Loverboy - Live In ‘82

Review

LOVERBOY-Aficionados werden vielleicht schnell bemerken, dass “Live In ‘82” tatsächlich das erste offizielle Live-Album der Band ist. Ein Umstand, der angesichts der regen Touraktivität in den Achtzigern und in der neueren Zeit verwundert. Findet man also im Netz Handymitschnitte von aktuellen Auftritten und die eine oder andere Playback-Show aus alten Tagen, sieht es mit dem echten Stoff eher mau aus („Live, Loud And Loose (1982-1986)“ zählt nicht, da es eher eine Live-Compilation aus verschiedenen Zeitschnitten ist).

Premiere mit “Live In ‘82”

Bis jetzt, denn Gitarrist Paul Dean hat sich endlich einer Reihe von alten Bändern angenommen, auf denen die Show vom 21. Mai 1982 mitgeschnitten wurde. Und zwar nicht nur als Tonaufzeichnung, sondern auch als professionelle Filmaufnahme. Also heißt es: Schalter umlegen und zurück in die Achtziger beamen. In eine Zeit, in der LOVERBOY zur Speerspitze kanadischer Rockbands gehörte, Millionen Platten verkaufte, in einem Jahr sechs Juno-Awards abräumte (dem kanadischen ‚Grammy‘) und live das ein oder andere Strahlen auf die Gesichter der häufig weiblichen Fans zaubern konnte.

“Live In ‘82” bietet eine Punktlandung im Pacific Coliseum in Vancouver, BC, das an diesem Abend laut Booklet mit rund 15.000 Zuschauern ausverkauft war. Es bietet eine Punktlandung zu einem Livegig von einer Rockband, die 1982 wie eine gut geölte Maschine lief und alle ihre Hits souverän performte. Damit wir uns verstehen: Das hier ist live, von Anfang bis Ende, und LOVERBOY mussten harte Arbeit abliefern.

Gut geölte Maschine

Allen voran Drummer Matt Frenette, der jeden zweiten Schlag mimisch begleitet, und Gitarrist Paul Dean, dem das Livespielen und Improvisieren bereits in die Wiege gelegt sein muss. Jedenfalls gibt er den erfahrenen Rock’n’Roller, der den Sound zusammenhält und den nichts aus der Ruhe bringen kann. Mittelpunkt ist aber natürlich Sänger Mike Rynoski (a.k.a. Reno), der das Publikum auch schon mal mit einem angedeuteten T-Shirt-Lupfer zum Ausrasten bringt. Last but not least komplettieren Bassist Scott Smith und Keyboarder Doug Johnson die Gang, deren Beitrag für die Musik so imminent wichtig ist (aber man weiß teilweise gar nicht so recht, warum).

Der Sound ist angenehm und klingt im besten Sinne wie 1982. Gleiches gilt für die Bildqualität des BluRay-Teils – die Aufnahmen sind zwar ein Zeitdokument und weit entfernt, 4K-Qualität zu liefern, aber das leichte Bildrauschen ist angesichts der guten Ausleuchtung der Bühne zu vernachlässigen. Außerdem gibt es eine damals topmoderne Lasershow zu bewundern. Woran sich das Alter von mittlerweile 42 Jahren auch noch zeigt, ist die Schnittfrequenz: Statt hektischem Szenenstakkato sind die Musiker in längeren Einstellungen zu sehen, was allerdings durch geschickte Kamerabewegungen alles andere als statisch aussieht.

Die Setlist ergibt sich von selbst, möchte man meinen. Jedoch gibt es hier den einzigen Wermutstropfen, denn das Filmteam hat nicht das gesamte Konzert gefilmt, sondern nur die jetzt vorhandenen zehn Stücke. Immerhin sind mit „Working For The Weekend“, „Turn Me Loose“ und „Lucky Ones” die größten Hits mit dabei, und auch das harte „Gangs In The Streets“ darf nicht fehlen. Den ausgelassensten Liveteil gibt es beim Midtempo-Hüftschwinger „Take Me To The Top“ zu hören, wenn Keyboarder Doug Johnson zum Saxophonsolo ansetzt.

LOVERBOY liefern

Alles in allem ist “Live In ‘82” also für alle LOVERBOY-Fans lohnenswert. Sollte es in absehbarer Zeit nicht möglich sein, mittels Fluxkompensator in die goldenen Achtziger zu reisen, ist dieses Stück Livegeschichte doch zumindest eine gute Gelegenheit, die vergangenen Tage wiederaufleben zu lassen – ja, eigentlich mehr noch: sich begeistern zu lassen.

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3 Kommentare zu Loverboy - Live In ‘82

  1. nili68 sagt:

    Zuerst dachte ich „Was ’n das für’n Scheiss?“, aber es würde mich nicht stören, wenn’s wo läuft. Kompetenter Sänger und Songwriting. Don’t judge a book by its cover oder so.. lol
    Wie viele geile Bands es wohl gibt, denen man wegen dem „Drumherum“ aus Ignoranz keine Chance gibt? Hm….

  2. doktor von pain sagt:

    Irgendwann um das Jahr 2000 herum habe ich in einem Geschäft nach CDs gestöbert und stieß dabei auf das Album irgendeiner 80er-Jahre-Band. Ich erinnere mich nicht mehr, welche es war. Jedenfalls fand ich den Look der Mitglieder auf dem Bandfoto – Pudelfrisuren, schreckliche Klamotten – so abschreckend, dass ich mir das Album gar nicht erst angehört habe. Aber ich weiß dafür noch, dass ich später rausfand, dass die Band gute Musik gemacht hat. So kann’s gehen.

  3. nili68 sagt:

    Das geht auch anders herum. Da erwartet man sich von einer Band wegen dem „Drumherum“ sonst was und dann..
    Scheiß Oberflächlichkeit.. 😄