Fäulnis - Cholerik - Eine Aufarbeitung

Review

„Cholerik – Eine Aufarbeitung“ war 2004 das erste Lebenszeichen von FÄULNIS, einem (Beinahe-)Ein-Mann-Projekt aus Deutschland. Seitdem wurden zwei EPs namens „Letharg“ und „Kommando Thanatos“ unter das Volk gebracht. Zwischen den Jahren wurde das erste Demo nun, mit ein wenig Zusatzmaterial versehen, erneut aufgelegt.

Die ersten sieben Stücke stellen das ursprüngliche Demo mit einem nur leicht veränderten Ausklang dar. Rechnet man die zahlreichen Einspielungen und Instrumentalteile heraus, die zwar dem Stimmungsaufbau ein wenig behilflich sein mögen, im Großen und Ganzen aber nicht der Rede wert sind, bleiben gerade mal drei „richtige“ Stücke und mit dem ersten Zwischenspiel „Die Lästerzungen“ eine Vertonung des Gedichtes von F. Villon, in der ebendieses unterstützt vom Synthesizer und rituell pochenden Trommeln weinerlich vorgetragen wird.
Mit „Invokation“, „Gespien“ und „Die Tote vom Flussufer“ zeigt Seuche, die treibende Kraft hinter FÄULNIS, seine Vorstellung von Black Metal: Ziemlich unkompliziert und geradlinig holzt, rumpelt und wälzt der sich durch die Botanik. Meist nur auf eine zentrale Melodie und deren Variationen konzentriert, rhythmisch nicht sehr vertrackt, hier und da ein wenig Klargesang: Hier geht es nicht um Technik, sondern um Atmosphäre. Die will auf „Cholerik – Eine Aufarbeitung“ im Gesamten aber noch nicht so recht aufkommen, zu gravierend sind die Längen, die sich in den Zwischenstücken einschleichen.

An den überarbeiteten „Ausklang“ schließt als erstes der drei Stücke des Zusatzmaterials direkt eine synthetische Interpretation von „Invokation“ an, die von K. Zwiespalt (STILLHET) beigesteuert wurde. Diese ist am ehesten mit „Das Schwarze Gemälde“ von NARGAROTH zu vergleichen, dabei aber weniger langatmig und nicht so sehr auf Trägheit und Imposanz bedacht. Gerade im Vergleich mit dem Original aber ist sie äußerst interessant, weil hier mehr geleistet wird als nur die Gitarrenstimmen auf den Synthesizer zu übertragen. Mit den beiden folgenden „30. Juli, Bewölkt“ und „II“ werden wieder die gewöhnlichen FÄULNIS-Jagdgründe betreten: Jeweils eine zentrale, unkomplizierte (aber schöne und keineswegs abgegriffene!) Melodie, um die sich alles rankt – wenig Neues unter der Sonne, wenn auch gut ausgeführt.

Wer FÄULNIS schon länger verfolgt, wird sich noch an die selbstverliehene Plakette des „Unkonventionell interpretierten Black Metal“ erinnern, aus der mittlerweile eine „Sick Black Art“ geworden ist. Um mehr als halbwegs griffige Etiketten handelt es sich hierbei jedoch nicht, nimmt sich doch der schwarzmetallische Anteil in seiner Einfachheit geradezu konservativ aus.
Überhaupt scheint Seuche panische Angst zu haben, sein Werk würde miss- oder gleich gar nicht interpretiert: Im Beiheft zur Wiederveröffentlichung von „Cholerik – Eine Aufarbeitung“ findet sich nicht nur allerlei Intelligentes wie z. B. der vielzitierte Promotext zur Erstauflage, der einem die Interpretation des Werks gleich vor die Haustür liefert. Auch ein Schaubild, das das Verhältnis aller ungefähr dreihundert geplanten und bereits verwirklichten Veröffentlichungen zueinander in das richtige Licht rückt und anhand dessen erläutert wird, welches Stadium des Wahnsinns oder des Todes nun wodurch erörtert wird, nimmt dem geneigten Hörer das Denken ab – schön, aber so viel hätte man gerade noch selbst geschafft, zumal hier keine nobelpreisverdächtigen Erkenntnisse vermittelt oder gar gewonnen werden.

Das soll aber keineswegs darüber hinwegtäuschen, dass FÄULNIS musikalisch durchaus eigenständig ist. Wer also die Erstauflage nicht bekommen hat, mit FÄULNIS selbst aber etwas anfangen kann, darf hier zugreifen. Trotzdem sollte man nicht mehr erwarten als einen kleinen Hoffnungsschimmer und einen Vorgeschmack auf die geplanten vollwertigen Veröffentlichungen, sofern bis dahin die vielen Durchhänger in der Atmosphäre beseitigt sind – die beiden EPs gingen ja bereits in die richtige Richtung.

28.02.2008

Der metal.de Serviervorschlag

Oder auch: "Wer 'Cholerik - Eine Aufarbeitung' von Fäulnis mag, wird auch das hier mögen." Lass andere Leser wissen, welche Platten sie noch anchecken sollten, wenn ihnen "Cholerik - Eine Aufarbeitung" gefällt.

Es gibt noch keine Empfehlungen zu diesem Album. Willst du die erste abgeben? Dann registriere dich oder logge dich ein.

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 32720 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

Kommentare