



Die Regelmäßigkeit, mit der EVERGREY hochklassiges Material mit spielerischer Leichtigkeit veröffentlichen, ist fast schon frech. Denn seien wir ehrlich: Kennt jemand ein wirklich schlechtes Album der Schweden? Klar, jeder hat seinen Favoriten – bei diesem Rezensenten wäre das die göttliche „Hymns For The Broken“ – doch einen echten Rohrkrepierer haben Tom S. Englund und sein Gefolge nie veröffentlicht. „Architects Of A New Weave“ ist Album Nummer 15 seit 1998 und bietet neben dem zweitsperrigsten Titel seit „A Heartless Portrait (The Orphean Testament)“ noch einiges mehr.
Funktioniert die EVERGREY-Formel noch?
Man könnte behaupten, dass EVERGREY im Laufe der Jahre etwas Progressivität zugunsten der Eingängigkeit geopfert haben. Allerdings schrieb die Band schon früher verdammt erinnerungswürdige Hooks. So startet „Architects Of A New Weave“ nach einem unauffälligen Intro mit „The Shadow Self“, das sich sofort mietfrei im Ohrwurm-Kompartment des Kopfes einnistet.
Nach dem ebenfalls eher unauffälligen Titeltrack, der immerhin ein starkes Solo bietet, dreht Englund mit seinem Gesang bei „The World Is On Fire“ den Gänsehautfaktor wieder auf 11. Die Mischung aus Melodie, Düsternis und Emotion funktioniert auch nach 15 Alben und 25 Jahren Veröffentlichungsgeschichte noch wie am ersten Tag.
Wohlfühl-Prog oder Melodic Metal mit Prog-Prise?
Ja, der progressive Anteil ist geringer geworden, doch EVERGREY unterschreiten nie ein gewisses Qualitätsniveau. Nehmen wir das großartige „Longing“, das mit sphärischen Keyboardmelodien und trauriger Grundstimmung die Tränendrüsen strapaziert. Der Song ist weitgehend eingängiger Melodic Metal und gehört damit fest zur DNA der Band.
Unauffällig fällt auch das Feature von jedermanns Lieblings-Grinsebacke und DARK-TRANQUILLITY-Frontmann Mikael Stanne bei „A Burning Flame“ aus. Statt einer ganzen Strophe singt er beim flotten Song gemeinsam mit Tom Englund im Refrain, wodurch sich beide Stimmen zu einer, wenn nicht sogar der ultimativen schwedischen Cleanstimme verbinden.
Bis zum Ende leistet sich „Architects Of A New Weave“ keine Blöße. Das Album bleibt abwechslungsreich, liefert reichlich Material für künftige Setlisten und enthält keinen schwachen Song. Klar, zwölf Hits zum Niederknien sind es nicht geworden, doch die EVERGREYsche Konsistenz schlägt erneut zu.
„Architects Of A New Weave“ bricht nicht ein
Fünfzehn Alben, fünfzehnmal das Prädikat „gut“ bis „hervorragend“: Auch „Architects Of A New Weave“ reiht sich nahtlos in die illustre Diskografie ein. Deshalb legen wir das Album gerne noch ein paar Mal öfter auf und freuen uns bereits auf den 16. Output.

Evergrey - Architects of the New Weave
Jannik Kleemann
Evergrey - Architects of a New Weave































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