Long Distance Calling
Von Tourbussen, ausverkauften Shows und Unterhosen

Interview

Wir waren für Euch in Stuttgart, um LONG DISTANCE CALLING auf ihrer Boundless-Tour zu interviewen. Im Club Cann haben wir erfahren, wie die Münsteraner das Tourleben angehen, wie man einen Unterhosen-Notstand umgeht und wo man den Tourbus lieber nicht parkt.

Zuerst haben wir der Band aber beim Bühnenaufbau über die Schulter geguckt.

Galerie mit 37 Bildern: Long Distance Calling - Bühnenaufbau in Stuttgart 2018

 

Beim Interview gut drauf und auskunftsfreudig: Jan Hoffmann, Bassist bei LONG DISTANCE CALLING

Wir haben festgestellt, dass ihr euch eine ziemlich stramme Tour vorgenommen habt: Zwei Wochen, kurz und knackig. Ein Wochenende und dann 13 Dates und in 13 Tagen. Habt ihr euren Jahresurlaub geopfert?

Nein, das müssen wir nicht, wir sind alle selbstständig. Wir machen alle neben der Band noch andere Sachen, die mit Musik zu tun haben und wo wir nicht so wahnsinnig ortsgebunden sind. Da kann man sich das relativ gut einrichten oder vorarbeiten. Da muss man zum Glück keinen Jahresurlaub für opfern – das ist ganz gut.

Dann habt Ihr das so stramm gelegt, um Kosten zu sparen?

Jedes Wochenende einzeln loszufahren ist schwierig. Unser Merch-Mann oder der Licht-Mann, die kommen aus Berlin, die müssten wir dann immer wieder von A nach B transportieren, das wäre Quatsch. Außerdem kommt man viel besser in einen Fluß, wenn man am Stück unterwegs ist. Das ist mental und spielerisch auch einfacher, als wenn man immer wieder von vorne anfängt. Nach drei bis vier Tagen ist man in so einem Flow drin und das ist für die Konzerte auf jeden Fall gut.

Was für ein Auto habt Ihr für die Tour – sicher keinen Luxus-Nightliner?

Da fragt ihr genau den Falschen (lacht und wendet sich an den Merchandiser – Anmerkung der Verfasser): Ist das ein Mercedes Sprinter?

Merchandiser: „Ja“

Ja, so ein großer Sprinter, wo alles gerade so reinpasst, die ganze Backline. Wir sind zu siebt auf der Tour: Band, Licht-Mann, Sound-Mann, Merchandiser und das geht gerade so. Man könnte auch mit einem Nightliner fahren, aber das ist natürlich ein Kostenfaktor. So geht das auch.

Damit ist die nächste Frage schon beantwortet, dass ihr nämlich zu siebt auf Tour geht und Sound-Mann, Licht-Mann und euren Merchandiser mitbringt.

Genau.

Aber das heißt dann, dass ihr keine Stagehands dabei habt?

Nein, Stagehands brauchen wir nicht, das kriegt man selbst hin, das ist nicht so wild.

Okay! Wo übernachtet Ihr denn auf der Tour?

In Hotels, der Veranstalter stellt die zur Verfügung.

Ihr fahrt dann aber nicht nachts?

Nein, nein! Gut, manchmal muss man zum Hotel noch etwa ein viertel bis halbes Stündchen maximal fahren, aber am nächsten Tag nach dem Frühstück geht es dann völlig entspannt los in die nächste Stadt.

Wie lange braucht ihr immer für den Bühnen-Aufbau?

Zwei Stunden am Tag würde ich sagen. Bis alles steht und ausgeleuchtet ist, brauchen wir schon zwei Stunden, würde ich sagen.

Zieht ihr jeden Tag neue Saiten auf?

Nicht jeden Tag, ich sowieso nicht, aber die Gitarristen mindestens alle zwei Tage, denke ich.

Wie lange braucht ihr zum Abbau hinterher?

Mit Einladen eine Stunde. Eine Stunde, ja. Das geht schneller als das Aufbauen.

Was für eine Musik hört ihr im Tour-Bus? Streitet Ihr Euch da oder ist das alles ganz easy?

Sowohl als auch (er muss lachen – Anmerkung der Verfasser). Eher unterschiedlich, da wir alle einen unterschiedlichen Geschmack haben. Ich sag mal, von Underground Black Metal bis Rap und irgendwelchem Elektrokram ist da alles dabei. Jeder darf mal sozusagen. (grinst – Anmerkung der Verfasser)

Wie ernährt Ihr euch auf der Tour? Habt ihr auch Veganer oder Vegetarier dabei?

