Hordagaard + Mork + Dauden + Drudensang - Split

Review

Dreimal Norwegen, einmal Bayern: Im Dezember 2015 bereits veröffentlichte das deutsche Black-Metal-Label die Tape-Version der Split der Norweger HORDAGAARD, MORK und DAUDEN sowie der Süddeutschen DRUDENSANG, im April hat nun Dominance Of Darkness Records mit der CD-Version nachgezogen.

HORDAGAARD: So geht Sex also in Norwegen?

Den Anfang macht das Ein-Mann-Projekt HORDAGAARD mit vier Tracks. Da sich das Projekt letztes Jahr aufgelöst hat und die Songs sich stilistisch wie klanglich teils stark unterscheiden, ist davon auszugehen, dass es sich bei den vier Stücken um ältere Aufnahmen aus verschiedenen Sessions handelt, die für diese Veröffentlichung zusammengestückelt wurden. „King Of Pandemonium“ ist ein weitestgehend getragener Black-Metal-Song der alten Schule à la frühe TAAKE und macht zunächst Lust auf mehr desselben. „The Old Era“ hingegen klingt jedoch nach den frühen Neunzigern, aus dem Studio bei Omma im Keller – was charmant sein kann, es in diesem Fall aber nicht ist, zumal der Song selbst aus wenigen, meist flott gespielten, aber völlig unspektakulären Powerchord-Riffs besteht. „Women Of Dirty (Underwear) Desires“ und das abschließende „Filthy Fucking Coitus Whore“ klingen ein wenig nach MIDNIGHT’schem Black-Metal-mit-MOTÖRHEAD-Schlagseite oder den Post-„Sardonic Wrath“-DARKTHRONE-Alben, gepaart mit NATTEFROSTs zweifelhafter Auffassung von Erotik (und Geschmack im Allgemeinen).

MORK: Geigen, Disharmonien und „Black Thrashing Roll“ – was eine Mischung!

Weiter gehts mit MORK aus Halden, deren drei Songs der Split immerhin ein wenig (!) kohärenter, aber auch niveauvoller klingen. Das norwegische Duo bietet auf ihrem Teil der Split eingängigen, doch (vor allem soundtechnisch) sehr rohen Black Metal mit vielen rockigen Versatzstücken. Das klingt zunächst einfach und direkt, bietet aber so manche Überraschung. Zum Beispiel, wenn MORK in „Den Lukkede Porten“ folkiges (aber keinesfalls albern-tanzbares) Geigenspiel auspacken und zum Hauptmotiv des Songs machen, dies aber im letzten Drittel mit disharmonischen Gitarren nach Art der neueren MAYHEM abwechseln. „Black Thrashing Roll“ macht seinem Namen alle Ehre, überzeugt jedoch mit dem für diese Art von Black Metal sehr ungewöhnlichen Gesang, den man eher von einer orthodox-okkulten Black-Metal-Kapelle erwarten würde. „Slaget Om Fjellet“ ist schließlich zunächst ein Uptempo-Klopper im Stil der ganz frühen Neunziger, DARKTHRONEs „Ablaze In The Northern Sky“ drängt sich als Vergleich auf. Im Mittelteil überrascht der Song allerdings mit einem melodischen Zwischenspiel sowie einem schleppend-groovendem Downtempo-Part. Nett.

DAUDEN: Der Höhepunkt der Split?

Der nächste bitte: DAUDEN aus Sarpsborg ist das Ein-Mann-Projekt von RAGNAROK-Drummer Malignant – dabei aber sehr viel spannender als der Hauptarbeitgeber des Musikers. So ist der DAUDEN-Teil der Split ist mit Abstand der düsterste. Man stelle sich RAGNAROK mit dem Flair der frühen GORGOROTH und ein wenig Riffing der mittleren TAAKE vor, dabei aber besser, stimmungsvoller und böser als alles, was die genannten drei Bands in den letzten Jahren veröffentlicht haben. (Zugegeben: Das sollte nicht allzu schwer sein.) DAUDEN-Song numero eins, „God Did Not Create Us“, beginnt mit gehobenem Midtempo, wird aber bald schneller und erweist sich vor allem in Sachen Geschwindigkeit als sehr abwechslungsreich. Als es im Mittelteil FUNERAL MIST’sche Geisteskrankheit zu hören gibt, ist die Überraschung endgültig gelungen: DAUDEN gehört auf den Zettel! Der zweite Track „Once Victorious“ ist dann nicht mehr ganz so spannend und variabel, aber immerhin ein flotter, eingängiger Uptempo-Black-Metal-Brecher im besten Norweger-Stil. Gefällt!

Last but not least: DRUDENSANG!

Zum Abschluss der Split gibt es mit DRUDENSANG den deutschen Vertreter zu hören. Nachdem das Intro „Ritus“ anderthalb Minuten mit angenehmem Dungeon-Einschlag Stimmung gemacht hat, geht der einzige vollwertige DRUDENSANG-Song der Split, „Geisterzug“, mit einem melodischen Midtempo-Hauptriff los. Ist da etwa ein wenig SIEBENBÜRGEN-Debüt zu hören? Die Melodien und Riffs sind auf jeden Fall eingängig, das Schlagzeug treibt das Ganze zurückgenommen und hintergründig, aber gut hörbar voran, lediglich der Gesang wirkt ein wenig blass. Trotzdem sind DRUDENSANG genau wie DAUDEN eine Band, die Black-Metal-Fans auf dem Schirm behalten sollten.

Drei Überraschungen, ein Rohrkrepierer

Die Split von HORDAGAARD, MORK, DAUDEN und DRUDENSANG bietet also vier grundverschiedene Bands, teilweise – im Falle von HORDAGAARD – sogar bei einer Band mehrere Ausrichtungen. Man hat auf jeden Fall schon Split-Veröffentlichungen gehört, bei denen die Teilnehmer besser zueinander passten. Letztlich lohnt sich die Split vor allem wegen der Teile von DAUDEN und DRUDENSANG, aber auch der MORK-Teil der Split ist nicht von schlechten Eltern. So bleibt lediglich HORDAGAARD qualitativ auf der Strecke. Ob das alles als Argument reicht, um Geld in die CD zu investieren, das bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

17.05.2016

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