Inter Arma - The Cavern

Review

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Mit vierzigminütigen Doom-Kompositionen habe ich in der Vergangenheit nicht immer die besten Erfahrungen gemacht. Natürlich wird man in gewissen Genres zum Überlängen-Fan erzogen, doch viel zu viele übermütige Bands wagten sich in der Vergangenheit an solch ein Projekt. Als Musiker muss man sich dann meist zwischen festen Songschemata und Wiederholungen ganzer Parts (im Post-wasauchimmer-Genre fast schon verpöhnt!) oder aber einem nahezu unmöglich zu kreierenden Spannungsbogen entscheiden. Ein Projekt, das oft in die Hose geht. Denn so etwas schaffen viele Bands nicht mal auf fünfzehn Minuten.

Den US-amerikanischen Sludge-Proggern von INTER ARMA hingegen (die Genre-Schubladisierung klingt irgendwie nach MASTODON, ist aber nicht) gelingt das auf ihrer neuen EP „The Cavern“ mit größtenteils altbekannten Zutaten über weite Strecken. Tonnenschwerer, dreckiger NEUROSIS-Sludge mit Twin-Guitar-Downtuning-Riffs(!) und dissonanten Arpeggios dominiert das Geschehen, zunächst zäh wie Kautabak vergeht Minute für Minute. Doch hinter so einem EP-Konzept verbirgt sich eben der Wunsch des aufmerksamen Zuhörens. Wer sich das Scheibchen nicht auf halbem Ohr im Feierabendverkehr gibt, sondern für den heimischen Kopfhörergenuss aufspart, wird mit durchaus liebevollen Details belohnt. Hier und da lassen sich E-Bow, Theremin, Lap Steel und sogar eine Geige unter dem matschigen Gewühle ausmachen, doch kein aufgeblähter Bombast verfälscht hier die Kunst der Rauheit, sondern dezente Verzierungen sorgen für die wirklich charmanten Momente. Muss man als Band dieser Größe erst mal bringen, so viele Gastmusiker an so vielen Instrumenten ins Studio zu bitten und dann in der Abmischung die Bodenständigkeit zu beweisen, jedem eine untergeordnete Rolle fürs große Ganze zukommen zu lassen.

Im weiteren Verlauf zeigen uns INTER ARMA dann aber zum Glück noch ein paar Grenzen zu benachbarten Genres auf, so fegt plötzlich melodiöses Stoner/Prog-Riffing-Gedudel im 7/8 Takt über die doomigen Klänge hinweg, das Tempo wird angezogen, Double-Bass trommelt alles noch richtig schön zu und der Traum vom kontrollierten Chaos nimmt Form an. Highlight der zweiten Hälfte dürfte wohl der Gastauftritt der WINDHAND-Sängerin Dorthia Cottrell sein. Die ebenfalls aus Richmond, Virginia stammenden Okkult-Doomer leihen hier den angenehm klaren (aber wie auch bei INTER-ARMA-Sänger Mike Paparo viel zu leisen) Gesang ihrer Frontfrau aus, wodurch sich eine Atmosphäre ergibt, die ich leider nur mit dem grausigen Anglizismus „gloomy“ bezeichnen kann. Bei so viel unterschwelliger Epik wäre eine Auflösung der ganzen Synergie vielleicht angebracht, doch nach vielen solilastigen Passagen entscheidet man sich lieber für ein bitter-böses Death/Doom-Ende mit lecker Statik hinten dran. Gut, passt auch.

Fakt ist: Man hätte „The Cavern“ durchaus in einzelne Songs unterteilen können. Hätte, könnte, sollte. INTER ARMA hingegen ist das egal und scheinen auf die Gesamtheit der Passagen Wert zu legen, darauf, das bewusste Hören zu fordern, was man bei einem solchen Opus auch nur wärmstens empfehlen kann. Keine Highlights, keine großen Neuerungen, nichts falsch gemacht. Den auf den Vorgängern mehr als einmal herausstechenden Black Metal (welcher den Herren des Öfteren gerechtfertigte Vergleiche mit DOWNFALL OF GAIA einbrachte) sucht man hier allerdings vergebens. Wobei, eigentlich suche ich ihn gar nicht.

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12.10.2014

Ja, weißt du … das ist vielleicht … deine Meinung, Mann.

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