Animals As Leaders - The Joy Of Motion

Review

Galerie mit 15 Bildern: Animals As Leaders - Full Force 2019

Wenn es um die Vorzeige-Bands im modernen und anspruchsvollen Metal-Bereich geht, fällt der Name ANIMALS AS LEADERS in der Regel relativ schnell. Einerseits, weil die US-Amerikaner bislang zwei mehr als bemerkenswerte Alben veröffentlicht und dabei die gefühlten Grenzen des technisch Machbaren immer wieder überschritten haben. Andererseits, weil Bandleader Tosin Abasi mit seinem überirdischen Gitarrenspiel zahlreiche Jünger der seit längerem äußerst angesagten Modern-Metal- und Progressive-Bewegung in seinen Bann gezogen hat. Ganz nebenbei dürfte besagter Herr der japanischen Gitarrenschmiede Ibanez sicherlich eine enorme Absatzsteigerung im Segment der sieben- und achtsaitigen Klampfen beschert haben. (Anmerkung des Autors: „Ja, verdammt. Ich hab auch eine.„)

Allerdings: Woran es der Truppe bislang mangelte, waren Songs, die nicht nur mit technischen Kabinettstückchen und unglaublicher Versiertheit, sondern auch mit einem stimmigen kompositorischen Konzept aufwarten konnten. Oder wie es ein Kollege einst formulierte: „Man hat oft das Gefühl, hier müsse lediglich das Können unter Beweis gestellt werden, das Songwriting sei fortan Nebensache.“ Nur, dass wir uns nicht falsch verstehen: Die beiden ersten Releases der Band machen unglaublich Spaß und sind höchstgradig ausgefeilt sowie von exzellenter Qualität – hin und wieder aber eben auch recht anstrengend. An diesem Punkt kommt das mittlerweile dritte Studiowerk „The Joy Of Motion“ ins Spiel. Denn Abasi und seine Mitstreiter (neu dabei ist Schlagzeuger Matt Garstka) haben anno 2014 gelernt, ihre außerordentliche Kreativität treffender zu kanalisieren. Besser: Die Platte ist rhythmisch, tonal sowie technisch völlig abgefahren – dabei aber immer noch völlig entspannt zu hören.

Den Reigen eröffnet das erstaunlich melodische „Kascade“ mit einem Eingangsriff, bei dem sich wohl die meisten sterblichen Klampfer die Finger brechen würden. Gut, das war auch nicht anders zu erwarten. Imponierend ist hingegen, wie sich alsbald aus der rasanten Frickelei recht simple Melodiefolgen herausbilden, die als stabiles Fundament und nachvollziehbarer Rahmen für den Hörer fungieren. Spätestens beim jazzigen Mittelteil und dem folgendenden Abasi-Solo, dass mit viel Eingängigkeit und sogar einer Prise Rock’n’Roll daherkommt, ist dann klar: ANIMALS AS LEADERS sind besser denn je.

Im Anschluss gibt es kaum Tracks, die im Sinne der eingangs erwähnten Ausbalancierung von technischem Können und Nachvollziehbarkeit nicht das Prädikat „hervorragend“ verdienen. Ob nun das mit superbem Drive und viel Attack ausgestattete „Physical education“, bei dem die einzelnen Instrumente zu einer erbarmungslos präzisen Groove-Einheit verschmelzen, das streckenweise Mathcore-lastige „Tooth and claw“, das nahezu post-rockige „The Future That Awaited Me“ oder das fiese, Djent-lastige „Mind-Spun“ – ANIMALS AS LEADERS verbinden  leichtfüßige Griffbrettarbeit, wütende Riffgewalt und sphärische Akkordflächen mit fast schon naiver Selbstverständlichkeit, aber eben auch mit verdammt viel Cleverness zu einem homogenen Ganzen. Was dabei außerdem fasziniert, ist Abasis Gespür für den „richtigen“ Sound. Das bedeutet: Wenn der Mann ein Jazz-Solo zockt, dann klingt es auch wie ein solches. Wenn es krachen muss, dann kracht es. Und zwar ordentlich.

Sicherlich gibt es im Verlauf der Scheibe vielleicht ein, zwei Phasen, in denen sich der gehobene Sound-Cocktail in etwas geringerem Maße als Genuss erweist. Dennoch muss hervorgehoben werden, dass „The Joy Of Motion“ eine Scheibe ist, die – untypisch für viele artverwandte Releases – bereits beim ersten Durchlauf überzeugt. Die Jungs von SCALE THE SUMMIT, PROTEST THE HERO und EXIVIOUS werden am Ende jedenfalls froh sein, dass sie Abasi & Co in den diesjährigen Redaktions-Polls und Top-Tens aus dem Weg gehen. Was 2014 angeht, können da aktuell nur INTERVALS mithalten. Bei denen allerdings ist die Schwachstelle der Sänger – auf den ANIMALS AS LEADERS einfach mal so verzichten. Warum? Weil’s geht.

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05.05.2014

"Am Ende isses immer Arbeit."

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