Fallujah - Undying Light

Review

Soundcheck März 2019# 9 Galerie mit 14 Bildern: Fallujah auf dem Summer Breeze Open Air 2017

FALLUJAH – Ständig in der Entwicklung begriffen

Wer die Kalifornier bereits länger verfolgt weiß, dass FALLUJAH während ihrer Karriere einige Sprünge gemacht haben: Von Anfängen im Deathcore (EP „The Leper Colony“, 2009) über relativ straighten Tech-Death, der allerdings schon in sphärischen Post- und Ambient-Einflüssen gewildert hat (Debüt „The Harvest Wombs“, 2011), zur Öffnung mit mehr Atmosphäre, Ambienteinflüssen und selbst Elektronik auf dem meisterlichen „The Flesh Prevails“ (2014) und dem Freischwimmen und Finden ihres vorläufigen Stils mit Anklängen an Filmsoundtracks, was noch progressivere Kompositionen und mehr Elektronikeinfluss bedeutete („Dreamless„, 2016 ), haben sich FALLUJAH auf jedem Album ein Stück weit neu erfunden.

Dies ist nun auch wieder bei dem neuesten Werk „Undying Light“ der Fall – zumindest teilweise. FALLUJAH mussten den Weggang von Fronter Alex Hoffmann und dem zweiten Klampfer Brian „Deebs“ James verkraften, was die Band auf ein Quartett geschrumpft hat. Hauptsächlich wegen kreativer Differenzen, auch wenn man freundschaftlich auseinander gegangen ist. Denn kreativ geht es auf „Undying Light“ ein wenig neu zu. Das stieß – nach dem Feedback zu der ersten Single „Ultraviolet“ von Fans zu schließen – nicht bei allen auf Gegenliebe, den Rezensenten mit eingeschlossen. Die Neuausrichtung im Songwriting und auch die Stimme vom neuen Schreihals Antonio Palermo (UNDERLING) haute nicht sonderlich aus den Socken.

Der Stilwechsel war subtil, aber doch schon auffällig: Reduzierter im Songwriting, probieren FALLUJAH anno 2019 auf einfache, aber flächige und pumpende Riffs zu setzen, die sonst so typische Bending- und Whammybar-Nutzung in Riffs und Solos von Hauptsongwriter Scott Carstairs kann man erst im letzten Drittel des Songs bewundern. Für jegliche normale Band wäre es zwar ein bockstarker Song, für FALLUJAH-Verhältnisse war es aber irgendwie eine gefühlt recht fade Angelegenheit, die nicht mit vorigen Großtaten mithalten kann.

„Undying Light“ – reduzierter, trotzdem noch mit bekannten Trademarks

Die gute und beruhigende Nachricht vorweg: Dieser Song ist wahrscheinlich der simpelste und steht nicht repräsentativ fürs Album. FALLUJAH beherrschen immer noch meisterlich das Spiel aus Post-Atmosphäre mittels sirrenden Leads und dem oft kopierten, aber nie erreichten, charakteristischem Bending-Spiel von Scott Carstairs, was man immer noch in jedem Song vernehmen kann. Aber auch ordentlich auf die Kauleiste geben hat die Band nicht verlernt, wie rasende Tremolo-Riffs, eine unnachgiebige Doublebass und Blastbeats im Opener „Glass House“, aber auch in Songs wie „Hollow“, Sanctuary“ und „Eyes like the Sun“ verraten. Die Mischung aus unnachgiebigem Geballer und atmosphärischen Versatzstücken in den Riffs, die auch schon auf „The Flesh Prevails“ „brutiful“ funktioniert hat, ist immer noch von FALLUJAH zu vernehmen, allerdings nicht ganz in der Bombastvariante der beiden Vorgängeralben.

Die spürbare Reduktion im Songwriting macht sich zum einen auf der musikalischen Unterstützungsseite bemerkbar: Weder braucht man hier Elektronikzwischenspiele noch weibliche Gastvocals, die Band in klassischer Besetzung steht definitiv im Vordergrund. Zum anderen auch in der Herangehensweise ans Songwriting: Frickelorgien? Epic-Ballast? Brutalität? Breakdowns? Alles derartige wurde rausgeschmissen, dabei das Kind aber glücklicherweise nicht mit dem Bade ausgekippt: Die Atmosphäre wird mehr denn je mittels Scotts charakteristischem Lead-Spiel vermittelt und dem bewussten „Atmen“ der Songs durch einfachere Songstrukturen und die vielen ruhigeren Parts. Man hat das Frickeln und Blasten nicht vollkommen verlernt (der klasse Rausschmeißer „Departure“ stellt das unter Beweis), stellt aber lieber den Fokus auf Eingängigkeit, Groove und Atmosphäre. Zugegebenermaßen braucht es ein paar Anläufe, bevor man sich darauf einlassen kann und erst mal verdaut hat, dass das nun einfach die Schiene ist, wie heute FALLUJAH klingen (wollen).

