Soulfly
live im Substage Karlsruhe

Konzertbericht

Billing: Incite, Lody Kong und Soulfly
Konzert vom 17.07.2013 | Substage, Karlsruhe

Soulfly

Bereits zum dritten Mal macht sich die Thrash / Groove- Legende Max Cavalera mit einem Großteil seiner Familie auf, um den Fans ein brachiales Tourpaket zu bieten. Diesmal mit SOULFLY, INCITE und LODY KONG. Passend zum zu erwartenden Dampfhammer, drückte das Wetter ordentlich in Karlsruhe und es herrschte eine widerliche schwülwarme Sommerhitze. Den Besucher schien das ziemlich gleichgültig zu sein, schon weit vor dem Einlass um 19 Uhr tummelten sich einige vor dem Karlsruher Substage. Die nebenan gelegene Punk Rock Kneipe „Alte Hackerei“ machte mit ihrem Biergarten natürlich auch einen Mordsumsatz an diesem Abend.

Die erste Band des Abends war LODY KONG, mit gleich zwei Söhnen aus dem Hause Cavalera im Line-Up. Während Zyon die Drums bearbeitete, versuchte sich Igor als Sänger und Gitarrist. Natürlich hört man hier und da die naheliegende Frage tuscheln „Würde uns das überhaupt interessieren, wenn die beiden nicht die Söhne von Max Cavalera wären?“. Eine überflüssige Frage, denn letztendlich ist es wie es ist, und LODY KONG boten einen erfrischenden Auftritt. Die Band bedient ein Genre, das eigentlich schon längst tot ist – den guten alten Grunge! Noch dazu mischen LODY KONG eine gehörige Portion Dreck in ihren Sound, sodass man das Ergebnis als Extreme Grunge beschreiben könnte. Runtergerotze Riffs, geschriene Vocals mit viel Schmerz und Wut und streckenweise sehr lange Instrumentalparts. Abgesehen davon, dass man darüber streiten kann ob das nun innovativ oder retro ist, bleibt nicht von der Hand zu weisen, dass die komplette Belegschaft von LODY KONG ordentlich Energie auf die Bühne brachten. Da wurde aus der tiefsten Seele gebangt und geschrien, sich auf dem Boden gewälzt und mehrere Versuche gestartet, das Publikum zu überzeugen. Die Songs sind nicht wirklich prägnant und unterscheiden sich auch noch nicht deutlich voneinander, aber man spürt den gewissen Willen, sich mit Musik auszudrücken. Letztendlich war der Auftritt also packend. Dass die beiden Juniors von ihrem Vater einiges gelernt hatten, war deutlich zu sehen. Brav wurden nach dem Auftritt Drumsticks, Pleks und Setlisten verteilt und so schnell, sah ich noch nie einen Künstler nach dem Auftritt direkt verschwitzt an den Merchandisestand sausen, um die eigene Band nach vorne zu bringen.

Setlist LODY KONG:

Soulfly

Galerie mit 5 Bildern: Lody Kong Maximum Cavalera Tour 2013 - Maximum Cavalera Tour 2013

Nicht minder energetisch zeigen sich danach INCITE, die schon deutlich heftiger auftraten und deren Musik noch eine Ecke mehr Anklang fand. Ritchie Cavalera legt in der Disziplin „Rampensau“ noch einiges nach und fegt über die Bühne wie ein wildgewordener Irrer. Mit aufgerissen Augen kreischte er in die Menge, forderte zu Wall of Death und Circlepits auf und stellenweise schien er kurz davor in die Meute zu springen. Man hatte den Eindruck, dass ihm neben der Aggression auch besonders wichtig war, dass der Inhalt seiner Texte beim Publikum ankam. Der Gitarrist zeigt sich ebenfalls sehr engagiert, während der Bassist eher bewegungsarm in einem Radius von einem Quadratmeter rumtapste. Die Fans im Substage ließen sich, mächtig angestachelt, nicht lumpen und zappelten schon ordentlich ab. Die explosive Mischung aus Thrash und Core kam an und brachte die Menge auf Betriebstemperatur und in erster Linie Bewegung in die Nacken. INCITE haben an diesem Abend, genau wie LODY KING, einige Rocker von ihrem Sound überzeugen können. Auch Ritchie stürmte nach dem Auftritt sofort, komplett nassgeschwitzt, zum Merchandisestand und schien sehr darum bemüht, mit den Fans in Kontakt zu kommen. Beide Bands hinterließen also einen guten Eindruck, allerdings wird die Verwandschaft Fluch wie Segen sein.

