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„Lasst uns mal was nicht so Ernstes machen“, sagten sich LONG DISTANCE CALLING nach 20 Jahren Bandgeschichte, nach Alben über den Aufstieg künstlicher Intelligenz („How Do We Want To Live?“) und vom Aussterben bedrohte Tierarten („Eraser“) – und veröffentlichten mit „The Phantom Void“ ein episches Album über düstere Traumlandschaften, Albträume und die Abgründe der Begegnung mit unserem tiefsten, dunkelsten Ich.
Was LONG DISTANCE CALLING unter “nicht so ernst“ verstehen
Im Gegensatz zu seinen Vorgängern ist „The Phantom Void“ zwar kein Konzeptalbum, folgt aber trotzdem einem roten Faden und wird von der Narration einer verzerrten Stimme zusammengehalten. Diese stellt sich auf dem Intro-Song „Mare“ als Albtraum vor und entführt die Hörer:innen auf einen hypnotischen Weg ins Unterbewusste. Mit dem abschließenden „Sinister Companion“ enthüllt die Albtraumstimme dann zwar ihre wahre Identität, lässt dabei aber weiter Spielraum für Interpretation.
Auf ihrem neuen Album zeigen LONG DISTANCE CALLING sich cineastisch und abwechslungsreich und schaffen es mühelos, zwischen verschiedenen Stimmungen zu wechseln. Vom sich windenden „The Spiral“ über das treibende, bedrohliche „Nocturnal“ bis hin zum traurig-melancholischen „Shattered“ profitiert die Band von ihrer Erfahrung und lässt die Wechsel in der Atmosphäre völlig leicht und natürlich wirken.
Aber nicht nur klanglich ist „The Phantom Void“ cineastischer als seine Vorgänger, sondern auch im echten Sinne des Wortes. Dieses Mal gibt es nicht nur eine klangliche, sondern auch eine filmische Umsetzung der Geschichte, in der LONG DISTANCE CALLING zusammen mit Regisseur Felix Julian Koch in einem zusammenhängenden Kurzfilm über drei Songs eine übergeordnete Geschichte erzählen und somit eine Interpretationsmöglichkeit für das Album anbieten.
„The Phantom Void“ goes Hollywood
LONG DISTANCE CALLING sind in ihrer Karriere schon lange an einem Punkt angekommen, an dem sie niemandem mehr etwas beweisen müssen. Die Expertise und das Fingerspitzengefühl der Band stehen außer Frage, entscheidend ist nur individuelle Präferenz. Fans der Interpretation und Spurensuche könnten sich daran stören, dass die Botschaft von „The Phantom Void“ nicht wahnsinnig subtil ist, aber das vor Herzblut triefende Gesamtpaket aus Film, Klang und Thema sollte das locker wieder aufwiegen.

Long Distance Calling - The Phantom Void
Louisa Esch































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