Withered
Interview mit Sänger Faun zu "The Midnight Gate"

Interview

Qualitativ hochwertiger Black Metal aus Island? Kein Problem! WITHERED zeigen dem Sensemann, was eine Harke ist und der Szene, wie man es zu machen hat. Zum bisher einzigen Album „The Midnight Gate“ und zum ungewissen Status der Band, gab mir Sänger Faun bereitwillig Auskunft. Zudem erwies er sich als aufgeschlossener und freundlicher Gesprächspartner mit vorbildlicher Meinung zur Szene und dem ganzen Drumherum.

Withered

Hi Faun, nachdem ich mir euer Album besorgt habe, rotiert das Teil nun ziemlich häufig in meinem Player und begeistert mich nachhaltig. Wenn man bedenkt, dass „The Midnight Gate“ euer Debüt ist, habt ihr ganz gewaltig einen vorgelegt. Hut ab!
Bevor wir aber auf das Album zu sprechen kommen, habe ich erstmal ein anderes Anliegen. Erst höre ich, dass WITHERED eigentlich bereits wieder Geschichte sind und dann erfahre ich von dir, dass es andererseits doch noch Hoffnung gibt. Bring doch bitte mal Licht in das Dunkel.

Wir haben das Album 2004 fertig gestellt, veröffentlicht wurde es dann 2006, deshalb haben wir vielleicht ein bißchen das Ziel vor Augen verloren. Drei von uns haben ATRUM aus der Taufe gehoben und uns dauerhaft von Sarn Athrad (Bass) getrennt. Als das Album endlich draußen war, hat uns dass wieder einen kleinen Kick gegeben. Wir trafen uns wieder zum Proben und spielten einen Gig im Januar. Weil wir nicht sonderlich Lust drauf haben, ständig die gleichen Songs für die kleine Szene in Island zu spielen, sind WITHERED ein bißchen aus der Form geraten.

Ist es eigentlich schwer, in Island neue Musiker für derart harschen Black Metal zu finden, oder laufen da bei euch nur düstere Gestalten rum? Wie gut ist die Szene mit guten Musikern und potentiellem Nachwuchs bestückt?

Das kommt drauf an, wonach du suchst. Wirklich interessante Black Metal Bands gibt es wenig, aber dazu zählen Curse, Fortíð und Svartidauði. Abgesehen davon entwachsen gerade ein paar Death- und Extreme Metal Bands ihren Kinderschuhen.

Gibt es eigentlich eine Art Verbundenheit zur europäischen Szene? Ihr seid ja nicht mal eben so nebenan. Gibt es Kontakte zwischen dir und vielleicht skandinavischen Bands?

Über die Jahre hinweg haben uns Zines, Label und Bands aus der ganzen Welt angeschrieben, die meisten davon aus Mitteleuropa, weshalb wir dort ein paar Kontakte haben. Unsere musikalischen Verbündeten befinden sich vorwiegend in Deutschland, Türkei und Belgien und hier in der Gegend. Viele von ihnen haben uns ihre Hilfe zwecks Promotion und Vertrieb angeboten, aber was das Touren im Ausland betrifft, hocken wir finanziell einfach auf dem Trockenen. Es war vielleicht nicht gerade clever, das Album hier in Island zu veröffentlichen, weil es dadurch für Europäer (und den Rest der Welt) ziemlich schwer wird, an ein Exemplar zu gelangen.

Wie bewertest du denn das Geschehen in der Szene in letzter Zeit? Kann man das alles überhaupt noch ernst nehmen, oder ist Black Metal nach wie vor eine starke Macht in der musikalischen Welt? Ich meine, eine gewisse Kommerzialisierung hat sich ja doch bereits eingeschlichen, wenngleich man Black Metal im Allgemeinen natürlich nicht wirklich als Massenkompatibel einstufen kann.