Zu ungesund. Also man versucht das natürlich zu vermeiden, wir haben auch so gut wie keine Süßigkeiten hier herumstehen – absichtlich! Das hatten wir am Anfang, das ist aber nicht so wahnsinnig gesund und man merkt das auch. Jetzt haben wir eben viel mehr Früchte und so einen Kram aber so zwischendurch isst man dann doch genügend Mist, leider. Aber wir sind da auf dem Weg der Besserung. Ja, wir haben, glaube ich, zwei oder drei Vegetarier dabei, die anderen essen Fleisch. Es gab auch mal vegane Phasen, aber das ist vorbei.

Und die kriegen dann das Essen auch passend?

Ja, die kriegen das dann auch.

Kommt ihr unterwegs auch zum Wäschewaschen?

Gestern ging es mal, sonst ist es eher schwierig. Es kommt immer auf die Größe vom Laden an. Gestern waren wir ja in Wiesbaden und da waren wir sozusagen im kleinen Club vom großen Club  (im Kulturzentrum Schlachthof Wiesbaden – Anmerkung der Verfasser) und die haben alles da. Oder auch in der Schweiz, in Aarau im Kiff glaube ich, da gibt es auch alles, es kommt ganz auf den Laden an. Aber man sollte sich da nicht darauf verlassen und lieber genügend Unterhosen dabei haben.

Habt Ihr spezielle Bühnenklamotten?

Ja, und das hat auch einen Grund. Sonst schleppt man nämlich 14 nasse Shirts mit sich herum, das ist ziemlich eklig. Ein ekliges Shirt reicht, das wird dann zum Trocknen aufgehängt und am nächsten Abend muss man dann halt durch, das sind dann zwei Stunden. (lacht herzhaft – Anmerkung der Verfasser)

 

LONG DISTANCE CALLING: 11 mal „Sold Out“ auf der Boundless-Tour!

Tourplakat Long Distance Calling auf Boundless Tour 2018

Long Distance Calling – Boundless Tour 2018 – 11 x Sold Out

Ihr habt jetzt ja echt viele ausverkaufte Shows auf der Tour. Ärgert ihr euch, dass ihr nicht größere Venues habt buchen lassen?

Nein! Also klar, man freut sich natürlich, wenn man mehr Tickets verkaufen kann. Die letzte Platte kam ja so relativ gemischt an, da wussten wir nicht, was jetzt auf der Boundless-Tour passiert und haben dann ein bisschen vorsichtiger die Läden ausgewählt. Von dem her sind wir sehr zufrieden damit, dass wir 11 ausverkaufte Shows haben. Das ist echt super – 11 mal ausverkauft von 16 Shows, das war schon die richtige Entscheidung.

Läuft bis jetzt alles reibungslos oder gab es schon größere Pannen?

Nö, auf dieser Tour lief bis jetzt alles easy. Man ist nach ein paar Tagen in diesem Fluß drinnen, wo dann die ganzen Abläufe schneller gehen. Das hat sich dann eingespielt und geht dann auch schnell, bisher war eigentlich alles unkompliziert.

Nun kommt auch schon unsere letzte Frage: Was war die größte Panne, die LONG DISTANCE CALLING jemals auf Tour hatten?

(Jan zieht die Brauen hoch und wendet sich an Janosch Rathmer, den Drummer – Anmerkung der Verfasser)

Jan: „Janosch?“

Janosch: „Das wirst du dir doch selbst beantworten können!“   

Jan: „Nee, meinst du das mit der abgeschleppten Karre?“

Janosch: „Ja, viel beschissener geht es ja nicht, oder?“

Jan: „Ja doch, schon. (spricht wieder zu uns – Anmerkung der Verfasser). Damals auf der Tour mit DREDG, da wurde am ersten Tag unser Auto abgeschleppt. Das hatten wir am Abend davor gepackt mit der kompletten Backline, mit allem was wir hatten. Und das war abgeschleppt, weil einer von uns, ich möchte keinen Namen nennen, über Nacht halb auf einer Bushaltestelle und halb auf einem Behindertenparkplatz geparkt hatte. Als wir morgens da ankamen, war die Karre halt weg, mit allem, das war nicht so schön.

Habt Ihr es dann noch geschafft?

Ja, gerade so. Wir hatten auch schon einen geplatzten Reifen am Nightliner, in München, und mussten mit dem Reisebus nach Wien fahren. Also es passieren da schon mal Sachen und da muss man dann einfach durch. Aber irgendwie geht es eigentlich immer.

Schön, dass Ihr das Interview mit uns gemacht habt und wir freuen uns total auf die Show!

 

Dagmar Geiger und Stephanie Lauber

Die Bilder von der Show aus dem Stuttgarter Club Cann findet ihr im Konzertbericht von LONG DISTANCE CALLING in Hannover. Kollege Lattemann empfand das als Wohnzimmer-Konzert, das als Club-Gig getarnt war.

 

13.03.2018

Foto-Team

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