Manche Ansätze überzeugen dabei mehr (der ruhige, beinahe club-taugliche Part in der Mitte von „The Ocean Above“, das Outro von „Sanctuary“ und viele weitere interessante kleine Einsprengsel in den übrigen Songs) andere eher weniger („Distant And Cold“, welches als Zwischenspiel gewöhnungsbedürftig und irgendwie über ist, das irgendwie platt bleibende „Ultraviolet“).

Was gar nicht reduzierter, sondern eher noch verspielter und progressiver geworden ist, ist das Drumming von Andrew Baird, welches unter ruhige Parts und für FALLUJAH-Verhältnisse einfachere Riffs komplexe Fillpattern legt und auch in den harten Parts mit viel Raffinesse zwischen allem wilden Dreschen auffährt. Auch das Bassspiel von Robert Morey ist wieder einmal ein Genuss, überhaupt ist der Sound wieder wunderbar klar und transparent ohne all zu sehr vom „Loudness-War“ geprägt zu sein, was die instrumentalen Glanzleistungen hier gut ins Ohr des Hörers befördert.

Die Sache mit dem Gesang…

Auch zu Zeiten von Alex Hofmann war oft als Kritikpunkt zu vernehmen, dass die Vocals für eine instrumental so überragende Band wie FALLUJAH zu monoton und das schwächste Glied der Kette seien. Dem würde ich zustimmen, allerdings kam besonders auf „The Flesh Prevails“ und „Dreamless“ durch die weiblichen Gastbeiträge und auch Hofmanns vermehrten Screaming-Einsatz definitiv Abwechslung rein. Auch sind mir seine Growls sehr viel lieber gewesen als sein Screaming, was FALLUJAH durchaus mehr im Death Metal statt im Deathcore oder Metalcore verortete.

Durch Neuzugang Antonio kommt nun die Screaming-Seite als stimmliches Hauptmittel hinzu und rückt dadurch FALLUJAH nicht gerade von Deathcore oder Metalcore weg. Die stimmliche Leistung ist für das Genre sicherlich solide, auch versucht man durch säuselnde Cleanparts („Last Light“, „Dopamine“, „The Ocean Above“) zwischendurch ein wenig sich zu diversifizieren, das reicht und überzeugt aber nicht sonderlich, ja ist dem atmosphärischen Ansatz von FALLLUJAH noch eher abträglich als die Deathgrowls von Vorgänger Hoffmann.

Auch schwächere Songs, in denen die neue Kompaktierung der Songs nicht so recht aufgehen will („Ultraviolet“, „Distant and Cold“)  oder leicht spannungs- und dynamikarme Songs („Last Light“) haben sich eingeschlichen und bescheren FALLUJAH trotz eines sonst vollumfänglich gelungenen Fokuswechsels (von einem Stilwechsel hier zu sprechen, wäre doch ein wenig zu abgehoben) in ihrem Songwriting doch Abzüge in der B-Note. Der „Larger-than-life“-Sound von Stücken wie „The Void Alone“ oder „Sapphire“ der Vorgänger fehlt hier auch ein wenig, es gibt keinen Song der einem nach dem erstmaligen Hören die Kinnlade offen stehen lässt. Leute die mit dem Sängerwechsel und der Neuausrichtung wenig glücklich sind, sollten „Undying Light“ dennoch eine Chance geben, denn es gibt trotzdem so einiges zu entdecken, wenn man sich drauf einlässt… auch wenn auf „Undying Light“ nicht ganz dieselben, genre-umkrempelnden FALLUJAH wie auf „The Flesh Prevails“ oder „Dreamless“ zu Werke gehen.

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05.03.2019

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1 Kommentar zu Fallujah - Undying Light

  1. ClutchNixon sagt:

    Ich meine, das hat mit dem ursprünglichen Songwriting der Band nur noch am Rande zu tun. Richtiggehend überrascht bin ich nicht, aber auch nicht gewillt die Mucke zu kaufen. Und mal unter uns Schützenbrüdern: Der Gesang ist über weite Strecken unerträglich.

    6/10