Hellfest
Der große Festivalbericht – Hellfest 2013

Konzertbericht

Billing: At The Gates, Carpathian Forest, Danzig, Down, Immortal, Kiss, Manilla Road, Moonspell, My Dying Bride und Neurosis
Konzert vom 21.06.2013 | , Clisson

Hellfest

Etwa 160 Künstler an drei Tagen auf sechs Bühnen, von denen drei stets gleichzeitig bespielt werden. Das zwingt mitunter zu grausamen Entscheidungen: TWISTED SISTER oder doch CEREMONIAL OATH? AT THE GATES oder HELLOWEEN? NEUROSIS oder DEF LEPPARD? Es gab wahrscheinlich kaum jemanden unter den etwa 40.000 Besuchern, der sich beim Überangebot an Bands, für das das Hellfest seit 2006 in zunehmendem Maße bekannt ist, nicht einer solch kniffligen Wahl stellen musste.

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Zwar waren die äußeren Voraussetzungen über das gesamte Wochenende mit tagsüber 18° bis 21° temperaturtechnisch erträglich, doch der penetrant-nervige Wind im relativ küstennahen westfranzösischen Clisson blies schnell und beinahe ständig neue Wolkenfelder vor die Sonne, aus denen sich mehrfach täglich kleine bis mittelschwere Schauer ergossen. Die zeltenden Horden – zu 95 Prozent mit Auto oder Bahn angereist, nur wenige waren ins nahe Nantes eingeflogen und von dort mit den reibungslos funktionierenden Flughafen-Shuttles gekommen – freilich ließen sich davon nicht den Spaß verderben. Aus dem nur wenige hundert Meter entffernten, riesigen Leclerc-Supermarkt wurden Unmengen an fester und vor allem flüssiger Verpflegung sowie hier und da noch fehlende Camping-Ausrüstung herangekarrt. So konnte es also beginnen …

Freitag, 21.06.2013

Als eine der ersten Formationen des diesjährigen Hellfests gingen auf der „The Temple“-Zeltbühne THE GREAT OLD ONES aus Frankreich an den Start. Der Noch-Geheimtipp hatte es vor heimischem Publikum leicht, aber der von markerschütterndem Geschrei nach vorne gepeitschte (Post-)Black Metal der kurzhaarigen Vier im Fahrwasser von WOLVES IN THE THRONE ROOM oder ALTAR OF PLAGUES des 2012er-Debüts „Al Azif“ bereite auch den Nicht-Franzosen Kurzweil. Kurz, aber erinnerungswürdig; die darf man im Auge behalten und ein größerer Popularitätsschub in den kommenden ein, zwei Jahren ist nicht unwahrscheinlich.

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Gegen Mittag betraten HOODED MENACE die sich im gleichen Riesenzelt befindliche, um etwa 90 Grad versetzte „The Altar“-Bühne, die hauptsächlich den Death-Metal-Kommandos vorbehalten war. Das durchweg in schwarze Kapuzenpullis gekleidete finnische Quartett überrollte mit seinem ruppigen Death/Doom Metal, bedachte bei 40 Minuten Spielzeit alle bisherigen drei Alben. Einzig das zu leise abgemischte Gegrunze von Frontmann Lasse Pyykkö schmälerte die gelungene und sympathische Darbietung ein wenig, die auch von den schon recht zahlreich versammelten Zuhörern honoriert wurde.

Setlist HOODED MENACE:
01.) Night Of The Deathcult
02.) Effigies Of Evil
03.) Fulfill The Curse
04.) Curses Scribed In Gore
05.) The House Of Hammer

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Weniger überzeugen konnten an gleicher Stelle im Anschluss die US-Größen EVOKEN. Zu statisch standen die Herren auf der Bühne herum, zu wenig Seele legte John Paradiso in seinen Gesang aus dem Abgrund. Das nahm dem auf Platte so mächtig-trostlosem Funeral Doom die destruktive Kraft. Da passte es ins mäßige Bild, das sie das flotte, Doublebass-unterlegte Finale ihres vielleicht besten Todeskriechers „Tending The Dire Hatred“ einfach kappten. Die zwei Minuten hätte man ihnen sicherlich noch gewährt.

Mit CEREMONIAL OATH gab es am Abend dann ein echtes Schmankerl für alle Freunde des gepflegten melodischen Schwedentods. Nach zwei Alben – darunter die jüngst von Century Media neu aufgelegte 93er-Genre-Perle „The Book Of Truth“ – hatte man sich 1996 aufgelöst und 2012 nach mehr als eineinhalb Dekaden wieder formiert. Die längere Pause merkte man den Herren um Ex-HAMMERFALL- und IN FLAMES-Mucker Jesper Strömblad sowie den HAMMERFALL-Gitarristen Oskar Dronjak während der ersten Melo-Death-Brecher noch etwas an, doch zunehmend löste sich die Anspannung. Spielfreude trat an deren Stelle.  Als dann am Ende eines überraschend guten Auftritts, bei dem man das bereits angesprochene „The Book Of Truth“-Debüt in Gänze herunterzockte, Tomas Lindberg von AT THE GATES für den GROTESQUE-Klassiker „Submit To Death“ ein Stelldichein gab, war dies natürlich das Tüpfelchen auf dem i.

