Autopsy - Puncturing The Grotesque (EP)

Review

Ein Hoch auf die Konstanten im Leben! Bei den zahlreichen Veränderungen, Trends und Anbiederungen in der Gesellschaft tut es ungemein gut, wenn man sich auf etwas immer verlassen kann. Im Metal verhält es sich genau so. So viele Bands kommen und gehen, so viele Trends, die gestern noch „das ganz große Ding“ waren, sind morgen schon wieder in Vergessenheit geraten. Und bei der Flut an Veröffentlichungen kommt man als Normal-Hörer sowieso nicht mehr hinterher und man verliert schnell die Übersicht. Aber zum Glück gibt es eben noch Bands, auf die man sich verlassen kann und die einfach stoisch ihr „Ding“ machen. Bands eben, die nichts mit dieser Schnelllebigkeit zu tun haben. So wie AUTOPSY.

Mehr Oldschool als AUTOPSY geht kaum

Die Death-Metal-Legende aus Kalifornien bleibt seit 30 Jahren (mit einer kleinen, 13-jährigen Schaffenspause dazwischen) ihrem Stil treu und veröffentlicht zum Jahresende eine neue EP namens „Puncturing The Grotesque“. Und man bekommt genau das, was man erwartet: AUTOPSY pur! Den Sound der kultig-kranken Amis braucht man eigentlich nicht mehr groß zu beschreiben. Der ranzige Death Metal mit den vielen zähen Doom-Elementen klingt einfach so markant, dass man AUTOPSY aus der Masse der todesmetallischen Kapellen sofort erkennt.

Auf den insgesamt sieben Songs – davon ein Intro und ein Cover-Song – bietet die EP alles, was das AUTOPSY-Herz begehrt. Der Quasi-Opener „Puncturing The Grotesque“ ist eine straighte Death-Metal-Nummer, die förmlich zum Headbangen einlädt. Das folgende „The Sick Get Sicker“ – mein persönliches Highlight – zeigt anschließend wunderbar, dass die Band keine stumpfe, rumpelige Kombo ist, sondern instrumental einiges auf dem Kasten hat. Man achte hier besonders auf das geniale Gitarrenspiel. Ein völlig zäher und morbider Death/Doom Song, der so auch problemlos auf ihrem Meisterwerk „Menal Funeral“ hätte stehen können. Hier muss auch unbedingt die starke Produktion der Platte erwähnt werden. Diese versprüht einen herrlichen Oldschool-Vibe mit einer Menge Schmutz und Dreck und schafft es dennoch gleichzeitig sehr klar und druckvoll zu sein.

„Corpses At War “ ist ebenfalls eher langsam geraten und besticht durch die bedrohliche Atmosphäre, die der Song transportiert. Er macht so seinem Namen alle Ehre, denn man kann sich förmlich vorstellen, wie dies der Soundtrack einer Armee der Toten sein könnte. Ein Blick auf das von Dennis Dread (u. a. ABSCESS, DARKTHRONE) entworfene Artwork untermauert diesen Eindruck wunderbar. Das herrliche Geröchel von Altmeister Christ Reifert (Vocals/Drums) verstärkt diesen Eindruck umso mehr und kommt hier besonders gut zur Geltung.
Das vorletzte „Gorecrow“ fällt besonders durch seine Tempowechsel und dem gelungenen Gitarrensolo auf, ist aber ansonsten im Kontext der EP etwas unspektakulär. Dennoch nickt auch hier der Kopf beständig im Rhythmus und der Fuß tappt im Takt mit.

Ein Mittelfinger an alle Trends und Anbiederungen

Abgerundet wird werden die knapp 25 Minuten mit dem Cover-Song „Fuck You!!“ der Band BLOODBATH (nein, nicht das schwedische Allstarprojekt), in der Gitarrist  Danny Coralles Mitte der 80er spielte. Das Lied kann als Statement der Band verstanden werden: Ein großer Mittelfinger an den ganzen Melodic/Progressive/Post/Straight-Edge/Teletubbie (Death) Metal da draußen. AUTOPSY stehen eben seit nunmehr 30 Jahren ganz im Zeichen des echten oldschooligen und undergroundigen Death Metals abseits irgendwelcher Trends – und das ist gut so.

Für jeden, dem noch das „Death“ in Death Metal am wichtigsten ist, dem sei diese EP ans Herz gelegt. Aber dieses Klientel wird eh vertraut mit AUTOPSY sein. Jeder, der sich angesprochen fühlt, aber nichts von der Band kennt oder besitzt, der kann sich die EP ebenfalls sorglos aneignen und danach direkt ihre Klassiker auf den Einkaufszettel schreiben. Eine äußerst gelungene Veröffentlichung also, die die Wartezeit auf den Nachfolger von „Tourniquets, Hacksaws And Graves“ verkürzt. Bleibt am Ende nur zu hoffen, dass die vier sympathischen Amis sich nicht all zu viel Zeit für die neue Platte lassen.

12.01.2018

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