Ich denke man kann Black Metal nach wie vor ernst nehmen, auch wenn er mittlerweile seinen einstigen Schockfaktor (Kirchenbrände, etc.) verloren hat. Heutzutage ist es für Außenstehende glaube ich schockierender, dass auch gebildete und intelligente Leute, gute Musiker und Künstler zu dieser Szene gehören. Es gibt hunderte von Underground Bands, die von sich behaupten, nicht kommerziell zu sein, aber gibt es überhaupt etwas nicht-kommerzielles? Es ist meiner Meinung nach sinnlos, wehmütig auf die Vergangenheit zu blicken und zu versuchen, die Atmosphäre von einst wiederzubeleben. Große Bands wie MAYHEM, KEEP OF KALESSIN und GORGOROTH heben den Black Metal aus meiner Sicht auf ein neues Level, und wir können uns wohl darüber einig sein, dass man ihre Musik heutzutage nicht mit dem früheren Material vergleichen kann. Aber sie schaffen es dennoch, das Feeling dafür einzufangen. Deswegen denke ich auch, dass Black Metal nach wie vor eine Zukunft hat.

Wie siehst du den Erfolg von Bands wie DIMMU BORGIR oder CRADLE OF FILTH? Sie wurden ja mal dem Black Metal zugeordnet, was man heute nicht mehr wirklich von diesen Bands behaupten kann. Ist DAS kommerzieller Black Metal oder hat ihre Musik mit der schwarzen Kunst nichts mehr zu tun?

Beide Bands haben in der Vergangenheit großen Einfluß auf mich ausgeübt, die frühen Alben sind wahre Klassiker. Ich höre DIMMU BORGIR auch heute noch, auch wenn sie nicht mehr zu meinen Favoriten zählen, doch sie veröffentlichen immer noch gute Musik. Natürlich sind diese Bands tief im Black Metal verwurzelt, und mir tun ehrlich gesagt all die Leute leid, die ihre Zeit damit verschwenden, diese Bands runterzumachen, weil sie ja nicht mehr „trve“ genug seien, oder weiß der Geier. Jede Band, jeder Mensch entwickelt sich in seinem Leben weiter, also warum sollte es einen kratzen, wenn sie sich für einen anderen Pfad entscheiden, als man es sich von ihnen gewünscht hätte? Bezeichnungen sind doch nur Schall und Rauch, deshalb kümmere ich mich da nicht weiter drum. Wenn du die Musik kennst, brauchst du keine Schubladen, die dir weismachen wollen, wie sie klingt.

…und wie steht es mit „alten Helden“ wie DARKTHRONE; die nun eher rockig als düster sind und ihre gesamte Vermarktung in eine (wie ich finde) ziemlich lächerliche Richtung lenken. Kann man denn Bands wie DARKTHRONE und SATYRICON musikalisch überhaupt noch ernst nehmen in Bezug auf Black Metal?

Klar, die Leute hören es und kaufen es. Abgesehen von ihren ersten Werken hab ich diese Bands in ihrem Weg nicht weiter verfolgt, und sie wecken auch nicht unbedingt Neugier in mir. Das Schlimmste ist, wenn die momentane Entwicklung in Richtung Stagnation geht. DARKTHRONE machen zumindest das, was sie wollen, und klar, ihre Vermarktung wirft eine Menge Fragen auf, auf die ich aber auch keine Antworten weiß.

Bands wie WITHERED geben sich Mühe, die Fahne hoch zu halten und andere treten ihre Wurzeln mit Füßen…
Betrachtet man die Entwicklung des Black Metals mal einigermaßen objektiv (falls das überhaupt geht), fällt ganz klar auf, dass immer mehr genrefremde Einflüsse Einzug halten. Wenn ich das Beispiel der vier oben genannten Bands noch einmal aufgreife, DIMMU BORGIR, CRADLE OF FILTH, DARKTHRONE und SAYTRICON, ist es schon erstaunlich, dass gerade sie solchen Erfolg haben, wie auch immer wir das persönlich sehen, man kann aber nicht abstreiten, dass sie Erfolg haben mit dem, was sie machen. Hast du eine Idee, warum das so ist? Warum haben diese Bands mehr Erfolg als z.B. WITHERED? Liegt es nur an der Promotion durch größere Labels oder weil sie vielleicht (rein musikalisch) mutiger sind?

