Khemmis - Khemmis

Review

Galerie mit 26 Bildern: Khemmis - European Summer Tour 2024 in Stuttgart

Das sollen wirklich schon fünf Jahre seit “Deceiver” gewesen sein? So manche Band würde diesen Umstand als ‘Reunion’ verkaufen und dafür die Ticketpreise verdoppeln. Nicht so aber KHEMMIS. Die Gründe dafür, dass ihr neues, selbstbetiteltes Album etwas mehr Zeit benötigte, sind recht profan: ein neuer Bassist – David Small von GLACIAL TOMB – musste gefunden und viele Tourneen gespielt werden. Zudem sind Gitarrist/Sänger Phil Pendergast und Drummer Zach Coleman (BLACK CURSE) aus Denver weggezogen. Und ein neues Album schreibt sich ja ebenfalls nicht von allein, wenn es Qualität haben soll …

KHEMMIS enttäuschen nicht!

… und die hat dieses Album zweifellos in großem Maße. KHEMMIS klingen insgesamt wieder mehr wie auf ihrem Meilenstein “Hunted” (2016) und stellenweise dem Debüt “Absolution” (2015), also etwas doomiger als zuletzt. Dennoch passiert bekanntermaßen zu viel bei der Band, um sie ausschließlich in ein Subgenre einzuordnen. Allein der Opener “Invocation Of The Dreamer” ist bereits langsamer, aber treibender Heavy Metal mit einzigartiger Melodieführung, wie sie nur ein Phil Pendergast hinbekommt. Apropos Gesang: Die Growls von Gitarrist Ben Hutcherson wurden dieses Mal deutlich sparsamer eingesetzt, was einige freuen dürfte, die sie als nie gänzlich passend empfunden haben.

Auch die folgenden drei Stücke “Corpsebloom Garden”, “Grief’s Reverie” und “Beneath The Scythe” erinnern in Puncto Gitarrenarbeit, Arrangement und Gesangsmelodien an die “Hunted”-Phase. Allerdings sind die einzelnen Songs auf “Khemmis” ein gutes Stück kompakter komponiert und bringen meist die halbe Spielzeit eines durchschnittlichen Tracks der 2016er-Platte über die Ziellinie.

Eine erfrischende Überraschung bilden das treibende “Gilded Chambers”, das mit einem D-Beat eröffnet und “Carrion King”, das erstmals in der Bandgeschichte Blastbeats verwendet. Das wunderschöne “Tomb Of Roses” und der Abschluss “Benediction Tones” sind hingegen wieder urtypisches KHEMMIS-Material im oberen Qualitätsbereich. Wobei wir anmerken müssen, dass sich die Momente des Ausreißens perfekt mit dem ureigenen Stil der Band verbinden und sich völlig natürlich anfühlen.

Ein Querschnitt des bisherigen Schaffens

Dass KHEMMIS ihr neues Album nach sich selbst benannt haben, ergibt Sinn. Man hat das Gefühl, die Band hat die Quintessenz ihres Schaffens im Songwriting so präzise auf den Punkt gebracht wie nie zuvor. Das einzige Hindernis zum neunten Punkt ist leider die etwas zu moderne, unterkühlte Produktion von Dave Otero, die sich vor allem im Schlagzeugsound bemerkbar macht. Man hört, dass der Mann schon mit vielen technischen Death-Metal-Bands zusammengearbeitet hat. Das ist allerdings ein Luxusproblem, denn der Ausnahmestatus der Band, die sicher eines Tages Legendenstatus haben wird, bleibt aufgrund der überragenden musikalischen Klasse unberührt.

05.06.2026

Redakteur

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