Human Fortress - Eternal Empire

Review

Die Wirklichkeit stinkt. Kein Wunder also, dass viele Menschen lieber die Nähe von Elben, Hobbits und Zwergen suchen, um gegen Orks, Trolle und böse Erzschurken in den Kampf zu ziehen, als sich tägliche Scharmützel mit der Steuerfahndung, dem GEZ-Eintreiber und der täglichen Portion Bullshit im Fernsehen zu liefern. Die Power-Metal-Landschaft bietet schon seit langem eine Plattform für Tolkien-Wannabes, die mit kitschigem Melodie-Bombast zum Sturm auf allerlei böse Black-Metal-Warge und ihre grunzenden Gefolgsleute blasen.
Mit ihrem dritten Album „Eternal Empire“ im Gepäck wildern HUMAN FORTRESS erneut kräftig in typischen Fantasy-Klischees. Das polarisiert traditionsgemäß und während sich der freundliche Pandabär von nebenan grunzend abwendet, kreischen die bombastsüchtigen Pussy-Metaller begeistert auf und springen wild masturbierend zu dieser Musik im Viereck, bis sie beim vom launigen „Hidden Track“ initiierten Massenbesäufnis schließlich unter den Tisch fallen.

Ungeachtet dessen, was man von diesem Genre hält, muss man doch feststellen, dass HUMAN FORTRESS ihre Hausaufgaben gemacht haben. Hier werden keine übertrieben simple Tralala-Melodien so lange wiederholt, bis sie auch dem letzten Hörer zu den Ohren raushängen. Auch Neu-Sänger Carsten Frank nervt nicht mit permanenten Eunuchen-Chören und zeigt sich in den verschiedensten Stimmlagen vielseitig und routiniert. Sogar die dezent eingesetzten Grunz- und Brüll-Passagen fügen sich harmonisch ins Gesamtbild ein.
Natürlich bewegt sich die Band stets hart an der Grenze zum Kitsch und schreckt auch nicht davor zurück, sie immer wieder deutlichst zu überschreiten. Glücklicherweise wirkt das aber nie so übertrieben und blutleer wie man es mittlerweile von RHAPSODY (egal ob mit oder ohne Feuer) leider gewohnt ist. So knüpfen HUMAN FORTRESS an die Glanzzeiten der Italiener an und zeigen, dass man nicht alles mit Orchestersounds zukleistern muss, um epische Musiklandschaften zu erzeugen.

Highlights wie „The Wizard“ oder „When Love And Hate Collide“ zeigen die Band von ihrer Schokoladenseite. Dazu gehören nicht nur Elemente der europäischen Volksmusik (jene der letzten Jahrhunderte, nicht die langweiligen Schunkelorgien, mit denen Florian Silbereisen die heutige Rentnergeneration einschläfert), sondern auch sehr dezent eingebrachte elektronische Effekte und andere moderne Elemente. So macht der Opener „Contrast“ mit dem Wechsel aus knackigen Lead-Vocals und einer einzelnen weiblichen Chor-Zeile seinem Namen alle Ehre.
Letztlich durfte ich schon lange keine so atmosphärische und abwechslungsreiche musikalische Reise in Fantasy-Gefilde mehr erleben wie mit „Eternal Empire“. So schaffen es HUMAN FORTRESS mir den Glauben daran zurückzugeben, dass auch in einem so totgenudelten Genre wie dem Fantasy-Power-Metal noch eine Entwicklung möglich ist. Die knackige Produktion, die nicht jede Ecke und Kante krankhaft glatt bügelt, setzt dem Silberling dabei noch die Krone auf.

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24.04.2008

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