Ja, dieser Erfolg kann ihnen nicht genommen werden, und sie haben ihn sich auch verdient. Aber ich habe schon lange damit aufgehört, Black Metal als etwas gesondertes zu betrachten, für mich ist es halt eine Musikrichtung wie jede andere auch. Die sogenannte „Szene“ erscheint mir eher wie ein Haufen Kids, die sich den Kopf darüber zerbrechen, ob sie „kvlt“ und „trve“ sind, anstatt sich Gedanken über die Musik und deren Atmosphäre zu machen; sie versuchen einem Musikstil Regeln überzustülpen, der von den Bands ins Leben gerufen wurde, auf die sie heute verbal einschlagen. Ich glaube, dass Geheimnis des Erfolges dieser Bands ist es, dass sie es geschafft haben, sich rechtzeitig vom Hype, von der „Szene“ abzusetzen und ihren eigenen Weg zu gehen. Und natürlich sind diese Bands auch schon seit Jahren im Geschäft, weshalb es nicht verwunderlich ist, warum WITHERED ein viel kleineres Licht sind.
Promotion ist natürlich sehr wichtig, wenn nicht das Wichtigste, aber ich denke, dass „The Midnight Gate“ selbst mit aller Promotion der Welt kein Bestseller werden würde. Bands wie DIMMU BORGIR bedienen eine viel größere Zielgruppe, als wir. Ich glaube, dass ist auch das Beste an ihnen – sie führen mehr und mehr Fans an den Black Metal heran.

Woher beziehen sich die Einflüsse auf „The Midnight Gate“ im Einzelnen? Hattet ihr Vorbilder, bzw. wusstet ihr, als ihr die Scheibe eingespielt habt, wie sie klingen sollte? Was inspirierte euch dazu, die Musik exakt so klingen zu lassen? Spielt Satanismus dabei eine große Rolle?

Um ein paar Einflüsse zu nennen: EMPEROR, MAYHEM, BEHEMOTH (die mittlere Ära), frühe DARKTHRONE und so weiter. Es sind keine richtigen Idole, wohl eher ein Potpourri der Einflüsse. Wir hatten keine klare Vorstellung davon, wie das Album klingen sollte, wir spielten einfach drauf los und so entwickelte sich der Sound, der sehr gut zur Musik passt, wie ich finde. Satanismus spielt darin keine Rolle, und wir betrachten uns selbst nicht als Teil irgendeiner satanischen Sekte – wir sind wir, unsere eigenen Götter.

Sofort ins Auge gestochen ist mir der sehr wummernde Bass-Sound des Albums. Besonders bei den ganz schnellen Passagen wird die extrem tiefe Bassdrum zu einem regelrechten Erdbeben. War das so gewollt oder ist das eher das Resultat „der ersten Produktion“?

Es war uns sehr wichtig, dass alles ein großes Ganzes ergibt. Nicht einfach zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug, sondern ein ganzes musikalisches Erlebnis. Das Album hat einen vom Widerhall geprägten Sound, der sehr gut geworden ist, und alles ziemlich explosiv gemacht hat – nicht unbedingt geeignet für jede Anlage und jedes Ohr.

Der Sound von „The Midnight Gate“ ist relativ gut und vollmundig für Black-Metal-Verhältnisse. Hattet ihr keine Bedenken, dass ihr als neumodische Band abgeschoben werdet? Es gibt ja leider immer noch den harten Kern an Black Metallern, die meinen, dass ein ordentliches Album keine „gute“ Produktion haben darf…

Ja, diese Leute sind ein Fluch für den Black Metal. Das wichtigste ist für mich, dass der Sound zur Musik passt. Eine beschissene Produktion macht auch die Musik beschissen. Man muß die Produktion als Werkzeug nutzen, um die Musik damit zu verfeinern. Eine neumodische Band? Ich weiß nicht, was daran schlimm sein soll. Wir sind „modern“, und versuchen nicht, nostalgisch zu werden – es ist einfach unsere Musik, so einfach ist das.