Galerie mit 5 Bildern: Incite Maximum Cavalera Tour 2013 - Maximum Cavalera Tour 2013

Die Luft im Substage wurde mit zunehmender Stunde immer dünner, sodass praktisch alle Anwesenden nach dem Auftritt nach draußen stürmten. Die einen für ein Kippchen und die anderen eben nur zum Auftanken von Sauerstoff. Knappe zehn Minuten vor zehn Uhr kündigten sich SOULFLY mit den ersten Tönen von „Prophecy“ an und schon nach weniger als einem Song war klar: SOULFLY haben die Karlsruher auf ihrer Seite! Textsicherheit war gegeben und auch die zottelige Groovelegende strengte sich mächtig an, um alle im Substage zu überzeugen. Was der Bassist von INCITE versäumt hatte, holte Tony Campos (PRONG, MINISTRY…) von SOULFLY ordentlich nach. Der Mann hat den Groove im Blut und bouncte mächtig zu den harten Klängen ab. Gleiches galt für den Fronter, das Familienoberhaupt himself. Auch wenn ich Max Cavalera schon gelenkiger gesehen habe, die Ausstrahlung und wahre Liebe zum Metal überzeugen doch immer wieder. Besonders live fällt auf, was für ein megadröhnendes Organ der Brasilianer hat. In diesem Moment war es schlichtweg egal, welche Luft im Club herrschte, jetzt galt es den Moment zu genießen. SOULFLY ließen sich nicht lange bitten und schossen nach einigen SOULFLY- Brechern gleich mit SEPULTURA Klassikern nach. Die Frage „Do you want some chaos?“ war eine rhetorische, denn Karlsruhe zeigte sich nicht nur textsicher, sondern auch laut und brüllte die Lyrics von „Refuse /Resist“ und „Territory“ gen Bühne. Anscheinend wollte kaum einer auch nur einen Ton verpassen, denn die Getränketheke war trotz der Temperaturen übersichtlich belagert. Gesteigert werden konnte die Stimmung eigentlich nur noch mit Schnelligkeit, doch auch dies stellte für SOULFLY kein Problem da, einfach mit „Cockroaches“ und „Wasting Away“ von NAILBOMB nachgeschossen. Was mir persönlich nicht unangenehm auffiel, könnte einige der Anwesenden gestört haben, denn schließlich war es ein SOULFLY Konzert und dafür war die „Cover-Dichte“ doch schon sehr hoch.

Etwas ruhiger wurde es mit „Straighthate“ (ebenfalls SEPULTURA), im Vergleich zum übrigen Material schon fast ein Schlaflied. Allerdings kamen hier die Vocals von Max Cavalera besonders gut zur Geltung und sein Spross Igor hatte Zeit um etwas zu Verschnaufen. Schon beachtlich, wie der Kerl einfach zwei Sets durchknüppelt. Wer nicht selbst Schlagzeug spielt, kann eigentlich nicht wirklich sagen, ob er Talent hat oder nicht. Zumindest fiel er nicht negativ auf und der Großteil der gespielten Songs verfügte doch schon über markante Drums. Highlight war auf jeden Fall der Ausblick auf das kommende Album „Savages“, mit Sohn Igor als stimmliche Verstärkung. Im Interview, welches wir vor dem Konzert mit Max Cavalera führten, stellte er für die kommende Platte eine traditionellere Ausrichtung in Aussicht und sprach auch von Tendenzen zu CANNIBAL CORPSE. Der neue Song „Bloodshed“ hatte keines von beidem, war aber trotzdem extrem stark. Man wird schon etwas nostalgisch, wenn man Vater und Sohn gemeinsam rocken sieht und zuhören darf, wie sich die beiden ein Gesangduell liefern. Auch hier gehen die Meinungen stark auseinander. Während ich fand, dass Igor sehr wohl gegen seinen Vater bestehen konnte, war für einige klar, dass „der Papa den Sohn in Grund und Boden geschrien hat“. Die Vorfreude auf das neue Werk wurde damit definitiv gesteigert.

Den Höhepunkt stellt, wie immer, „Roots Bloody Roots“ dar. Mit diesem Song stehen SOULFLY alle Türen offen, damit kann man nichts falsch machen und reißt auch den letzten Langweiler mit. Überraschend fand ich dann den Ausklang mit „Iron Man“ von BLACK SABBATH, der ebenfalls gleich mitgegrölt wurde. SOULFLY verabschiedeten sich von der Bühne und Max kam (welche Überraschung), mit einem Trikot den heimischen Fußballvereins KSC auf die Bühne. Wie das eben so ist im Fußball, traf seine Aktion auf eine Mischung aus Jubel und Buh-Rufen. Schade war, dass das „Jumpdafuckup“ nur angespielt wurde und dann in „Eye For An Eye“ überging. Die Menge war gerade warmgesprungen und hätte sicher den ganzen Song geschafft. Mit einem Ausschnitt von IRON MAIDENS „Trooper“ schickten uns die Groove /Thrasher nach Hause. Bezüglich der Songsauswahl bin ich zwiegspalten, es war schön die alten Stücke zu hören und schade, dass einige SOULFLY Klassiker deswegen nicht gespielt wurden. Besonders gut gefiel mir der definitive Zusammenhalt der Cavalera-Bande. Max spielte Luftschlagzeug zu den Drums seines Sohnes, die Jungs trugen die T-Shirts der jeweils anderen Bands und lobten diese in ihren Ansagen. Endlich mal einer, der konkret was für den Metalnachwuchs tut!

Galerie mit 10 Bildern: Soulfly Maximum Cavalera Tour 2013 - Maximum Cavalera Tour 2013
18.07.2013

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