Mercyful Fate - Melissa

Review

Das Cover von „Melissa“ war gemein (für damalige Verhältnisse), die Rückseite der LP erst recht. Da war der Kauf beschlossene Sache. MERCYFUL FATE nannte sich die Band, deren Bandleader auf den eigenwilligen Nammen King Diamond hörte und der sehr seltsam gewandet war… „Evil“ nannte sich der Opener der Scheibe, und was sich da an Metalklängen entfaltete, war schon nach den ersten Sekunden verblüffend, ergreifend, genial… „I was born on the cemetery / Under the sign of the moon / Raised from my grave / by the dead…“ Diese Zeilen und „Oh lady cry and say goodbye, goodbye“ werde ich noch bei der letzten Ölung trällern können. Was der Sänger mit dem seltsamen Namen da veranstaltete, diese Mischung aus Falsett, anklagenden Vocals (die stärkste seiner vielen starken Stimmlagen) und düsteren, bis dahin noch nicht gehörten gemeinen Tonlagen, das konnte sofort begeistern. Auch der eigenartige Songaufbau mit immer neuen Wendungen, tollen Gitarrenlicks der Klampfenfront Shermann/Denner, deren Zusammenspiel so nur von den Priestern Tipton/Downing hätte erreicht werden können, das alles kam unerwartet und unglaublich gut. „Curse Of The Pharaohs“ und „Into The Coven“ und „das verschachtelte „At The Sound Of The Demon Bell“ waren eher im Heavy- und weniger im Speed-Bereich anzusiedeln, brettharte, laute Gitarren bildeten einen wunderbaren Kontrapunkt zum variablen Gesang vom diamantenen König. So bösartig und dabei so gut war noch keine Band vorher; das Niveau der Songs war überwältigend und MERCYFUL FATE katapultierten sich quasi über Nacht in eine Liga mit METALLICA.

Das schnelle, mitreissende „Black Funeral“ ist immer noch einer der besten Düster-Metalsongs aller Zeiten, „Now drink it, now drink, drink…“ textlich ein wenig archaisch und, nun ja… aber was hier zählt, ist die Musik, und die war (und ist) überirdisch gut. In „Satan’s Fall“ brachten MERCYFUL FATE Ideen für ein ganzes Album unter; unvergessen der schnelle Mittelteil (auch hier übergehe ich mal den Text…). Komplex arrangiert, gab es ein Auf und Ab auf der Klaviatur des Wahnsinns. Eher ruhige Töne dagegen schlug das Finale „Melissa“ an, akustische Gitarren, glockenhelle einschmeichelnde Vocals des Meisters und eine Härtesteigerung zum Ende hin waren zu vernehmen. Im Grunde wurden auf diesem Debut bereits alle Trademarks aufgeboten, die die Band später auszeichneten. Als der King dann auf Solopfaden wandelte, wurden die Tracks artifizieller, konzeptioneller, experimenteller. MERCYFUL FATE spielten nach ihrem Comeback auf gleich hohem Niveau; so satanistisch und archaisch-wild wie auf dem Debut und, in abgemilderter Form auf „Don’t Break The Oath“ waren sie jedoch nicht mehr.

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01.03.2007

Der metal.de Serviervorschlag

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