Umgehauen haben mich auch deine extrem fiesen und somit genialen Vocals. In Kombination mit der ebenso extremen Musik ein wahrliches Freudenfest. „The Midnight Gate“ ist zu keiner Sekunde auch nur ansatzweise langweilig oder als zweitklassig zu beschreiben. Alles passt wunderbar zusammen und erfüllt bei mir als Hörer genau den Anspruch, den ich von einem Black-Metal-Album erwarte. Dunkle Musik mit viel hasserfüllter Atmosphäre. Derartige Qualität darf nicht im Sande verlaufen! Ganz klar, dass ein weiteres Album her muss, nicht wahr!? 😉

Es gibt für mich keine Zweifel, dass es ein neues Album geben wird. Wir werden aber auf keinen Fall mit Demos um uns werfen, oder alle sechs Monate Splits und anderen Kram veröffentlichen, nur weil das scheinbar Tradition im Underground hat. Unsere nächste Veröffentlichung wird ein vollkommenes Werk sein, welches einfach nur das Beste vom Besten in sich vereinen soll, mehr nicht.

Stichwort Live. Ihr habt eine Show im Januar gespielt. Werden weitere folgen? Sollten wir in Deutschland doch noch die Gelegenheit bekommen, eure Musik live erleben zu dürfen?

Es wird hoffentlich weitere Shows geben, aber die Live-Szene in Island ist ziemlich klein, und WITHERED sind auch nicht unbedingt die Art von Band, die einfach auf die Bühne springt, nachdem eine andere Metalband mit ihrem Teil fertig ist, und dann eine Wahnsinnsperformance abliefert. So ein Auftritt muß ein Erlebnis werden. Unsere Show im Januar war genau darauf ausgelegt, die Musik bestmöglich zu präsentieren, und bei den Zuhörern einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Wir würden sehr gern in Deutschland und auch woanders spielen, aber die Finanzierung und Planung sind für uns eine unüberwindbare Hürde, solange wir kein starkes Label im Rücken haben.

So, nun raus mit der Sprache: Wie stehen denn deiner Meinung nach die Chancen, dass es wirklich weiter geht mit WITHERED?

Die Band befindet sich zur Zeit auf Eis, wenn man das so sagen kann, und entwickelt sich momentan nur in unseren Köpfen. Wir sind momentan mit anderen Projekten beschäftigt, und sehen keinen Sinn darin, den alten Kram zu proben, den wir schon zu 100% auswendig kennen. Wir werden sehen was die Zukunft bringt, und wie unser Album bei den Leuten ankommt.

Welche aus Island stammende Band, bzw. Künstler sollte man eigentlich noch kennen, außer WITHERED und BJÖRK (scherz)? Hast du ein paar Empfehlungen?

Die Bands, die ich für erwähnenswert halte, sind: Atrum, Diabolus, Momentum, Curse, Fortíð, Potentiam, Sólstafir, Sign, Severed Crotch, Changer, Svartidauði…

Erzähl bitte etwas über dein zweites (oder gibt es noch mehr?) Betätigungsfeld ATRUM. Was und wann können wir da etwas erwarten?

Während wir darauf gewartet haben, dass unser Album endlich rauskommt, haben wir mit ATRUM angefangen, was momentan höchste Priorität bei mir hat. Wir spielen extremen Metal (Death/Black) und werden in den nächsten Monaten einige Gigs spielen. Es soll bald eine 5-Track-Promo erscheinen, um damit bei den Plattenfirmen vorzusprechen. Näheres erfahrt ihr unter http://www.myspace.com/atrumiceland

Ich danke dir Faun, für das Beantworten meiner Fragen. Sobald du/ihr was Neues am Start habt, gebt bitte Bescheid und wir sprechen uns wieder, OK?! Hau rein…

Danke für dieses Interview und deinen Support. Ich bin schon gespannt, was du zu unserem zukünftigen Material zu sagen hast. Alles Gute für dich!
An alle, die sich für unser Album „The Midnight Gate“ interessieren: Schreibt an sigarni@gmail.com bzw. schaut mal bei www.myspace.com/thewitheredice vorbei. Cheers!

24.04.2007

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