Heimdalls Wacht/ Winterlieke/ Heervader - Niewelkraien

Review

Splitveröffentlichungen sind – genauso wie Compilations – ein anachronistisches Format. War das vor zehn oder fünfzehn Jahren noch die einzige Möglichkeit, seine Musik preisgünstig unters Volk zu bringen, so geht es in Zeiten des Internets immer öfter um letztendlich inhaltsfreie Zugehörigkeitsrituale. Auch das Argument, dass man für sein Geld mehr als eine Band testen kann, funktioniert heutzutage nicht mehr sonderlich gut, testen kann man Musik in der Regel nämlich für lau. Unterm Strich machen Splits also nur noch Sinn, wenn man für diese mindestens eine Truppe gewinnen kann, die so großartig ist, dass die Leute für ein bisschen neue Musik den vollen Albumpreis bezahlen, obwohl sie dafür kaum den Gegenwert einer MCD erhalten.

Leider hat das keiner den Verantwortlichen bei Det Germanske Folket verraten, das „Niewelkraien“ getaufte Gemeinschaftsprojekt zweier deutscher und einer niederländischen Band muss nämlich völlig ohne Zugpferd auskommen. Oder soll diese Rolle etwa HEIMDALLS WACHT übernehmen? Schwer zu glauben, beschränken sich die „Verdienste“ der Truppe neben völlig uninteressanter Musik doch auf widersprüchliche/ scheinheilige/ lächerliche öffentliche Verlautbarungen und heuer auf eine Seite im Netz, die uns nur wissen lässt, dass das Internet totale Scheiße wäre. Doch auch das ist immerhin interessanter als die Musik von Heimdalls Wächtern. Die Band präsentiert auf „Niewelkraien“ ein neues Stück namens „Threnos“, das uns fast eine Viertelstunde lang unterhalten soll und dabei aus Versehen sogar Erfolg hat. Zu verdanken ist das dem akustischen Auftakt, der mit Klargesang der Marke dramatischer Liedermacher daherkommt, der gar zu aufgesetzt wirkt und in erster Linie zum Schmunzeln anregt. Peter Maffay passt halt einfach nicht auf eine BM-Platte, so weltoffen könnte ich nicht mal sein, wenn ich es tatsächlich wollte. Der metallische Mittelteil ist dann völlig nichtssagender Norsecore von der Stange. Schnelles Gerödel, typisch rauschig aufgenommen, irgendwann wagt sich dann noch kurz eine Leadgitarre hervor, doch auch die hat nichts zu bieten, was man unbedingt gehört haben müsste. HEIMDALLS WACHT ist eine bestenfalls minder begabte Band, die gut zu Klitschen der Marke Wurststand Productions passen würde. Was sich Det Germanske Folket dabei gedacht haben, diese Combo unter Vertrag zu nehmen, ist mir jedoch ein Rätsel. (3)

Weiter geht’s mit WINTERLIEKE, deren „Nebelkrähen“ ungefähr da weiterkrächzen, wo die Wächter aufgehört haben. Flottes Geklopfe, schrille Gitarren, unterschwellige Melodien. Nicht sonderlich gut, auch nicht richtig schlecht, nur eben irgendwie überflüssig, da ich den gleichen Kram schon öfter gehört habe, als mir lieb sein kann. Viel besser wird’s, wenn die Band zur Halbzeit das Tempo rausnimmt, dann klingt das Ganze ziemlich mächtig. Auch die Leadgitarre nach der fünf-Minuten-Marke lässt mich (anders als bei HW) nicht völlig kalt. Doch, aus WINTERLIEKE kann mit etwas Glück und viel harter Arbeit durchaus mal etwas werden. (6)

Bei HEERVADER bin ich mir da nicht so sicher. Der stampfend-schunkelnde Auftakt inklusive versoffenem Gröhlgesang ist ziemlich schrecklich, sowas geht gar nicht. Die Leadgitarre zur Halbzeit rettet das Lied ein Stück weit, doch letztendlich ist „Berserkgangr“ viel zu müder Viking Metal, um auch nur in die Nähe von gut zu kommen. „Voorwaarts“ verschiebt dann das Stilgleichgewicht etwas in Richtung BM, das Ganze wird ein bisschen dynamischer. Wirklich anhörbar sind allerdings erst die letzten anderthalb Minuten, da wird das Hauptthema von einer schneidenden Leadgitarre ergänzt, und sogar das Schlagzeug wirkt nicht mehr so schlaff. Wie unglaublich elektrisierend Viking BM auch anno 2009 noch sein kann, haben ELJUDNER erst vor ein paar Monaten mit einer sehr genialen EP bewiesen. Von dieser Klasse sind HEERVADER noch ein oder zwei Lichtjahre entfernt, doch als völlig hoffnungslos würde ich das Projekt noch nicht einstufen wollen. (4)

Der Volksmund weiß, dass der Spatz in der Hand besser ist als die Taube auf dem Dach. Das Komische an „Niewelkraien“ ist, dass DGF die Tauben (ORLOG, ANGANTYR) bereits in der Hand haben und sich hier die Zeit mit Spatzeneiern vertreiben. Von denen ist eines ein Windei (HW), eines ziemlich klein (HV), und auch das dritte braucht noch jede Menge Wärme (WL). Natürlich ist es schön und wichtig, unbekanntere Bands zu fördern, doch eine Vinyl-EP mit nur WINTERLIEKE und HEERVADER („Voorwaarts“) könnte ich viel eher zum Kauf empfehlen als eine viel teurere CD mit keinerlei musikalischem Mehrwert.

09.08.2009

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