Iwrestledabearonce - Ruining It For Everybody

Review

Ganz dem Dickkopf nach, hatte ich die Bärenringer aus Louisiana prinzipiell gemieden. Oberflächliche Entscheidungsfaktoren wie ein beknackter Bandname, fürchterliche Cover und T-Shirts sowie ständige zweifelhaft kuriose Informationen über das Bandgeschehen haben mich praktisch dazu getrieben. Zuletzt war die Truppe wieder ins Aufmerksamkeitszentrum geraten, als sie, Hand in Hand mit einem lachhaften Schwarz-Weiß-Promofoto, verkündete, nun in Richtung Black Metal umgestiegen zu sein. Glücklicherweise entpuppte sich dieser gesamte Komplex als Scherz, sodass die Band um Frontfrau Krysta Cameron erneut auf ursprünglicher Schiene aktiv wird: Dem puren Wahnsinn.

Spätestens die ersten elektronischen Klänge von “Next Visible Delicious“ machen sämtliche schwarzmetallischen Alpträume zunichte, woraufhin es in komplexe Melodieformen einmündet, bis Krysta Besänftigungsarbeit leistet und ihre tolle Stimme dazu einsetzt, dem Stück einen genauso interessanten, wie verwirrenden Kontrast zu liefern. IWRESTLEDABEARONCE erinnern mich immer mal wieder an UNEXPECT, wobei Letztere mental vermutlich noch ein wenig kaputter daherkommen. Die vielen verwendeten Stilmittel passen hier allerdings am Schluss zu einem großen Puzzle zusammen, während mir dieses Gefühl bei den Franzosen oftmals abhanden gekommen war. 

Egal ob IWRESTLEDABEARONCE undurchsichtige Dissonanzen um sich werfen, von Jazz oder Swing-Elementen in wüste Deathcore-Gefilde wechseln oder zwischen den beiden wesentlichen Gesangsfacetten, für die übrigens beide das sympathische Frontweiblein verantwortlich ist, herrliche Gegenpole bilden, alles erscheint gewissermaßen zweckmäßig und ist dem entsprechenden Song in jeder Hinsicht dienlich. Die Stücke sind allesamt kaum länger als kurze Grindcore-Explosionen, allerdings handelt es sich hierbei keineswegs um einfache China-Knaller, sondern um höchst gefährliche Eigenbauten, mit denen sich der ein oder andere unerfahrene Hörer sicherlich die Gliedmaßen absprengen wird.

Obwohl ich “Ruining It For Everybody“ für verrückteste Mathcore-Verhältnisse noch immer als verhältnismäßig gut verdaulich bezeichnen würde, bleiben IWRESTLEDABEARONCE auch mit diesem Album zweifelsfrei eine Gratwanderung, über dessen Akzeptanz jeder mit sich selber klar werden muss. Auch die Frage der Ernsthaftigkeit dieser Musik drängt sich einigen auf, mir allerdings nicht, denn diese Platte ist ein hervorragend anspruchsvolles Stück Musik, das in keinem guten Stileintopf fehlen sollte.

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09.07.2011

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1 Kommentar zu Iwrestledabearonce - Ruining It For Everybody

  1. thekid sagt:

    Was IWABO hier hingezaubert haben lässt sich eigentlich kaum in Worte fassen. Auch wenn ich es leicht schade finde, das die Gitarren nicht mehr ganz so verrückt klingen wie auf dem Debüt, und nicht soviel wirre Parts wie auf der EP zu finden sind, so ist dieses Album ein Meisterwerk für sich alleine.

    Für mich das Top Album 2011.

    10/10