Direkt im Anschluss wieder rüber zur „The Temple“. Hier sollten CARPATHIAN FOREST die Puppen beziehungsweise ihre „Carpathian Dancers“ tanzen lassen. Die Norweger, die sich in den letzten Jahren leibhaftig etwas rarer gemacht hatten, traten erwartungsgemäß in voller Montur – Corpsepaint, Patronengurte und Nieten –, aber ohne halbnacktes Beiwerk vor die große, annähernd das komplette Zelt füllende Meute. Und auch wenn CARPATHIAN FOREST noch nicht so sehr zur Parodie verkommen sind wie ihre Landsmänner von IMMORTAL (siehe Samstag), wollte einem der Terminus „Party-Black-Metal“ während des einstündigen Geprügels nicht aus dem Sinn gehen. Passenderweise verzichteten die Fünf um den mit Antikreuz wild herumfuchtelnden SM-Freund Nattefrost auf Material ihres frühen Opus Magnum „Through Chasm, Caves And Titan Woods“ und bis auf das Titellied sogar auf jenes des 1998er-Debüts „Black Shining Leather“. Soviel Ernsthaftigkeit hätte irgendwie auch nicht gepasst.

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Der Überraschungseffekt, den CEREMONIAL OATH eine Stunde zuvor noch auf ihrer Seite hatten, fehlte AT THE GATES mittlerweile. Was 2008 auf den ersten Reunion-Konzerten noch total mitriss, gestaltet sich anno 2013 leider als eine gutklassige, aber beinahe komplett vorhersehbare Angelegenheit. Mit „Captor Of Sin“ fand sich zwar aus aktuellem Anlass ein SLAYER-Lied neu in der Setlist, die aber ansonsten mehr oder weniger das bot, was man innerhalb der letzten fünf Jahre auf diversen Bühnen rund um den Globus belauschen konnte. Leider legte man zudem einen deutlichen Schwerpunkt auf „Slaughter Of The Soul“ – das letzte und schwächste AT THE GATES-Werk. Die ersten drei Scheiben der Göteborg-Pioniere wurden mit lediglich ein bis zwei Auszügen abgespeist; immerhin befand sich das göttliche „Windows“ darunter. Vielleicht sollte man die Live-Aktivitäten nach diesem Sommer drangeben und würdig, mit einem Resthauch von Exklusivität, abtreten.

Setlist AT THE GATES:
01.) Slaughter of the Soul
02.) Cold
03.) The Swarm
04.) Terminal Spirit Disease
05.) Raped By The Light Of Christ
06.) Suicide Nation
07.) Under A Serpent Sun
08.) Captor Of Sin (SLAYER-Cover)
09.) Windows
10.) World Of Lies
11.) All Life Ends
12.) Need
——
13.) Blinded By Fear
14.) Nausea
15.) Kingdom Gone

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Im Dunkel der Freitagnacht entfaltete die mit Liebe zum Detail bedachten Aufbauten auf dem Festival erstmals in diesem Jahr ihren vollen Reiz: der rostige Hellfest-Logo-Baum, metallene Skulpturen oder die von Fackeln, Strahlern und diversen Bildern und Verzierungen aufgewerteten Getränke- und Merchandise-Buden. Doch es blieb kaum Zeit, diese Eindrücke aufzusaugen, denn als einer von mehreren Rausschmeißern des ersten Festival-Tages fungierten NEUROSIS im „The Valley“ genannten Zelt, das hauptsächlich von Doom-, Stoner- und Sludge-Kapellen bevölkert wurde. Und was sich über die letzten Platten der eigenständigen Kalifornier abzeichnet, machten auch diese nächtlichen 75 Minuten klar: NEUROSIS wüten nicht mehr so intensiv wie früher. Immerhin bedachten sie neben gleich vier Stücken vom 2012er-Werk „Honour Found In Decay“ sowie zweien von dessen Vorgänger „Given To The Rising“ auch die Spätneunziger-Klassiker „Through Silver In Blood“ und „Times Of Grace“ – „Eye“,“Locust Star“ und „Times Of Grace“ sorgten bei Anhängern des älteren Stoffes für Entzücken.

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05.07.2013

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2 Kommentare zu Hellfest - Der große Festivalbericht – Hellfest 2013

  1. Matthias sagt:

    „Slaughter Of The Soul“ die schwächste AT THE GATES? Ich glaub, dir muss mal jemand den Hintern versohlen 😉

  2. HeavyBastard sagt:

    Alter wo wo hast du denn gegessen? Das Essen auf dem Hellfest war mit Abstand das Beste Festival Essen überhaupt! selber Schuld wenn man Döner in Frankreich isst! An deiner Stelle wäre ich mal zum Argentinier(super viel und geniales Rindfleisch im Baguette oder auf dem Teller) oder hätte Ochs am Spies probiert, Brasilianische Kost war auch Klasse und man wurde satt!! Bei über 100 Fressständen kann man natürlich auch daneben greifen, aber die Deutschen rennen halt wie gewohnt zum Döner Mann oder Essen Asia Nudeln:( Hellfest, nach wie vor das Beste Metal Open Air aller Zeiten,dude. Meine Faves waren Red Fang(was ne Wucht), Morbid Angel(Klasse Auftritt),Symphony x(genius),Riverside,Aura Noir(bestes gesehenes Black Metal Konzert seit Jahren) Ghost(einzigartig) Witchcraft,Black Breath, Testament und Twisted fuckin Sister;)