, wo das Ganze hinführt. Und ja, am Ende ist das Resultat halt so zwei ineinander verwobene Narrative. Es ist halt einmal die die Geschichte der Explorer, der Entdecker und zum anderen „Solaris“, der Film, auf den immer noch sehr viel Bezug genommen wird.
Wir haben viele Textpassagen auch aus den Subtitles des Films direkt in die Songs übernommen, zum Teil. Und im Booklet des Albums, der Special Edition, die wirklich auch als Buch erscheint, ist das Ganze vermengt durch einen historischen Reisebericht von William Barrons. Das ist der Mann gewesen, der die Barronssee nördlich von Russland entdeckt hat und der hat ein ungeheuer spannendes Reisetagebuch hinterlassen aus dem 16. / 17. Jahrhundert und wir haben den Text, der ist Public Domain, den haben wir komplett abgedruckt in dem Booklet, aber für unsere Zwecke verändert, also Personen und Orte gezielt verändert und das Ganze ist gespickt mit Zitaten aus dem „Solaris“-Film, bezogen auf die einzelnen Passagen. Also da ist das Ganze dann wieder zusammengekommen, letztendlich.
Galerie mit 19 Bildern: The Ocean- Summer Breeze Open Air 2024

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| Band | |
|---|---|
| Stile | Experimental, Post-Metal, Progressive Metal |
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Michael
































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